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Kulturträume am Schlachthof

Der Franz Kafka e.V. hat sich ein Kulturkonzept für die vielen Leerstände ausgedacht. Eine Ortsbegehung.
Felix Forsbach vor dem Büro des Vereins Frank Kafka e. V. ("Franz")Foto: Andreas Thamm
 
von ANDREAS THAMM
Die Lichtenhaidestraße 17 a: ein Hinterhof und, keine zwanzig Meter von der Straße entfernt, eine leerstehende Halle. Logos unterm Dach: Fanta, Cola, Bluna. Früher war das ein Getränkemarkt, noch früher eine Kfz-Werkstatt. Seit einigen Jahren steht die Halle leer. Felix Forsbach findet: Das hier wäre ein idealer Ort, um Kunst auszustellen.

Leerstände wie der in der Lichtenhaidestraße sind für Felix Forsbach grundsätzlich interessant. Also erkundigte er sich bei der Stadt nach dem Besitzer der Immobilie - und erhielt eine Telefonnummer. "Der Typ hatte von dem Gebäude noch nie gehört", erinnert sich Forsbach an seinen Anruf. Projekt Museum im Getränkemarkt: vorläufig gestorben.

Als Betreiber sieht Forsbach sich ohnehin nicht, eher als Veranstalter oder Kurator. Gemeinsam mit anderen Künstlern, Musikern, Theatermachern, etc. hat er kürzlich den Franz Kafka e.V. gegründet, der unweit der Lichtenhaidestraße, in der Jäckstraße, sein Büro bezog. Etwa vier Mal die Woche kommt Forsbach hier her, in den "Franz", hauptsächlich um "Verwaltungskram" zu erledigen und neue Projekte in Angriff zu nehmen.
Im Gebiet um den "Franz", dem Schlachthofareal, haben Forsbach und die anderen sich umgesehen. Und nicht nur den einen, sondern sieben Leerstände gefunden, die für die Bamberger Kulturszene interessant wären. "Kunst- und Kulturquartier Schlachthof" nannten sie das aus der Hüfte geschossene Konzept.


Befristete Nutzung

Moment mal: "Kulturquartier", war das nicht Lagarde? Ja, darauf hofft auch Felix Forsbach. Und inwischen bekanntlch auch nicht vergebens: Der Konversionssenat hatte vergangene Woche entgegen einer ursprünglichen Sitzungsvorlage dem Wunsch vieler nach einer befristeten Zwischennutzung von Teilen der leer stehenden Lagardekaserne zugestimmt. Künftig genügt ein Antrag bei der Stadt, um Räumlichkeiten auf dem leer stehenden Kasernengelände befristet nutzen zu können. Das Angebot gilt für alle Vereine und Institutionen. Forsbach will die Schlachthof-Idee ausdrücklich nicht als Konkurrenz zum Konversionsgelände verstanden wissen, vielmehr als zusätzlichen Anstoß. "Falls es auf der Lagarde aus irgendwelchen Gründen, zum Beispiel wegen der Nachbarschaft, problematisch werden sollte - es gibt auch noch andere Sachen."

Zum Beispiel direkt gegenüber des leerstehenden Getränkemarkts. "Kfz-Café" heißt das auf der Kulturquartier-Karte des Vereins, ein geducktes, rotes Gebäude an der Ecke Hallstadter und Lichtenhaidestraße. Ein schöner Ort für "Mikrokonzerte", findet Forsbach, oder für eine nichtkommerzielle Werkstatt. Das eigentliche Juwel des Plans findet sich aber am Ende der Jäckstraße, "Ratten & Schutt".

Die Jäckstraße 76 ist ein brutaler Betonklotz. Vor zwei Jahren nahm Forsbach an einer Begehung teil, damals nutzte das Clavius-Gymnasium den ehemaligen Schrotthandel als Lager, heute liegt noch Material des Bamberger Entsorgungs- und Baubetriebs auf dem Gelände. Das Haus an sich steht leer. "Es ist ein bisschen heruntergekommen", sagt Felix Forsbach, "ansonsten aber optimal geeignet. Draußen Biergarten, drinnen Club. Das wäre der Ort in Bamberg."

Tatsächlich erinnert "Ratten & Schutt" mit seinem ramponierten Charme an Clubgebäude in größeren Städten. Die vielzitierte Lücke, die der aufgegebene Morph Club hinterließ, ist noch immer nicht gestopft: Ein Ort für alternative Musik, studentische Weggehkultur, zum Feiern.

Auch die Veranstaltungsreihe, die Felix Forsbach zusammen mit seinem Franz-Kafka-Kollegen Jeremie Gnaedig organisiert, stößt immer wieder an Grenzen der Machbarkeit: "SOG - innovative Musik" holt experimentelle Künstler nach Bamberg, die man hier sonst nicht zu hören kriegen würde. Die Konzerte fanden unter anderem im Lichtspielkino, in der Jakobskirche und im Atelier des bildenden Künstlers Bernd Wagenhäuser statt. Und natürlich ist das auch spannend: "Wir haben ja das Konzept, dass wir versuchen, Band-Auftritte ins besonders passenden Räumlichkeiten zu veranstalten." Andererseits sei es einfach ärgerlich, dass etwa die Hälfte der angedachten Konzerte nicht stattfinden können, weil SOG keinen fixen Raum hat.


Voller Ideen und Energie

Allein die Anlage wiegt alles in allem rund 100 Kilo. Freilich helfen Freunde aus dem Netzwerk, teilweise seien Gnaedig und er aber auch allein. "Das sind zehn Stunden Arbeit, die wir gern für einige Konzerte machen, weil wir es auch cool finden, wenn etwas in einem Keller stattfindet oder in einer Kirche. Für einige wäre es aber auch einfach schön, wenn es einen Veranstaltungsort gäbe, wo die Anlage steht."

Wenn man sich so eine halbe Stunde mit Felix Forsbach unterhält, merkt man schnell: Der 32-Jährige steckt voller Ideen und Energie, diese auch umzusetzen. Er selbst verdient sein Geld vor allem im Theater- und Performancebereich, mit dem "Ensemble Ernst von Leben" und "das responsorium". Aber Konzert- und Festivalveranstalter ist er eben auch. Und Kurator einer größeren Ausstellung? Warum nicht.

In den vergangenen Jahren hat die freie Kunstszene in Bamberg einen Schub erlebt. Am auffälligsten wahrscheinlich im Bereich der freien Theater, TiG, Spielwerk, etc. das Kontaktfestival und die Kurzfilmtage sind traditionell gut besucht. Zu den abgedrehten Konzerten der SOG-Reihe kommen die Leute eher, weil sie Forsbach und/oder Gnaedig kennen als die jeweiligen Künstler. "So eine Tour ist oft Leipzig - Berlin - Prag - Bamberg. Und da sind wir von den Besucherzahlen her nicht der schlechteste Ort."

Eine so aktive und kreative Szene ist in einem Ort dieser Größe nicht selbstverständlich gegeben. Damit diese Energie nicht im Kleinstadtstaub erstickt, sollte bald Platz geschaffen werden für mehr. Das Konversionsgelände und auch das Schlachthofgebiet sind daher ein Glücksfall: Der dringend benötigte Raum für Kultur ist da. "Das Wichtigste ist", sagt Felix Forsbach, "dass überhaupt etwas passiert, egal wo."
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