Bamberg
Neujahrsempfang

"Kein Kampf der Kulturen"

Die Gefahren durch Terror bestimmten inhaltlich den Neujahrsempfang 2018 des Bamberger Erzbischofs.
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Der ZDF-Terrorexperte Elmar Theveßen während seiner Rede auf dem Neujahrsempfang des Bamberger Erzbischofs. Matthias Hoch
Der ZDF-Terrorexperte Elmar Theveßen während seiner Rede auf dem Neujahrsempfang des Bamberger Erzbischofs. Matthias Hoch
Was ist das, was wir in diesen von Terrorattacken überschatteten Zeiten erleben? Ist das ein Kampf der Kulturen? Oder ist das schlicht islamistischer Terror? Eine Antwort auf diese Fragen sollten die rund 1300 Besucher des Neujahrsempfangs des Bamberger Erzbischofs von Elmar Theweßen bekommen. Der ZDF-Rechtsexperte hielt in diesem Jahr den Festvortrag, der sich mit genau diesen Fragestellungen beschäftigte. Zuvor hatte Bambergs Erzbischof Ludwig Schick in seiner Begrüßung darauf hingewiesen, dass kulturelles Leben in der heutigen Zeit insbesondere durch Kriege und Terror zerstört und verhindert werde. "Das Leben in Freiheit und Selbstbestimmung, in Frieden und Gerechtigkeit wird untergraben durch terroristische Gewalt gegen Personen und Sachen, durch Bombenanschläge und Drohungen", so Schick. Der Erzbischof betonte dabei, dass alle Bereiche kulturellen Lebens in Europa vom Geist des Evangeliums geprägt seien, angefangen von einer Kultur der Menschenwürde bis hin zu hochwertigen Kulturgütern in Architektur, in Literatur und Kunst oder in Gesetzgebung, Sitte und Lebenswandel. Schick verband seine Segenswünsche für das neue Jahr deshalb mit dem Hinweis, man werde 2018 verstärkt über die Kultur nachdenken, um sie bewahren und weiterentwickeln zu können.

ZDF-Terrorexperte Elmar Theweßen griff in seinem Festvortrag den Kulturgedanken auf, um mit Blick auf die im Zusammenhang mit dem Terror dieser Tage aufgebrachte Frage eines Kampfes der Kulturen mit einem klaren Nein zu antworten. Es gebe allerdings Extremisten auf islamistischer und rechter Seite, die der Gesellschaft einen solchen "Kampf der Kulturen" einreden wollten. Der bilde nämlich die ideologische Grundlage zur Nachwuchswerbung. Als Instrumentarium diene oftmals ein verfälschter Koran, der in Fußnoten einer Rechtfertigung von Gewalt das Wort redet. Derlei Koranausgaben würden, durch Saudi-Arabien finanziert, inzwischen in aller Welt verbreitet. Die meisten Terroristen wären nicht als Flüchtlinge nach Europa gekommen, sondern hier aufgewachsen. Oft würde sie ihre Perspektivlosigkeit in die Radikalisierung treiben., so Theveßen.

Dabei setzten die Islamisten in ihrer Strategie nicht mehr auf große Anschlagsziele, sondern darauf, durch viele kleine Attacken Furcht und Panik auszulösen. Die von Rechtspopulisten betriebene Polarisierung der Gesellschaft sei dabei nur Wasser auf die Mühlen der Islamisten. Der Kampf der Kulturen könne dauerhaft allerdings nur aufgehalten werden, wenn es gelinge, die Integration von Flüchtlingen als nationale Aufgabe voranzutreiben. Das gelinge in erster Linie durch das Aufzeigen von Perspektiven, die immer auch mit Forderungen - wie zum Beispiel einem Schulabschluss - verbunden sein müssten, so der Festredner. Zudem müssten Straftaten klar sanktioniert werden. Flüchtlingen würde andernfalls nur ein Desinteresse der Gesellschaft signalisiert. Und die Rechtsextremen? Die von dieser Seite unterstellte "Kollaboration des Establishments" und der Kirche mit dem Islam diene allein dem Zweck einer Spaltung der Gesellschaft und einer Schwächung der Demokratie. Elmar Theveßen: "Das ist der Moment, wo die Demokratie auf alle Bürger in der Gesellschaft angewiesen ist, um die Demokratie zu verteidigen." Wer der Gesellschaft Angst einreden wolle, dem sollte signalisiert werden: "Ich habe keine Angst."

Kommentar:

Konsequente Ignoranz

Konsequenz ist eigentlich pädagogisches Einmaleins und in Erziehungsfragen eine unerlässliche Haltung. In der Politik haftet dem gleichen Begriff ein wenig "Hardliner-Geruch" an. Hartnäckig, unnachgiebig, derlei Adjektive finden da schnell eine synonyme Verwendung. Nein, in der Politik steht man mehr auf Kompromiss. Bei Koalitionsverhandlungen mag das ja ein Vorzug sein, aber in politischen Grundsatzfragen verfangen sich die Protagonisten nur allzu gern in den Fallstricken fauler Kompromisse. Oder man hört einfach weg, ignoriert. Zum Beispiel wenn ein Bundeswehrsoldat in seiner Abschlussarbeit schreibt: "Ursache des heutigen Genozids der Völker in Westeuropa ist die Einwanderung, ...die, wie wir sie heute erleben, zum Untergang der betroffenen Völker führt." Das ist nichts zum Weghören oder ignorieren, das ist schlicht Schwachsinn, der auch als solcher zu bezeichnen ist.

Elmar Thevesen hat das dankenswerterweise in seinen Ausführungen beim Neujahrsempfang des Bamberger Erzbischofs auch in aller Deutlichkeit getan. Um im gleichen Atemzug auch darauf zu verweisen, dass Saudi-Arabien, der Staat, der sich so gern von uns mit Waffen beliefern lässt, mit islamistischen Hetz-Fussnoten versehene Koranausgaben in Westeuropa verteilen lässt. Egal ob islamistische oder rechtsradikale Hetze, sie ist in jedem Fall unerträglich. Fast noch unerträglicher mutet an, dass unsere Politiker derlei Entwicklungen auch noch ignorieren. Das allerdings konsequent.
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