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Deshalb stellt Brose Bamberg keine Spieler für die WM-Qualifikation ab

Die anstehenden Weltmeisterschafts-Qualifikationspiele werden ohne Bamberger Beteiligung stattfinden. Brose Bamberg hat dazu Stellung bezogen.
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Maodo Lo wird seine Durchsetzungskraft Ende November nicht im Nationaltrikot, sondern im Dress von Brose Bamberg unter Beweis stellen. Foto: Kilian Schmitt
Maodo Lo wird seine Durchsetzungskraft Ende November nicht im Nationaltrikot, sondern im Dress von Brose Bamberg unter Beweis stellen. Foto: Kilian Schmitt
Nationalmannschaftsfenster - ein Begriff, der Vereinen, Verbänden und Spielern Sorgen und Gewissenskonflikte bereitet. Aktuell wurde das Thema nun wieder durch die Nominierung der Nationalkader für die WM-Qualifikationsspiele, die zeitlich mit dem Euroleague-Spielplan kollidieren. Brose Bamberg hat nun Stellung bezogen: "Stand jetzt können wir keine Spieler für die WM-Qualifikation abstellen", sagt Geschäftsführer Rolf Beyer.


Nationalspieler mit Bamberg gegen Valencia

Das heißt: Die für das DBB-Team nominierten Maodo Lo, Lucca Staiger und Patrick Heckmann werden nicht in den Partien gegen Georgien (24. November) und Österreich (27. November) zum Einsatz kommen, sondern mit Brose Bamberg in der Euroleague gegen Valencia BC (23. November) spielen. Auch Aleksej Nikolic wird für den deutschen Meister anstatt für Slowenien Körbe werfen.


Auch die Spanier schicken keine Spieler zu Nationalteams

Diese Entscheidung reifte bei den Bambergern auch nach Gesprächen mit Euroleague-Konkurrent Valencia, wo unter anderem der für das DBB-Team nominierte Tibor Pleiß aktiv ist. "Die Spanier werden ebenfalls keine Spieler zu den Nationalteams schicken", bestätigt Brose-Mediendirektor Thorsten Vogt.

Die Überschneidungen auf dem Terminplan haben ihren Ursprung in der Entscheidung des Weltverbandes Fiba, die Weltmeisterschaften ab 2019 nur noch in ungeraden Jahren auszutragen. Die Qualifikationsspiele sollen innerhalb der neu geschaffenen Nationalmannschaftsfenster im November und Februar gespielt werden. Das Problem: Dazu müssen die anderen Basketball-Wettbewerbe ihren Spielbetrieb jeweils für eine Woche einstellen.

Die nordamerikanische NBA machte schnell klar, dass das nicht in Frage kommt. Das Euroleague Commerical Assets (ECA) wollte die Quali-Spiele im Sommer belassen, stieß mit diesem Vorschlag aber auf wenig Gegenliebe. Die Fronten zwischen Fiba und ECA verhärteten sich, was zur jetzigen Situation führte.


Werden Nationalteams zu B- und C-Mannschaften?

So stehen die großen Basketball-Nationen vor dem Problem, eine B- oder gar C-Mannschaft ins Rennen schicken zu müssen, wenn die Vereine ihre Spieler nicht freistellen. Unter anderem sind nach Zählung des Basketball-Fachmagazins "Big" 33 potenzielle spanische Nationalspieler bei NBA- oder Euroleague-Vereinen unter Vertrag. Bei der Türkei sind es 17, bei Frankreich und Serbien je 23. Die WM-Qualifikation wird so zur Farce.

Die Haltung der Vereine ist vor allem in einem Punkt begründet: Sie bezahlen die Gehälter der Spieler. Einsätze in WM-Quali und Euroleague wären eine zu große Belastung für die Profis. Die Spieler sind die Leidtragenden der aktuellen Entwicklung. Für viele ist das Nationalteam eine Herzensangelegenheit, aber sie wollen auch den vertraglichen Pflichten bei ihren Vereinen nachkommen. "Wir Euroleague-Spieler sind in einer unkomfortablen Situation", sagt der aktuell verletzte italienische Nationalspieler Daniel Hackett von Brose Bamberg. "Und das ist nicht unsere Schuld. Es ist ein Chaos."
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