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Wegen Eichenprozessionsspinner: Mann verliert fast sein Bein

Achim Holschuh aus Bamberg hätte fast sein rechtes Bein eingebüßt. Zu verdanken hat er das einem kleinen Nachtfalter: dem Eichenprozessionsspinner.
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Das Bein ist zwar noch immer rot, aber kein Vergleich zum Anfang. Foto: Ronald Rinklef
Das Bein ist zwar noch immer rot, aber kein Vergleich zum Anfang. Foto: Ronald Rinklef
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Der Eichenprozessionsspinner ist in der Region das giftigste Tier. Das hat Achim Holschuh am eigenen Leib erfahren: "Zwei Wochen bin ich durch die Hölle gegangen." Es dauerte, bis Ärzte den Grund für die höllischen Schmerzen herausgefunden hatten und so letztlich das Bein des 69-Jährigen retten konnten. Freilich wird es noch dauern, bis sich der Rentner wieder völlig frei bewegen und vor allem in seinen geliebten Garten kann.

Dort ist es auch an einem Samstag vor über vier Wochen passiert. Der Rentner mähte den Rasen und bemerkte dann noch zufällig ein Gespinst. Er wusste von seinem Vater, dass er vorsichtig sein muss. Also nahm er einen langen Stock und hieb das Gebilde aus dem Gestrüpp. "Vor zwei Jahren hatten wir schon mal so was, da haben wir mit Gift gearbeitet, Masken und Handschuhe an." Sohn Oliver hat von Berufs wegen einen "Giftschein", so dass er sich bestens auskennt. "Eigentlich bin ich ja gegen Gift im Garten, aber bei uns kommen so viele Spaziergänger vorbei und die muss man ja schützen." Überall, wo vor zwei Jahren spezielles Gift aufgebracht worden war, gab es keine Eichenprozessionsspinner.

Aber dafür dann dort, wo nur Holschuh und sein Sohn hinkommen und wo sie nichts ausgebracht hatten.
Am Montag nach dem Rasenmähen brachte Achim Holschuh den dürr gewordenen Grasschnitt auf die Kompoststelle. Das hier entsorgte Gespinst hatte er längst vergessen; danach, dass er genau da irgendwie reingetreten war. Er trug eine lange Hose und Halbschuhe, hat er inzwischen rekonstruiert.


Es begann mit Schmerzen

Doch zunächst einmal tat ihm am Montagabend (nach dem Rasenmäh-Samstag) das rechte Bein weh. "Ich sah keine Wunde, keinen Schnitt." Dienstag brannte das Bein so, dass er nicht mehr auftreten konnte. Alles war rot und geschwollen. Die Vertretung des Hausarztes diagnostizierte Gicht. Es wurde immer schlimmer, bis der Notarzt kommen musste. Der stellte "eine starke Wundrose fest". Kein Medikament half, die Schmerzen wurden so unerträglich, dass Holschuh in die Juraklinik ging. Inzwischen war das Bein noch dicker, dunkelrot und von Blasen übersät. Kurz vor der Amputation. Schmerzen - "wie wenn jemand mit dem Bunsenbrenner draufhält und gleichzeitig ein anderer mit dem Nagelbrett draufhaut".
Es wurde Gewebe entnommen und untersucht. Mit dem Ergebnis, dass Gift im Spiel war. Über die Frage, ob er giftige Pflanzen im Garten habe, dämmerte Holschuh dann allmählich die Sache mit dem beseitigten Gespinst. Es waren zwar nur wenige, ein bis zwei, der stark toxischen Raupen-Brennhaare in den Fuß eingedrungen. Mit verheerender Wirkung. Sechsmal musste der 69-Jährige operiert werden, bis feststand, dass sein Bein gerettet war. Die Ärzte hatten seinen Fall mehrfach in großer Runde besprochen, eine Behandlungsstrategie besprochen, zahlreiche Fotos gemacht. Für die ganz jungen Ärzte wurde Holschuh wohl ein Studienobjekt.


Drei Wochen Krankenhaus

Auch die Ärzte haben dabei dazu gelernt. Eine Oberärztin hat ihm dann jedenfalls erklärt, dass hier bei uns nicht die Kreuzotter, sondern der Eichenprozessionsspinner das giftigste Tier ist. Nach drei Wochen Krankenhaus durfte Holschuh wieder nach Hause, muss aber zweimal wöchentlich zu Kontrolle und Verbinden. Eine Pumpe saugt kontinuierlich Sekret ab. Zum Glück wächst das große Loch im Bein allmählich zu.

Holschuh kann nun zwar schon wieder einige Schritte selbst laufen, ist aber zu Muße gezwungen. Das ermöglicht intensive FT-Lektüre. Dabei stieß er auf einen Bericht über die Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner der Autobahndirektion an der A 3. Dabei wird erwähnt, dass Hautkontakt mit besagten Brennhaaren zu schweren allergischen Reaktionen, Einatmen zu Schleimhautreizungen, Husten und Asthmaanfällen führen kann. "Viel schlimmer," empört sich Holschuh mit Blick auf sein Bein. In seinem Garten wird er künftig jedenfalls alles tun, dass sich hier keine Eichenprozessionsspinner mehr niederlassen.
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