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Bamberg: So leben Flüchtlinge in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken

Vertreter der Regierung gewährten Einblicke ins Innere der Aufnahmeeinrichtung. Bei aller Kritik für die Unterkunft gibt es demnach auch Positives.
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Bambergs große Flüchtlingsunterkunft im Osten hat mittlerweile ein Frauenhaus.  Foto: Regierung von Oberfranken
Bambergs große Flüchtlingsunterkunft im Osten hat mittlerweile ein Frauenhaus. Foto: Regierung von Oberfranken
Beim Thema "Aufnahmeeinrichtung Oberfranken" (AEO) in Bamberg-Ost geht es oft um Zahlen - die aktuelle Belegung, den Ausbau der Großunterkunft, die Quadratmeterzahl des neuen Speisesaals oder der Anzahl der Mitarbeiter, die in den Behörden vor Ort ihren Job machen.

Die Fakten sind das Eine, die weichen Faktoren das Andere. Über beides berichteten zwei Vertreter der Regierung von Oberfranken vor dem Familien- und Integrationssenat. So erläuterte Stefan Krug, Bereichsleiter für Sicherheit, Kommunales und Soziales, "was wir in der Einrichtung neu gemacht haben".
Die Wohnblocks verfügen mittlerweile etwa über Zwischenwände, um für mehr Privatsphäre zu sorgen. Dazu hatte sich die Regierung entschlossen, da die Wohnungen auf dem ehemaligen US-Kasernengelände nach amerikanischem Vorbild großzügig und offen gebaut sind.

Das Thema Privatsphäre ist auch in Block 1 ein großes. Von außen unterscheidet sich das Gebäude nicht von den anderen, doch im Inneren wird klar: Hier wohnen Menschen, die Schutz brauchen. Es ist das Frauenhaus, das 178 Menschen beherbergt. Die meisten stammen aus Eritrea, Russland oder Syrien. Sie sind alleine oder allein erziehend und aus ihren Heimatländern geflohen.
Nicht nur im Frauenhaus, sondern in der gesamten Großunterkunft werden mittlerweile auch weibliche Sicherheitskräfte eingesetzt, besonders natürlich in Block 1, "um sicherzustellen, dass eine Ansprechpartnerin des gleichen Geschlechts den Bewohnerinnen zur Verfügung steht", teilt Martin Steiner aus der Pressestelle der Regierung von Oberfranken auf Nachfrage mit.

Das Besondere am Frauenhaus: Hier können die Asylbewerberinnen zusperren. "In den übrigen Blöcken sind aus Sicherheits- und Brandschutzgründen die Türen nicht abschließbar - ausgenommen natürlich die Türen zum Bad und WC".


Ehrenamtliche unterstützen

In Sachen Rückzugsräume habe sich noch mehr getan, sagte AEO-Leiter Markus Oesterlein bereits in der Senatssitzung. Er lobte die Einrichtung eines Spielzimmers und Cafés mit Hilfe des Vereins "Freund statt fremd", zudem gebe es in der AEO auch Unterstützung für Homosexuelle oder Menschen mit Behinderung.
Doch auch außerhalb der Flüchtlingsunterkunft bemühe sich die Regierung um Verbesserungen, was etwa Erleichterungen für die Anwohner angeht.

Der Shuttle-Bus für Asylbewerber ist laut Stefan Krug "eine Entlastung für die Anlieger des Kapellenschlags". Auch die Menschen in der AEO würden den Bus als Erfolgsmodell werten, erläutert Krugs Kollege Steiner weiter. Das Fahrzeug fährt stündlich von 9.15 Uhr bis 19.15 Uhr. Ab der Mittagszeit sei es sehr stark ausgelastet, deswegen prüfe man auf Bitten aus der Nachbarschaft gemeinsam mit den Stadtwerken, ob man als weitere Entlastungsmaßnahme einzelne Fahrten in der Nacht anbieten könne.

Das Angebot besteht nach dem Sachleistungsprinzip, das heißt: Die Asylbewerber erhalten weniger Bargeld, dafür eine gleichwertige Gegenleistung. Dies gilt auch für die Einführung von WLAN-Hotspots auf dem Gelände der Aufnahmeeinrichtung. "Wir wissen, dass sich vorher immer viele unserer Bewohner in der Innenstadt an Orten gesammelt haben, wo es freies Internet gab", erwähnte Markus Oesterlein in der Sitzung. Sein Kollege Stefan Krug sprach einen weiteren Punkt an, von dem man sich Entlastung erhofft: ein zweiter Eingang an der Pödeldorfer Straße sowie ein Geh- und Radweg. Durch die etwa 350 Beschäftigten in der Unterkunft hat laut Pressestelle der Regierung der Pkw- und Fußgängerverkehr deutlich zugenommen.

Eine Trennung sei sinnvoll und trage zur Sicherheit bei, so Steiner. Wie schon am bisherigen Haupteingang, wird auch der neue Zugang einen Aufenthaltscontainer erhalten, zudem soll es einen Wachcontainer und einen Sanitärcontainer für die Security geben.
Die Stadträte hörten den Ausführungen der Regierungsvertreter aufmerksam zu und zeigten sich insgesamt zufrieden.

Gleichwohl gab es auch Kritik, etwa die Forderung der Grün-Alternativen Liste, dass die Asylsozialarbeit ausgebaut werden müsse. Ursula Redler (BA) deutete an, dass trotz der Bemühungen der Regierung das Sicherheitsgefühl, auch in der Bamberger Innenstadt, abgenommen habe. Andreas Triffo (BBB) deutete ebenfalls an, dass mancher Bürger "nach wie vor Bedenken habe". Der Stadtrat ließ sich bestätigen, dass bei den Bewohnern der AEO weiterhin Informationsmaterial mit Benimmregeln verteilt wird.
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