Bamberg
Kulturereignis

Klangvolles Signal gegen Krieg

Das "Konzert für den Frieden" bot nicht nur eine musikalische Höchstleistung aller Mitwirkenden, sondern auch berührende Botschaften der Religionsvertreter.
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Große Besetzung beim Friedenskonzert im Joeph-Keilberth-Saa Foto: Matthias Hoch
Große Besetzung beim Friedenskonzert im Joeph-Keilberth-Saa Foto: Matthias Hoch
Sekundenlang herrschte atemlose Stille im Joseph-Keilberth-Saal der Konzerthalle. "Läutet ein tausend Jahre Frieden! Läutet hinaus die Dunkelheit des Landes!", hallte das Schlusslied nach. Und dann brandete stürmischer, minutenlanger Applaus auf: Standing ovations für die überwiegend jungen 235 Sänger und Musiker, die dieses "Konzert für den Frieden" am Sonntagabend als ein Kulturereignis erster Güte dargeboten hatten.

Von diesem Abend solle "ein starkes Signal für den Frieden ausgehen - religiös wie musikalisch", hatte Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) den Konzertbesuchern zu Beginn gewünscht. Ein solch klangvolles Signal war allein schon die Zusammensetzung auf der Bühne: Zu den Bamberger Chorsängern und Orchestermusikern hatten sich knapp 50 Gäste aus den beiden Partnerstädten Esztergom (Ungarn) und Rodez (Frankreich) gesellt. Alle Mitwirkenden stellten eindrucksvoll unter Beweis, dass Musik Menschen und Völker verbindet über alle Sprachbarrieren hinweg.


Erinnerung an Kriegsopfer

Unter dem souveränen Dirigat von Martin Erzfeld, Leiter der Städtischen Musikschule Bamberg, standen die Egmont-Ouvertüre von Beethoven, der Choral "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Felix Mendelssohn-Bartholdy nach einem Martin Luther-Gebet und "Dona nobis pacem" aus der Messe h-moll von Bach auf dem Programm. Musikalische Höchstleistung und Konzentration verlangte die eindrucksvolle Friedensmesse "The Armed Man" von Karl Jenkins ab. Dieses mehrteilige Opus ist den Opfern des Kosovo-Krieges gewidmet und zeigt mit musikalischen Mitteln die Schrecken des Krieges, bringt aber mit seinen verschiedenen Stilelementen und bewegenden Momenten der Ruhe den Wunsch aller Menschen nach Frieden zum Ausdruck.

Besondere Augenblicke des Innehaltens - es war mucksmäuschenstill im Saal - brachte der muslimische Ruf zum Gebet. Imam Coskun Siri Mert ließ stimmgewaltig auf Arabisch das "Allahu akbar" erklingen: "Gott ist groß. Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott. Kommt zum Gebet. Kommt zum Heil." Wie kontrastreich klang danach das griechische "Kyrie eleison" aus der Liturgie der Messe!


Vereinte Weltreligionen

Der Schulterschluss der Weltreligionen gelang an diesem Abend ohnehin sichtbar: Erzbischof Ludwig Schick, Regionalbischöfin Dorothea Greiner, Pfarrer Bogdan Puszkar von der ukrainisch-griechisch-katholischen Gemeinde in Bamberg, Martin Arieh Rudolph von der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg und Mehmet Cetindere von der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Bamberg standen gemeinsam auf der Bühne. Überbrachten jeweils eine Friedensbotschaft, die zeigte, dass jeder Mensch gleich welcher Religion und Nationalität alles für den Frieden tun muss und kann.

"Die Arbeit am Frieden beginnt in uns selbst", sagte Bischöfin Greiner. "Das Herz des Friedens ist der Friede des Herzens", erklärte Erzbischof Schick. "Der Frieden stiftet in seinen Höhen, er stifte Frieden für uns alle und in der ganzen Welt", drückte Martin Arieh Rudolph aus, was sich als Hoffnung durch diesen Konzertabend zog. Nämlich dass die Waffen endlich schweigen. Dass "Gott wird abwischen alle Tränen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein ..." Dass die Mauern der Feindschaft niedergerissen werden. Dass sich niemand mehr vor Hand und Zunge des anderen zu fürchten braucht.


Dankbare Gesten

Dankbare Gesten gab es am Ende. Blumensträuße für die Chorleiter, die die Stücke einstudiert hatten: Astrid Schön (Bamberger Kammerchor), Thomas Wolf (Chorissima Gundelsheim) und Martin Wenzel (Kantatenchor Erlöserkirche). Die Solisten - Sänger wie Instrumentalisten aus dem Jugendorchester Bamberg und aus den Partnerstädten - bekamen langstielige rote oder gelbe Rosen.
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