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Share and Care

Facebook-Gruppe: Verschenken statt wegwerfen

Das Sofa, eine alte Waschmaschine oder ein Friseurtipp: in einer Gruppe auf Facebook wird alles ohne Gegenleistung verschenkt - nicht immer diskussionsfrei.
Mit diesem Stuhl fing alles an: Gruppengründerin Susanne Klenk zeigt den ersten Gegenstand, den sie eingestellt hat.  Foto: Barbara Herbst
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von ANNA LIENHARDT
Susanne Klenk war begeistert vom Bamberger Sperrmüll. Herumlaufen und nach Dingen stöbern, die noch nützlich sind oder hergerichtet werden können - "Bei uns auf dem Dorf gab's so was gar nicht", sagt die 24-Jährige, die 2011 wegen einer Ausbildungsstelle von Niederbayern nach Bamberg zog. Tatsächlich wurde sie bei ihrer ersten Bamberger Sperrmüll-Tour gleich fündig: ein Stuhl für ihr WG-Zimmer, allerdings ohne Sitzfläche.

Aber die könnte sie ja nachträglich einbauen, dachte sie sich. Geklappt hat das allerdings nicht wirklich und der Stuhl stand erst mal in der WG rum. Und stand, und stand. "Irgendwann konnte ihn keiner mehr sehen. Also habe ich überlegt, dass ich ihn an einen Bastler weiter verschenke", erzählt Susanne.


Gruppe existierte bereits in Wien
Sie erinnerte sich an eine Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook, von der ihr eine Freundin erzählt hatte: "Share and Care", was übersetzt etwa "Teilen und füreinander sorgen" bedeutet. Die Grundidee: Das Teilen basiert auf Nächstenliebe. Für Leistungen, Dienste oder Güter werden keine Gegenleistungen oder Zahlungsmittel erwartet. Zudem herrscht tauschfreie Zone.

"So eine Online-Gemeinschaft gab es in Bamberg noch nicht, also habe ich sie gegründet." Am 6. Juli 2012 hob sie die Facebook-Gruppe aus der Taufe, die jedoch zunächst schleppend anlief. Doch vor etwa einem halben Jahr "explodierte" die Mitgliederzahl: Mehr als 5800 Menschen sind mittlerweile registriert.

Sie bieten Schmuck an, Kleinkrusch, Kleidung, Möbelstücke aber auch Tipps und Hilfe. "Die Mitglieder fragen zum Beispiel nach Hausarzt- oder Friseurempfehlungen", erläutert Susanne. Einmal hätte jemand am Wochenende nach einem Psychotherapeuten gesucht, bei dem man nicht so lange auf einen Termin warten muss. Daraufhin hätten etliche Gruppenmitglieder kurzfristig ein offenes Ohr angeboten, falls der Suchende jemanden zum Zuhören brauche.


Hilfe bei der Reparatur
Daneben helfen Gruppenmitglieder auch ganz praktisch beim Fahrrad-Reparieren aus oder stellen ihre Schlagbohrmaschine zu kostenlosen Verleih. Manche Beschenkte bedanken sich mit einer Kleinigkeit, einer Tafel Schokolade oder einer Flasche Wein. Gegenleistungen wie diese werden aber explizit nicht erwartet.

Durchschnittlich 60 "Posts" - so heißen die Beiträge, die auf Facebook mit anderen geteilt werden - werden laut einer Schätzung von Gruppengründerin Susanne pro Tag eingestellt, von Schenkenden und Geschenk-Suchenden.

Eine davon ist Eva, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Bamberg. Sie hat eine kleine Küchenreibe gesucht. Nachdem sich jemand auf ihren Post gemeldet hat, holte sie die Reibe bei der Schenkenden zu Hause ab. "Das Lustige war: Als sie mir die Tür geöffnet hat, habe ich ihr schönes Tattoo bewundert - und gleich noch eine Empfehlung für einen guten Tätowierer bekommen."


Altes Fahrrad aus dem Keller
Selbst verschenkt hat Eva auch etwas: "Ein Mädel hat verzweifelt kurzfristig ein Fahrrad gesucht. Ich hatte noch ein altes im Keller stehen und habe mich auf ihren Beitrag hin gemeldet."

So funktioniert die Community, also die Gemeinschaft im Netz: Jemand bietet etwas an oder gibt eine Suchanfrage auf, wer Interesse hat oder das Gesuchte besitzt, meldet sich. Häufig finden Gegenstände innerhalb weniger Minuten Interessenten.

Nicht immer kommen die Beschenkten zu den Schenkenden nach Hause. Doktorandin Sandra zum Beispiel bringt ihre Artikel oft mit in die Uni-Bibliothek. Etwa 40 Dinge hat sie schon über "Share and Care" verschenkt, zum Beispiel einen analogen Fotoapparat, Bücher, oder eine Kosmetiktasche. "Manchen Leuten sieht man richtig an, wie sie sich freuen", sagt Sandra.

Sie selbst hat über die Facebook-Gruppe Textilstifte gesucht, leihweise, um etwas für eine Freundin zu bemalen. "Es hat sich eine Frau gemeldet, die von mir schon mal etwas geschenkt bekommen hat. Die Stifte durfte ich dann gleich behalten."


Manchmal nicht abgeholt
Allerdings läuft nicht alles immer glatt. Sandra ärgert sich, wenn jemand bei einen Artikel zusagt, diesen aber doch nicht abholt. Hin und wieder gibt es auch Diskussionen. Studentin Hanna erinnert sich an einen Beitrag, der hohe Wellen schlug: "Jemand hat ein Klavier verschenkt. Ich fand das total nett, aber die Person musste sich Anschuldigungen vorhalten lassen, dass sie das Klavier nicht wertschätze."

Dieser Fall ist auch Gruppengründerin Susanne noch präsent. "Der Erste, der sich gemeldet hat, hat sich natürlich wahnsinnig gefreut. Aber die Diskussion, die darauf folgte, hätte ich am liebsten beendet. Denn es geht ja gerade um die Freude am Schenken."

Ergibt sich vielleicht eine Konkurrenz-Situation mit Sozial- und Wohlfahrtsverbänden, gerade in Hinblick auf Kleider- und Sachspenden? Michaela Revelant, Leiterin des St. Vinzenzverein-Ladens, geht nicht davon aus. "Es existieren viele solcher Einrichtungen nebeneinander. Die Älteren gehen eh nicht ins Internet."


Vielfalt an Möglichkeiten
Auch Sozialpädagoge Klaus Will, zuständig für die Kleiderkammer der Caritas, meint: "Es ist doch schön, dass es so viele Möglichkeiten gibt. Ich finde, diese Facebook-Gruppe ist eine interessante Geschichte, weil sie in den neuen Medien stattfindet. Ich kann mir vorstellen, dass sich daraus noch etwas entwickelt."

Dass sich die Gruppe nicht von ihrer ursprünglichen Idee weg entwickelt, dafür sorgen insgesamt drei Administratoren. Sie löschen Werbung, Kaufangebote oder Wohnungsanzeigen. "Schließlich gibt es dafür auch Facebook-Gruppen", erklärt Gründerin Susanne Klenk. Manchmal rutsche schon ein Post durch, der eigentlich nicht in die Community gehöre. "Aber dann machen häufig andere Gruppenmitglieder den Autor darauf aufmerksam." Apropos: Ist eigentlich jemand auf den Sperrmüll-Stuhl von Susanne aufmerksam geworden und hat ihn sich geholt? "Nein", sagt sie. "Manche Sachen will keiner. Also ist der Stuhl letztendlich doch wieder auf dem Sperrmüll gelandet." Auch das kommt vor.

Facebook-Adresse: Hier geht es zur Gruppen-Seite von "Share and Care"

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