Bamberg
Toter in Asylunterkunft

Ein Toter bei Brand in Asylunterkunft in Bamberg: Polizei schließt Anschlag aus

Bei einem Feuer in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken in Bamberg starb ein Bewohner, mehrere wurden verletzt. Die Polizei schließt einen Anschlag aus.
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Ein Brand in einer Wohnung in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken forderte ein Todesopfer. Mehrere Menschen wurden verletzt. Foto: News5/Herse
Ein Brand in einer Wohnung in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken forderte ein Todesopfer. Mehrere Menschen wurden verletzt. Foto: News5/Herse
Wie die Polizei mitteilt, ging am frühen Mittwochmorgen gegen 3 Uhr ein Notruf ein, der von einem Brand in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken auf dem ehemaligen Gelände der US-Kaserne in Bamberg berichtete. Eine Wohnung im Erdgeschoss war in Flammen aufgegangen.

Dabei starb ein Mensch, mehrere weitere Bewohner wurden verletzt. Durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr konnten weitere Todesopfer vermieden werden. Die Ermittlungen zur Brandursache laufen.


Großeinsatz der Feuerwehr an der AEO

Insgesamt rückten ca. 30 Polizei- und 50 Feuerwehreinsatzkräfte zum Einsatz aus. Auch zahlreiche Einsatzkräfte der Rettungsdienste waren vor Ort. Der Feuerwehr gelang es schnell, den Brand unter Kontrolle zu bekommen und ein Übergreifen auf andere Wohnungen zu verhindern.

Jedoch hatte sich im gesamten Gebäude sehr schnell Rauch ausgebreitet. Die Mehrheit der Bewohner konnte selbstständig das Gebäude verlassen. Einige konnten jedoch nur durch das schnelle Eingreifend der Feuerwehr gerettet werden: Wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilt, retteten die Einsatzkräfte 5 Bewohner über tragbare Leitern aus dem Gebäude. Vier Menschen wurden aus verrauchten Räumen befreit.

Insgesamt erlitten 15 Menschen durch die starke Rauchentwicklung leichte Verletzungen. Sieben der Verletzten brachte der Rettungsdienst in Krankenhäuser.

Bei Betreten der ausgebrannten Wohnung entdeckten die Rettungskräfte eine tote Person. Nach ersten Erkenntnissen der Brandfahnder dürfte das Feuer in dem Zimmer, in dem die Leiche entdeckt wurde, ausgebrochen sein. Hinweise auf eine Ursache von außen liegen den Ermittlern derzeit nicht vor.

Untersuchungen: Wer starb beim Brand in der Aufnahmeeinrichtung in Bamberg?

Gleichzeitig laufen die rechtsmedizinischen Untersuchungen am Leichnam, die Aufschluss zur bislang noch unklaren Identität des Toten sowie dessen Todesursache geben sollen. Alexander Czech, Sprecher des Polizeipräsidiums, teilte schließlich mit, dass eine Einwirkung von außerhalb der Einrichtung für die Ursache des Brandes weitgehend ausgeschlossen werden könne - und damit auch ein fremdenfeindlicher Anschlag. Der Sachschaden wird auf 50.000 Euro geschätzt.



Umstrittene Aufnahmeeinrichtung - Diskussionen nehmen zu

Die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken, so der offizielle Titel der Anlage, ist nicht unumstritten. Früher wohnten hier Angehörige des US-Militärs. Das Gelände war eine Stadt in der Stadt, mit komplett eigener Infrastruktur. So ist es auch heute.

Nur leben hier keine Soldaten mit ihren Familien mehr, sondern Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen haben - in der Hoffnung, Asyl in Deutschland zu finden. Ein Zaun und eine Schranke trennen sie von der restlichen Stadt. Die Regierung von Oberfranken als Betreiberin betont aber, dass jeder, wann immer er möchte, die Unterkunft verlassen könne.

2015 waren die ersten Flüchtlinge in die ehemalige US-Kaserne gezogen - sie war ursprünglich als Unterkunft für Menschen eingerichtet worden, deren Asylantrag sowieso kaum Chancen auf Erfolg hatte. Mit Behördenvertretern direkt vor Ort sollte so schnell wie möglich über die Asylanträge entschieden werden.


Kritik von Seiten der Flüchtlingshelfer

Vor allem der Flüchtlingsrat kritisiert immer wieder die Bedingungen. Anfang des Jahres bezeichnete die Organisation die Einrichtung als menschenverachtendes "Abschiebelager", das an der Rechtsstaatlichkeit von Asylverfahren zweifeln ließe.

Im September 2016 wurde in der ehemaligen Bamberger Kaserne aber auch eine reguläre Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge untergebracht. Nach Angaben der Regierung von Oberfranken fungiert die Unterkunft somit als erste Anlaufstelle für Asylsuchende in Oberfranken.

Erst im Sommer wurde der Ausbau der früheren Kaserne abgeschlossen - theoretisch gäbe es jetzt Platz für 3400 Asylbewerber. Derzeit leben dort aber nur 1230 Menschen. Die Erweiterung ist auf harsche Kritik in der Stadt gestoßen. Mit 3400 Plätzen werde eine 73 000-Einwohner-Stadt überfordert, hatte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) argumentiert.


Herrmann kündigt mehr Polizei für Bamberg an

Noch vor wenigen Tagen hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mehr Polizeipräsenz in Bamberg angekündigt - wegen der riesigen Flüchtlingsunterkunft. "Mit den zusätzlichen Maßnahmen gehen wir gezielt auf die Ängste und Sorgen unserer Bürgerinnen und Bürger ein", sagte der CSU-Politiker.
Die Regierung von Oberfranken versucht, mit Transparenz auf Kritik zu antworten. Regelmäßig gibt es Medientermine in der Einrichtung - auch vom Brandort erlaubt man jetzt Foto- und Filmaufnahmen von außen.
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