Bamberg
Auftritt

Grammel und die Puppen: Wer spielt mit wem?

"Ich find´s lustig" lautet das Programms des Bauchredners Sascha Grammel. Am Rosenmontag ließ er auch in der Brose Arena die Puppen tanzen.
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Bauchredners Sascha Grammel (rechts) mit dem vorlauten Frederic Freiherr von FurchensumpfMatthias Hoch
Bauchredners Sascha Grammel (rechts) mit dem vorlauten Frederic Freiherr von FurchensumpfMatthias Hoch
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"Ich bin wieder da, Bamberg!", mit diesem Satz begrüßte Grammel am Rosenmontagabend die Gäste in der gut gefüllten Brose Arena und wollte gleich zu Programmbeginn Befürchtungen der Zuschauer zerstreuen: "Wer hat das Programm schon im Fernsehen gesehen?", wollte der Berliner Comedian von seinem Publikum wissen und tatsächlich meldeten sich viele Besucher. "Über die Hälfte des Programms ist neu", so Grammel, der darauf hinwies, dass er das Programm ständig weiterentwickele.

Etwas kann der Comedian überhaupt nicht leiden, nämlich leere Sitzplätze in der ersten Reihe und davon gab es, auch wenn sonst die Halle sehr gut gefüllt war, genau zwei. Wer möchte denn von den hinteren Reihen etwas weiter nach vorne kommen? Der siebenjährige Timo, der mit seiner Mutter im letzten Hallendrittel sitzt, lässt seinen Arm in die Luft schnellen. Grammels Blick fällt beim Durchgang durch die Reihen auf Timo, den er mit seiner Mutter prompt nach vorne in die erste Reihe holt. "Will jemand weiter nach hinten, jetzt hätte ich zwei Plätze frei", scherzt der Comedian.


"Marmaladenamala" oder "Leberkäsbrödla"

Für sein Abendprogramm will er vom anwesenden Publikum zwei Begriffe genannt bekommen, wovon er einen spontan in seine Gags mit einbauen will. Die Begriffe waren mit "Leberkäsbrödla" und "Marmaladenamala" schnell vom Publikum gefunden und letztendlich setzt sich das "Marmaladenamala" auch - sehr zum Leidwesen des Berliner Bauchredners - beim Publikum durch, nicht zuletzt deswegen, weil die Buchstabenaneinanderreihung eine Herausforderung für ihn bedeute, so Grammel.

Natürlich hatte Grammel auch in seinem aktuellen Programm wieder ganz viele seiner beliebten Puppen mit nach Bamberg gebracht. Allen voran natürlich der vorlaute Vogel Frederic Freiherr von Furchensumpf, der auch diesmal wieder kein Blatt vor den Mund nahm.

Fast könnte man den Eindruck gewinnen, Grammels Puppen entwickelten ein Eigenleben und verselbstständigten sich. Gelegentlich entsteht auch der Eindruck, dass nicht Grammel mit den Puppen spielt, sondern die Puppen mit ihm. Doch auch wenn die Puppen oftmals nicht gerade zimperlich mit Grammel umgehen, am Ende gehen sie dann doch auf Kuschelkurs. Aber genau diese kleinen Nicklichkeiten zwischen Puppe und Bauchredner geben dem Programm den richtigen Pep.


Der Käse wird stinkig

Dabei kennt die Vielfalt der Puppen, die Grammel zum Leben erweckt, augenscheinlich keine Grenzen. Selbst ein vorwitziges Stück Käse wird im Programm verarbeitet, welches im Laufe des Programms dann auch stinkig wird.

Sascha Grammel begeistert mit seinem Programm Alt und Jung, denn auch an diesem Abend waren viele Eltern mit ihren Kindern anwesend, die Frederic & Co. einmal live sehen wollten. Unangefochtener Publikumsliebling, gerade beim jüngeren Bamberger Publikum war natürlich die kleine Schildkröte Josie, die an diesem Abend in der Brose Arena ihren 140. Geburtstag feiern konnte und die das Publikum nicht zuletzt wegen ihrer großen Kulleraugen und ihrer piepsigen Stimme schnell in ihr Herz geschlossen hatte. Grammel nahm sein Publikum mit auf eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit, nämlich genau zu dem Tag, an dem die kleine Josie vor 140 Jahren geboren wurde.

Natürlich durften auch die anderen Puppen nicht fehlen. Egal ob die Socke, die von Grammel "Alles außer Rüdiger" getauft wurde, der vier- bis sechsarmige Außerirdische Herr Schröder, der sich per Online-Schulung vom Handelsvertreter zum Zahnarzt hat umschulen lassen mit seiner sprachgewandten Sprechstundenhilfe Ursula, oder auch Professor Burger; es fehlte keine Figur, die man nicht auch aus dem Fernseher kannte.

Überraschend auch der Auftritt von Grammel mit seiner Feuerjonglage-Nummer in der er, wie von seinen Puppen gleich mehrfach an diesem Abend gefordert, doch endlich mal Courage zeigen solle.


"Bamberg, ich komme wieder"

Am Ende des rund zweistündigen Programms bleibt die Erkenntnis, dass die altertümliche Bauchrednerkunst - gerade wenn sie Sascha Grammel ausübt - nichts von ihrer Attraktivität verloren hat, sondern die Zuschauer auch im Zeitalter des Internets voll in den Bann zieht.

Gegen die Androhung von Grammel am Ende der rund zweistündigen Show: "Bamberg, ich komme wieder" hatte das Publikum nichts einzuwenden; ganz im Gegenteil. Man freut sich - wie der Schlussapplaus zeigt - schon heute auf seine nächsten Auftritte in der Brose Arena.
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