Bamberg
Adventskalender

Eine uralte Tradition wird neu belebt

Am 18. Mai 1590 schließen sich die Bamberger Weinbauern zur Häckerzunft zusammen.
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An den Hängen des Michelsbergs wurde früher Wein angebaut, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1887.  Foto: Stadtarchiv Bamberg
An den Hängen des Michelsbergs wurde früher Wein angebaut, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1887. Foto: Stadtarchiv Bamberg
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von Annina Bauer

Er darf in einem Atemzug mit Getreide und Gemüse genannt werden: Wein ist im Mittelalter Grundnahrungsmittel, in Weinbaugebieten wird er täglich getrunken und ist ein wichtiges Handelsgut - denn beliebt ist das berauschende Getränk natürlich auch dort, wo es nicht hergestellt wird. Frankenwein wird vor allem nach Mittel-, Ost- und Norddeutschland verkauft und auch im als Bierstadt bekannten Bamberg angebaut: "Es gab viel Weinbau in der Gegend, schon lange bevor der Hopfenanbau begann", berichtet Gästeführer Alfons Hollet.
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Erwähnt wird der Weinbau bereits am 10. November 911, hat er recherchiert. Und zwar in der ältesten erhaltenen Urkunde König Konrads: "Darin ist dokumentiert, dass der König dem Gumbertuskloster in Ansbach Besitz in Viereth in der Nähe von Bamberg schenkt, zu dem unter anderem Weinberge zählen." Auch zur Neugründung des Bistums Bamberg gehören Rebberge, ein weiterer früher Nachweis für den Anbau stammt aus dem Jahr 1065, als der Domkanoniker Mazelin nach seinem Tod mehrere Weingärten hinterlässt.

Im 12. Jahrhundert wird sogar auf fast allen sonnenexponierten Hängen der Bamberger Bergstadt Wein angebaut, auf alten Stadtplänen sind diese Flächen eingetragen. Es sind zunächst Mönche, die das beliebte Getränk herstellen, das Kloster St. Michelsberg ist der größte Weinbergsbesitzer Bambergs. Im Lauf der Zeit pflanzen nicht nur die Klöster, sondern auch die Bürger Reben. "Jeder Bamberger hatte seinen eigenen Hausweinstock", erzählt Hollet.

Doch nicht alle begnügen sich mit der Herstellung des einen oder anderen Gläschens für den Eigenbedarf, sondern vergrößern ihre Anbauflächen, werden Weinbauern. Weinanbau und Konsum erreichen ihren Höhepunkt im 16. Jahrhundert. Am 18. Mai 1590 schließen sich die Bamberger Weinbauern zur Häckerzunft zusammen. "Das war eine kuriose Geschichte, denn im Gegensatz zu anderen Zünften, die geprägt waren von festen Regeln und Ordnung, war diese Zunft von Beginn an ein loser, lustiger Haufen", berichtet Dr. Hubertus Habel, Direktor des Gärtner- und Häckermuseums.

So habe es bei den Häckern, wie die Bamberger Weinbauern genannt werden, weder eine formelle Mitgliedschaft gegeben, noch musste das in anderen Zünften übliche sogenannte Auflag-Geld, eine Art Mitgliedsbeitrag, entrichtet werden. "Die Häckerzunft finanzierte sich aus Spenden aus den eigenen Reihen." Hochgehalten wird das bruderschaftliche Miteinander, man präsentiert sich bei Prozessionen und Festumzügen als Gemeinschaft.

Das ist bis heute so geblieben: "Die aktuell rund 30 Mitglieder der Zunft stammen alle aus ehemaligen Häckerfamilien, haben sich aber schon vor langer Zeit ganz andere Jobs gesucht. Der Weinbau war hier in der Gegend wenig einträglich, was auch kaum verwundert, hat man einmal den Bamberger Wein probiert", sagt Habel schmunzelnd. Doch nach wie vor treten die ehemaligen Häcker als Gemeinschaft auf, beteiligen sich etwa an der traditionellen Fronleichnamsprozession. "Und sie sind die einzige noch bestehende Zunft Bayerns!", weiß der Stadtkenner.

Der Wein allerdings, der spielt heute fast keine Rolle mehr in Bamberg: Seit dem frühen 19. Jahrhundert ist der Weinbau fast ganz aus der Stadt verschwunden, Missernten, Schädlinge und schwierige Anbaubedingungen, vor allem aber auch höhere Ansprüche an die Qualität des Rebensafts machten dem Traubensaft den Garaus. Alfons Hollet sagt: "Aber am Michelsberg erinnert seit der Landesgartenschau im Jahr 2012 wieder ein Weinberg an die einstige Tradition des Weinanbaus."

Türen in die Bamberger Geschichte öffnen wir dieses Jahr mit unserem Adventskalender im FT. Die einzelnen Folgen entstammen dem Buch "Was Bamberg prägte", das im Verlag Bast Medien in Kooperation mit dem Fränkischen Tag erschienen ist. Es hat 192 Seiten, kostet 14,90 Euro (ISBN: 978-3-946581-21-5) und ist erhältlich in der Geschäftsstelle des FT, in Buchhandlungen und online unter www.bast-medien.de. Am 15. Dezember um 18 Uhr laden wir zur Buchvorstellung mit Eva-Maria Bast ins Verlagsgebäude, Gutenbergstraße 1, Bamberg, ein.
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