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Pilgern in Franken

Faszination Wallfahrt: Warum Menschen pilgern

Die Klagemauer in Jerusalem, die Ka'ba in Mekka und Buddhas Fußabdrücke in Thailand: Pilgern liegt im Trend - und das nicht nur bei Christen.
Der Kilometerstein von Santiago de Compostela. Foto: Archiv.
 
von MARION KRÜGER-HUNDRUP
Natürlich hat Hape Kerkelings Bestseller "Ich bin dann mal weg" einen gewissen Anteil daran, dass das Pilgerwesen zu einer neuen Blüte gekommen ist. Tausende pilgern gerade auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela - teils als Selbsfindungstripp, teils als sportliche Übung, immer mit einer geheimen Sehnsucht nach einer vertrauensvollen Begegnung mit Gott. Nur noch selten sind heute die Motive für eine Pilgerreise anzutreffen, die in früheren Zeiten die volksfrommen Gläubigen auf die Beine brachten: Buße, Gelübde, Gebetsanliegen und -erhörungen, Beichte am Wallfahrtsort.


Pilgerweisheit: Das Ziel ist das Ziel

"Der Weg ist das Ziel" ist eines der populärsten Zitate der Welt. Sein mutmaßlicher Autor Konfuzius dürfte damit ein im Jetzt erfülltes Leben gemeint haben. Wer seinen Alltag mit einer an sich religiösen Übung wie Pilgern unterbricht, sich aufmacht zu einer heiligen Stätte, Mühsal und Blasen an den Füßen auf sich nimmt, meint oft schon, das Ziel erreicht zu haben. Dabei gilt für Christen jeder Konfession. "Das Ziel ist das Ziel." Was wie ein vermeintlich unsinniger Zirkelschluss klingt, ist der zutiefst sinnvolle Kern des christlichen Glaubens. Denn Jesus sagt: "Ich bin der Weg...Niemand kommt zum Vater außer durch mich" (Joh 14,6). Das heißt so viel wie: In der konsequenten Nachfolge Christi gelangt der Mensch zum Lebensziel der Vollendung bei Gott.


Von Marienerscheinungen und Hostienmirakeln

"Das Ziel ist das Ziel": Die jüdisch-christliche Überlieferung kennt für den gläubig-zielstrebigen Lebensweg das Sehnsuchtsmotiv des Himmlischen Jerusalem. Die reale Stadt Jerusalem ist davon weit entfernt. Und doch ist sie die Mutter aller Wallfahrtsstätten, gefolgt von "Tochter" Rom und eben Santiago de Compostela. Doch allmählich entwickelte sich die christliche "peregrinatio religiosa" auf allen Kontinenten. Ein starkes Netz an Pilgerorten überzieht den Globus und findet Zuspruch. Lourdes oder Fatima, Tschenstochau oder Guadeloupe, Popenguine oder Altötting, Marienerscheinungen oder Hostienmirakel, Gnadenbilder oder Heilige Gräber, Kitsch und Kommerz haben zu einer Art von religiösem Massentourismus geführt. Jedoch auch zu persönlichen Kerzenopfern, Gemeinschaftsgefühl, Glaubensfesten und spirituellen Glanzlichtern.


Pilgern für Allah, Buddha, Jesus oder Devi

Die Grundhaltungen sind beim Pilgern entscheidend, die in allen Religionen bedeutsam sind: das Bewusstsein, als Menschen immer unterwegs zu sein. Eine Konzentration auf das wirklich Notwendige und Wesentliche, weil alles Unnötige nur überflüssigen Ballast darstellt. Und Offenheit für die umgebende Wirklichkeit, durch die Gott mit dem Menschen in Verbindung tritt. Dieser Gott kann nun Jesus Christus oder Allah heißen, Buddha oder Devi.

In vielen Religionen gibt es Wallfahrten zu wichtigen religiösen Zentren mit dem Ziel, in der Bewegung des Pilgerns die Hinwendung zu den dort verehrten Gottheiten, Religionsstiftern oder Heiligen zu vollziehen. Um deren gnadenvolle oder fürbittende Nähe zu erfahren und durch Gebete, Gelöbnisse, Opfergaben und Berührungen Hilfe zu erlangen oder religiöse Verdienste zu erwerben. Im Judentum wurde die jährlich an drei Festen stattfindende Wallfahrt zum Tempel in Jerusalem nach dessen Zerstörung (70 n.Chr.) ersetzt durch das Pilgern zur erhalten gebliebenen Westmauer (Klagemauer) als Symbol jüdischer Kontinuität und Hoffnung. Andere Pilgerstätten sind unter anderen die Patriarchengräber in der Höhle Machpela in Hebron, in der auch Muslime Abraham verehren.


In einem Pilgerort in Sri Lanka wird der Buddhazahn als Reliquie verehrt

Für alle Muslime besteht die religiöse Verpflichtung, einmal im Leben nach Mekka, dem Ursprungsort der Offenbarung an Mohammed, zu pilgern und die Ka"ba zu umgehen. Im Hinduismus ist es Tradition, heilige Städte wie Gaya, Varanasi, Ayodhya oder Kancipuram aufzusuchen. Der erste buddhistische Wallfahrtsbericht findet sich im Felsenedikt (n. 8), in dem eine Reise nach Bodh Gaya, dem Ort der Erleuchtung Buddhas, geschildert wird. An Pilgerstätten wie Kandy (Sri Lanka) wird der Buddhazahn als Reliquie verehrt, in Saraburi (Thailand) seine Fußabdrücke.

Dem aufgeschlossenen fränkischen Pilger liegen die heimischen heiligen Stätten sicher näher als die anderer Religionen und Kulturen. Allein im Erzbistum Bamberg gibt es 37 solcher Pilgerorte von überregionaler, regionaler oder lokaler Bedeutung. Diese Orte werden von Einzelpilgern und Wallfahrergruppen aufgesucht, die ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren und sich auch vor unwegsamen Wegen nicht fürchten.


In unserer Serie Pilgern in Frankenstellen wir sechs Pilgerorte aus der Umgebung des Erzbistums Bamberg vor: Vierzehnheiligen, Marienweiher, Gößweinstein, Senftenberg sowie Schlüsselau und Glosberg.

zum Thema "Pilgern in Franken"

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