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Franken lockt mit elf Naturbädern

In Zeiten knapper Finanzen statten immer mehr Gemeinden ihre Schwimmstätten mit biologischer Wasseraufbereitung aus. Doch was ist das Besondere an den elf Naturbädern in Franken?
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Sonnenanbeter genießen das Ambiente der Naturbäder. Foto: Mathias Orgeldinger
Sonnenanbeter genießen das Ambiente der Naturbäder. Foto: Mathias Orgeldinger
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Vertreter politischer Parteien versprechen häufig die Quadratur des Kreises: Bürgernah wollen sie sein, ökonomisch erfolgreich, ökologisch und sozial. Der Franke denkt sich seinen Teil und geht ins "Naturbad". Dort ist die Utopie längst Realität.


Ohne Chlor oder Ozon

In den letzten zwölf Jahren sind in den drei fränkischen Regierungsbezirken mindestens elf Freibäder mit biologischer Wasseraufbereitung entstanden. Die meisten nennen sich Naturbad, weil sie auf Chlor oder Ozon zur Desinfektion des Badewassers verzichten. Streng genommen handelt es sich aber um künstlich geschaffene Schwimmteiche. Denn der Begriff Naturbad ist eigentlich für Badestellen an Flüssen und Seen reserviert, deren Wasser nicht aufbereitet wird.

Um die Begriffsverwirrung zu vervollständigen, sei erwähnt, dass Naturbäder nicht aus ökologischen Gründen gebaut werden. Auch nicht, weil Seerosen beim Baden so eine romantische Atmosphäre schaffen. Oder weil Molche, Spitzschlammschnecken und Libellen zum Biologieunterricht im Freibad einladen. Vielmehr spiegelt sich in den Naturschwimmbädern die Finanznot der Kommunen.
Alle elf Naturbäder hatten Vorgänger, die aus baulichen oder technischen Gründen geschlossen werden mussten oder kurz davor standen. Oft konnten die Gemeinden die Personalkosten für die Bademeister nicht mehr aufbringen.

Unabhängig davon, ob die Badeanstalten wie in Pottenstein und Heigenbrücken aus den 1920er-Jahren stammen oder erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gebaut wurden, kamen sie seit ca. 1990 zunehmend in schweres Fahrwasser.

Die Pottensteiner waren 2001 die Ersten, die das Ruder herumwarfen. Und zwar typischerweise mithilfe eines Fördervereins. Engagierte Bürger waren fast überall an der Umwandlung der konventionellen Freibäder beteiligt. Unterstützt wurden sie von Ingenieurbüros, die sich auf naturnahe Badegewässer spezialisiert haben.

Im Unterhalt kostengünstiger
"Wir begleiten die Gemeinde von der ersten Idee bis zur Eröffnung", sagt Claus Schmitt, Geschäftsführer der "WasserWerkstatt" aus Bamberg. Im Unterhalt sei das Naturschwimmbad kostengünstiger als ein konventionelles Freibad. Es besteht in der Regel aus einem Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken sowie einem Regenerationsbereich für die Wasseraufbereitung, der für die Badegäste gesperrt ist. Das System ist geschlossen, es gibt also keine Verbindung zum Grundwasser.

Meist kommen Trocken- und Nassfilter zum Einsatz. Das mit Sonnenölrückständen, Hautfett und Nährstoffen verschmutzte Oberflächenwasser wird auf einem Schilfbeet versprüht, das außerhalb des Wasserbeckens angelegt ist (Trockenfilter).

Der sogenannte Neptunfilter verwendet ein spezielles Substrat, das die Nährstoffe besonders gut bindet, so dass sie von der Pflanze aufgenommen und mit dem Zurückschneiden des Schilfs entfernt werden können. Dieser Vorgang wird von einem "Biofilm" aus Mikroorganismen unterstützt, der sich im sauerstoffreichen Milieu um jedes Filterkorn bildet. Die zweite Reinigungsstufe geschieht im Regenerationsbecken, das mit dem Badebereich verbunden ist. Hier nutzt man den natürlichen Nahrungskreislauf des Gewässers, der vor allem über das pflanzliche und tierische Plankton läuft. Zum Schutz der kleinen Wasserbewohner dürfen keine Fische ins Naturfreibad eingesetzt werden.

Allein die Filterwirkung der Wasserflöhe ist enorm. Die Kleinkrebse können das gesamte Beckenwasser bis zu 1,7 Mal am Tag umsetzen. Auch Wasserpflanzen wie der Tannenwedel oder die Seerose entziehen dem Badewasser Nährstoffe und bieten Lebensraum für Mikroorganismen, die Bakterien "abbauen".

Im Tauchanzug zur Reinigung
Wie das Schilf müssen auch die Wasserpflanzen regelmäßig geschnitten werden. "Wer weiß, wie viel Pflege ein kleiner Gartenteich braucht, kann sich vorstellen, was bei uns an Arbeit anfällt", sagt Erwin Arnold, Pächter des Felsenbads Pottenstein.
Da das Becken bis zu 3,5 Meter tief ist, muss Arnold bei seinen Reinigungsarbeiten immer mal wieder die Tauchausrüstung anlegen. "Wir lassen die Natur machen, was sie will, und achten nur darauf, dass das Becken sauber bleibt." Bei Naturschwimmbecken sind die Anforderungen an die Wasserqualität etwas geringer als bei konventionellen Freibädern. Das Badewasser wird trotzdem regelmäßig vom Gesundheitsamt überprüft.
Besonders stolz ist Arnold auf die Selbstreinigungskraft der Anlage. "Das Wasser kommt mit keinerlei Chemie in Berührung", erklärt er. Die Mischung aus chlorfreiem Badevergnügen, Naturbeobachtung, grandioser Felskulisse und liebevoll restaurierten Jugendstilbauten lockt jährlich bis zu 13 000 Besucher an.

Die Army baute mit
Ohne den Förderverein wäre das ehemalige Kurbad von Pottenstein heute eine Ruine. Auch im nahe gelegenen Gößweinstein setzt man auf das Drei-Säulen-Konzept von Gemeinde, Förderverein und privatem Pächter. Das 1962 unter Mithilfe der amerikanischen Streitkräfte gebaute Freibad musste 1995 stillgelegt werden.
2011 wurde das Bad mit Blick auf die berühmte Wallfahrtsbasilika unter dem Motto "Natur erleben" wiedereröffnet. Die Gemeinde finanzierte den Umbau zum Naturschwimmbad und kommt für Wasser und Strom auf. Der Förderverein investiert in Projekte, die das Bad aufwerten. Und der Outdoor-Veranstalter "Leinen Los!", der auch das gleichnamige Café betreibt, ist als Pächter für den Unterhalt des Geländes und die tägliche Reinigung des Beckens mit dem "Unterwasserstaubsauger" zuständig.


Eintritt frei

Da kein Eintrittsgeld verlangt wird, muss auch keine Badeaufsicht vorhanden sein. Diese Konstellation, die von einigen Naturbädern bevorzugt wird, spart den Betreibern viel Geld und ermöglicht eine Sozialleistung, die man nicht vorschnell als Symbolpolitik abtun sollte. Das Einkommen der Eltern dürfe beim Schwimmbadbesuch keine Rolle spielen, steht auf einem Hinweisschild, das der Förderverein des Höhenschwimmbads angebracht hat. Spenden sind natürlich erwünscht. "Und die Badegäste spenden gerne", weiß Ayten Schuster, Eventmanagerin von "Leinen Los!".
Auch Franziska, eine junge Frau aus Lauf, die das Naturbad Weißenbrunn nahe Leinburg bei Nürnberg für sich entdeckt hat, spendet regelmäßig. Gleichwohl nutzt sie aber auch die Möglichkeit für kostenlose Kurzbesuche. Das Freibad hat sich inzwischen zu einem Geheimtipp entwickelt, dem langsam die Parkplätze ausgehen. Die Gemeinde hatte Anfang der 1950er-Jahre an einem Bach ein einfaches Badebecken aus Beton angelegt, das zeitweise gechlort und über Jahrzehnte immer wieder ausgebessert wurde.
Im Jahr 2000 stellten die Bürger, allen voran Mitglieder der Wasserwacht Weißenbrunn, die Idee eines Naturbades zur Diskussion. 2007 wurde ein Förderverein gegründet, 2011 begann der Umbau. Von den knapp 600 000 Euro Gesamtkosten brachte die Kommune 400 000 Euro und der Förderverein 100 000 Euro auf. Der Rest wurde von Sponsoren getragen.
Mitglieder des Fördervereins leisteten während des Umbaus über 2000 Arbeitsstunden. Auch die tägliche Reinigung der Oberflächenabsauger und die technische Kontrolle der Anlage liegen in ihren Händen. Die Wasserwacht übernimmt am Wochenende die Badeaufsicht - selbstverständlich ehrenamtlich.
So hat jedes Naturschwimmbad sein eigenes Sparkonzept. Man kann in dieser Entwicklung die Überlegenheit bürgerschaftlichen Engagements sehen oder den fiskalisch erzwungenen Rückzug der Kommunen aus dem Gemeinwohl. Aber wer denkt beim Baden schon an Politik?


Den Artikel schrieb unser Mitarbeiter Mathias Orgeldinger.

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