Scheßlitz
Landwirtschaft

Sauberes Grundwasser erstes Ziel

Eine neue Düngeverordnung stand im Mittelpunkt der Fachtagung im Pflanzenbau in Wiesengiech.
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Ein Landwirt bringt Gülle auf einem Feld aus. Trotz aller Anstrengungen bleibt die Nitratbelastung des Grundwassers ein Problem. Foto: dpa
Ein Landwirt bringt Gülle auf einem Feld aus. Trotz aller Anstrengungen bleibt die Nitratbelastung des Grundwassers ein Problem. Foto: dpa
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Glyphosat, Nitrat, Phosphat - Reizwörter, wenn es um das Thema sauberes Grundwasser geht. Wie praktisch damit umgehen? Welche gesetzlichen Vorgaben gelten aktuell? Was darf der Bauer eigentlich und was nicht?
Fragen wie diese waren zentrales Thema bei der Fachtagung im Pflanzenbau im Sportheim in Wiesengiech. Derartige Bildungseminare für Landwirte veranstaltet das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg in den Wintermonaten regelmäßig. Bildungsreferentin Waltraud Dümmler konnte dazu jetzt rund 130 Bauern begrüßen.
Im ersten größeren Referat informierte Reinhard Ostermeier vom Fachzentrum Pflanzenbau Bayreuth, einem der vier bayrischen Zentren, über den aktuellen Pflanzenschutz. Bei der Erläuterung über Glyphosat wies er die Bauern darauf hin, nicht zu viel Spritzmittel zu kaufen, da man nicht wisse, wie lange es noch erlaubt sei - wohl wissen, dass es bislang kein Urteil gibt, ob Glyphosat auch tatsächlich giftig sei oder nicht.
Eindringlich wies Ostermeier aber darauf hin, keine Wegränder oder Gräben zu spritzen und die Hangneigungsauflagen zu beachten. Mit einigen Bildern von blühenden Rapsfeldern ermahnte er, auch nicht mit B 4 bienenungefährlichen Mitteln während der Zeit zu spritzen, wenn Bienen fliegen, da die Gefahr von Rückständen im Honig bestehe und Imker und Bauern sich gegenseitig brauchen und nützen würden.
Hauptthema indes war die neu geltende Düngeverordnung. Waltraud Dümmler erläuterte, dass die Europäische Union (EU) auch Deutschland aufgefordert habe, das Grundwasser sauberer zu machen, da zu viel Nitrat und Phosphat darin enthalten sei. Die Reduzierung sei aber Ländersache. In Deutschland gelte ab 31. März eine neue Düngeverordnung. "Diese müssen wir unbedingt einhalten, sonst wird sie weiter verschärft", bläute sie den Bauern ein.
Claudia Alberts vom AELF Coburg war nach Wiesengiech gekommen, um über Vorgaben und Kontrollpunkte zu informieren. "Der Gewässerabstand von vier Metern oder einem Meter bei platzierter Düngung muss eingehalten werden und auch die Auflagen bei Hangflächen müssen beachtet werden", ermahnte sie die Zuhörer. Auch auf die geänderten Sperrfristen für die Ausbringung von Gülle ging sie ein, um keine Strafen festsetzen zu müssen. Die Lagerkapazitäten für die nächsten Jahre seien geändert worden und es gebe keinen Raum für Abweichungen. Wie bei der Gülle müssten die Bauern auch bei der Stoffstrombilanz genaue Aufzeichnungen machen - worüber die Landwirte zwar kräftig schimpften, "aber es führt kein Weg mehr daran vorbei", meinte die Referentin.
Sachlich genau beantwortete sie die wenigen Fragen der Anwesenden und ließ keinen Interpretationsspielraum bei der Auslegung zu. Bei allen möglichen Problemfällen sei es ratsam, sich vorher mit dem Amt in Verbindung zu setzen.


Wichtiger Leitfaden

Waltraud Dümmler ihrerseits erklärte anhand von vielen Tabellen die Düngebedarfsberechnungen auf Ackerland und Grünland. Wie eine Pfarrerin mit der Bibel hielt sie immer wieder das "Gelbe Heft, Leitfaden für die Düngung von Acker- und Grünland" in die Höhe. "Dieses gelbe Heft muss jeder Bauer parat haben und lesen!", verkündete sie mehrmals, falls ein Bauer mal gerade nicht so zugehört haben sollte. Bemängelt wurde nicht nur von ihr, sondern allgemein, dass die notwendigen Programme zur leichteren Buchführung noch nicht in leichter "Computerform" vorlägen.
Anton Weig schließlich schloss die Referate ab. Er hatte bei drei Bauern im Landkreis zusammen mit den Besitzern, Maschinenherstellern und -händlern im vergangenen Jahre Versuche auf Feldern unternommen und berichtete nun ausführlich darüber.
Der erste Versuch befasste sich mit dem Anbau der gelben Becherpflanze, auch Silphie genannt, auf dem Hof von Jörg Deinlein in Neudorf bei Scheßlitz. Der nächste lief auf dem Hof von Georg und Stefan Hollfelder in Litzendorf unter dem Titel "Pflugloser Kleegrasumbruch im Frühjahr vor Mais mit und ohne Glyphosat". Zwar wurden die Ernteergebnisse genau dargestellt, in der Diskussion aber wurde von Landwirten auch darauf hingewiesen, dass letztes Jahr bei den Wetterverhältnissen andere Bedingungen als sonst herrschten, das Mittel also nötig sei. Der letzte Versuch befasste sich mit den Zwischenfrüchten in Hohengüßbach bei Norbert Hollfelder.


Es geht um den guten Ruf

Waltraud Dümmler schloss die Veranstaltung mit den Worten: "Ich möchte nicht, dass die Landwirtschaft an den Pranger gestellt wird, sondern dass die Bauern den guten Ruf als Land-wirte beibehalten!"
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