Bamberg
Rudern

Rudern: Idyllisches Schwitzen in Bambergs grünem Herzen

Bei der Bamberger Rudergesellschaft treibt man auf einer der schönsten Regatta-Strecken Bayerns Sport: auf der Regnitz. Und auch bei geringer Schlagzahl kommt man als ungeübter Sportler schon ordentlich ins Schwitzen.
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Es ist richtig idyllisch hier. Bei leichter Bewölkung und herrlichen 26 Grad flaniere ich zwischen den alten, großen Bäumen des Hains - und schwitze. Denn ich bin nicht zu Fuß im Bamberger Stadtpark unterwegs, sondern auf dem Wasser. Zusammen mit den Ruderern der Bamberger Rudergesellschaft (BRG) bin ich wieder in Sachen "Großer Sport" unterwegs.

"Im Winter haben wir es natürlich nicht so hübsch. Da sitzen wir im Kraftraum auf unseren Rudermaschinen und starren die Wand an", erklärt der stellvertretende Vorsitzende der BRG und mein heutiger Trainingspartner Alexander Schock. Zum Glück habe ich einen guten Tag erwischt. Nach einer kurzen Einführung, bei der ich von Schock und Steuerfrau Lena Zachas auch immer wieder daran erinnert werde, wie leicht es wäre, hier ins Wasser zu fallen, geht es auf die Regnitz. Und es ist tatsächlich eine eher wacklige Angelegenheit. Allein das Einsteigen treibt mir schon die ersten Schweißperlen auf die Stirn. Doch mit ein bisschen Hilfe sitze ich wenig später gut festgeschnallt im Boot und wir starten.
 


Doppelt so schnell wäre normal ...

Eher gemächlich fahren wir gegen die Strömung hinauf zur Buger Spitze. Immer wieder überholen uns Boote aus dem Verein - meist mit Kindern und Jugendlichen an Bord. "Wir sind vor allem beim Nachwuchs sehr aktiv", erklärt mir Schock. Und der Nachwuchs ist gar nicht so schlecht. Mit Leichtigkeit und grinsend ziehen sie an uns vorbei. "Wenn wir wettkampftauglich rudern wollen, sollten wir etwas zulegen", so Lena Zachas, die gemütlich auf ihrem Platz sitzt und uns beim Sport zuschaut. Gelassen hört sich auch Alexander Schock hinter mir an. Ich kann ihn zwar nicht sehen, aber während ich schon schwer atme erklärt er mir von der Geschichte des Vereins.

"Entdecke ich da etwa schon die ein oder andere Schweißperle", ruft Schock süffisant nach vorne. Ich nicke nur, denn inzwischen muss ich mich echt anstrengen. Nicht nur der körperliche Auwand ist für mich hoch. Auch die Bewegungsabläufe kann ich mir nicht so recht einprägen. Immer wieder stoße ich mit den Händen aneinander, bekomme das Ruderblatt nicht senkrecht ins Wasser oder bleibe beim Austauchen schlicht "am Fluss hängen".

Gut, dass wir uns entschließen umzukehren. Mit der Strömung geht es um einiges leichter - und auch schneller. Dennoch bin ich heilfroh, als ich das Bootshaus wieder sehe. Mit gekonntem Schwung landen wir am Steg und steigen aus. Auch das ist wieder eher wacklig, aber ich bleibe trocken - abgesehen vom schweißnassen T-Shirt.

Noch das Boot verstauen und fertig ist mein Probetraining. Gerade für Leute, die sich gerne im Freien fit halten - und über mehr Körperkoordination verfügen als ich - ist Rudern eine echte Alternative. Zumindest, solange es draußen einigermaßen warm ist. Im Winter bleibt auch den Ruderern nur der Gang in den Kraftraum. Aber bis dahin hat man die Möglichkeit, sich auf Bayerns schönster Regattastrecke auszutoben.
 


Die Sportart: "Arme ganz ausgestreckt und Arsch nach vorne"

Es ist vor allem Kondition und Kontinuität, die den Erfolg beim Rudern ausmachen. Egal ob man nun als Einzelkämpfer im Boot sitzt oder zusammen mit sieben anderen Ruderern und einem Steuermann - der Bewegungsablauf ist immer der Gleiche.

Über das Rollbrett, auf dem man sitzt, koordiniert man den kompletten Bewegungsablauf. "In der Ausgangsstellung sind die Arme ganz ausgestreckt und der Arsch vorne", erklärt Trainerin Lena Zachas. Dann rollt man nach hinten, indem man die Beine ausstreckt und zieht die Arme zum Körper.

Da macht es dann auch keinen Unterschied, ob man mit einem Riemen rudert oder mit zwei Skulls. Letzteres ist gerade für Hobbysportler und Anfänger die leichtere Variante, da man zum einen schneller vorwärts kommt und zum anderen auch einigermaßen gerade rudert. "Gerade wenn bei den Riemen einer schneller zieht als der andere, kann das schnell im Kreisverkehr enden", weiß Trainer Alexander Schock.

Denn im Gegensatz zu eigentlich allen anderen Sportarten sehen die Ruderer nie, wohin sie fahren. Mit dem Rücken zum Ziel orientieren sie sich an den Wellen, die sie hinterlassen oder - bei Wettkämpfen - an Bojen und den Konkurrenzbooten. Einzig der Steuermann behält hier den Überblick und kann - ganz wie der Name es auch sagt - korrigierend eingreifen, sollte etwas im wahrsten Sinn des Wortes "schief laufen"
.
Inzwischen bestehen Wettkampfboote sowie die Ruder allesamt aus Carbon. Doch früher ging man mit Rudern aus Holz aufs Wasser. Diese waren dann, um sie nicht zu schwer zu machen, innen hohl.
 


Der Verein: Auch der König liebte die Regnitz

Rudern auf der Regnitz blickt hat eine lange Tradition. Bereits vor der Gründung der Bamberger Rudergesellschaft (BRG) im Jahr 1884 gab es in Bamberg eine eigene "Ruderszene". Mit anfänglich neun Mitgliedern wurde die Regnitz befahren, auch wenn es immer wieder Gegenwind gab. So spaltete sich der Verein Anfang des 20. Jahrhunderts auf oder es wurde zwischenzeitlich das "Nutzen der kanalisierten Regnitz" vom Kanalamt in Nürnberg verboten.

Doch die Schönheit der Strecke sprach sich herum. Der in Frankfurt gegründete "Regattaverein Regnitz" wollte Bamberg zu einem zweiten Henley - einem Mekka für Ruderer in England - machen. Dieses Bestreben wurde von König Ludwig III. forciert, der sich für den Bau eines Bootshauses einsetzte und zu seiner feierlichen Eröffnung im Jahr 1914 erschien - natürlich stilecht in einem Boot über die Regnitz.

Aus der BRG gingen viele erfolgreiche Sportler hervor. Unter ihnen deutsche Meister und auch Olympiateilnehmer. Aktuell gibt es bei der BRG einen amtierenden bayerischen Meister mit Eva Ammermann und Antonia Beyer im Mädchen-Doppelzweier. Sie setzten sich im vergangenen Mai bei der Regatta in Schweinfurt durch.

Doch der Verein will nicht nur im Leistungssport Akzente setzen, er fühlt sich durchaus auch dem Breitensport verpflichtet. "Bei uns gibt es viele Hobby-Kurse sowie Kinder- und Jugendtrainings", weiß der stellvertretende Vorsitzende Alexander Schock. Und so sieht man zu den Trainingszeiten auf der Regnitz eine Vielzahl an Booten, von der Alterstruktur her bunt gemischt. Henley ist es zwar nicht geworden, aber immerhin eine der schönsten Strecken Bayerns.


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