Bamberg
Forschung

"Glomo" sucht Bewerber aus aller Welt

Maike Andresen hat ein Projekt initiiert, in dem es um die Mobilität von Arbeitnehmern geht. Die EU fördert das Vorhaben mit vier Millionen Euro.
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Die Bamberger Professorin Maike AndresenMarion Krüger-Hundrup
Die Bamberger Professorin Maike AndresenMarion Krüger-Hundrup
Verbessern sich die beruflichen Aussichten eines deutschen Elektrikers, nachdem er fünf Jahre lang in Mikronesien gearbeitet hat? Oder freuen sich Arbeitgeber in Großbritannien, wenn eine britische Apothekerin drei Jahre in Deutschland tätig war? Welche Auswirkungen ein mehrjähriger Auslandsaufenthalt auf die Karriere im Ausland und im Heimatland hat, will "Glomo" herausfinden - das internationale Forschungsprojekt "Global mobility of employees".

Professorin Maike Andresen, Inhaberin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Bamberg, hat dieses Projekt initiiert. Sie koordiniert auch das gesamte Konsortium, bestehend aus sechs europäischen Universitäten sowie den Projektpartnern Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung an der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg und das Unternehmen Airbus SAS in Frankreich. Ferner organisiert Andresen 15 Projektmitarbeiter: Herausragende Doktoranden, die zwischen September 2018 und August 2021 Aspekte der Arbeitnehmermobilität interdisziplinär erforschen sollen.


Unter den Auserwählten

"Es ist ein unbeschreiblicher Erfolg, nach der aufwendigen Vorbereitung zu den knapp fünf Prozent zu gehören, deren Antrag bewilligt wurde", freut sich die Professorin über die Förderung des Forschungsprojektes durch die Europäische Kommission. Denn von 1718 eingereichten Anträgen im Jahr 2017 haben nur 127 Projekte den Zuschlag erhalten. "Glomo" bekommt etwa vier Millionen Euro.

Nachdem Andresen das sowohl wissenschaftlich relevante als auch für die Praxis interessante Thema bestimmt hatte, ging sie sozusagen auf Werbetour durch Europa. Es gelang ihr, Universitäten in Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden für eine Teilnahme an dem Projekt zu begeistern. Jetzt können sich Personen für die Forschungsarbeit bewerben, die ihren Masterabschluss ganz frisch erworben haben, oder auch Ältere, die beispielsweise nach einer Praxisphase in die Wissenschaft wechseln möchten. Einen Doktortitel dürfen sie noch nicht erhalten haben. Mit einer Dissertation können sie nun einen Beitrag zu "Glomo" leisten.


Die Qualifikation entscheidet

"Die Auswahl der 15 Projektmitarbeiter beruht ausschließlich auf deren Qualifikation", betont die Professorin. Das bedeute, dass sich natürlich Bamberger Interessenten bis zum 28. Februar 2018 bewerben können, aber "auch Bewerber aus aller Welt sind willkommen!" Denn "kulturelle Diversität wird wertgeschätzt". Und außerdem sei die globale Mobilität von Arbeitnehmern nicht nur inhaltlicher Gegenstand des vierjährigen Forschungsprojektes, sondern auch explizit gelebte Praxis von allen Projektbeteiligten. Es trage zu solider Forschung bei, wenn die Projektmitarbeiter nicht nur theoretisch über die Implikationen internationaler Mobilität für Karrieren nachdenken, sondern diese Mobilität auch selbst durchleben.

Andresen weiß, dass Auslandserfahrung allgemein, aber gerade für Akademiker von größter Bedeutung ist: "Ein Auslandsaufenthalt löst verschiedene Lernprozesse aus, die für die international mobilen Personen selbst, aber auch für zukünftige Arbeitgeber von hohem Wert sind." Hinzu komme, dass durch die Internationalisierung der Geschäfte Unternehmen auch in anderen Ländern agieren: "Da tun sich Arbeitnehmer mit eigener Auslandserfahrung leichter", so Andresen.


Der Nudel-Vergleich


Lächelnd bringt sie noch eine italienisch anmutende Komponente ins Spiel: "Das ist eine sogenannte Spaghetti-Organisation: Jeder ist irgendwie mit dem anderen verbunden." Mit diesem Nudelvergleich meint die Professorin den Umstand, dass künftig alle Projektteilnehmer gemeinsam an "Glomo" in bereits festgelegten Teilprojekten arbeiten. "Im Prinzip ist das EU pur: Jeder hat seine Freiheiten und jeder muss sich unter dieses Dach einfügen." Jeder Doktorand habe mindestens drei Betreuende aus unterschiedlichen Ländern und arbeite auch mit mindestens einem anderen Doktoranden zusammen. "Spaghetti" eben.

Ein praktischer Aspekt von "Glomo" führt weit in die Zukunft: Das Forscherteam wird einen Audit namens "International Employer" entwickeln, also ein Siegel für Arbeitgeber, die sehr gute Arbeitsbedingungen für internationale Mitarbeiter bieten. Ein Kriterienkatalog soll erstmals beim Projektpartner Airbus angewendet werden. Und wenn die Forscher des Konsortiums erst einmal in Schulen und Workshops über ihre Ergebnisse berichtet haben, gibt es auch eine Abschlusskonferenz für die Öffentlichkeit in Bamberg. Weitere Informationen zum Projekt und zur Bewerbung unter www.glomo.eu.
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