Bamberg
Neuerscheinung

Die Straßenbahn kommt

Vor 120 Jahren startete die erste Tram in Bamberg. Mit vielen historischen Fotografien erzählt ein neues Buch ihre Geschichte.
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Historische Fotografien - Beispiele aus dem neuen Buch -  zeigen dieStraßenbahn in Bamberg. Hier am Kaulberg.
Historische Fotografien - Beispiele aus dem neuen Buch - zeigen dieStraßenbahn in Bamberg. Hier am Kaulberg.
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Hätten Sie gewusst, dass immerhin 25 Jahre lang eine Straßenbahn durch Bamberg fuhr? Und dass für den Bau der Bahntrasse durch das Stadtgebiet Häuser abgerissen wurden? Dass kein Geringerer als König Luitpold die Konzession für den Betrieb der elektrischen Straßenbahn erteilte?

Eine ebenso ausführliche wie unterhaltsame Geschichte über die Bamberger Tram von 1897 bis 1922 legen nun Wolfgang Wußmann, Jürgen Schraudner und Gerd Müller vor: "Die Straßenbahn kommt" titelt ihr druckfrisches Buch, das im Heinrichs-Verlag erschienen ist. Die 120 Seiten umfassende Publikation beleuchtet ein nicht unbedingt bekanntes Kapitel Bamberger Lokalgeschichte. Und das mit zahlreichen historischen Fotografien, die allein schon das Schmökern in dem Band zu einem Vergnügen machen.

Bei ihren Recherchen für das Buchprojekt im Stadtarchiv und in der Staatsbibliothek Bamberg ließen sich die Autoren vor allem von den Fragen leiten: Welche Verkehrsmittel gab es in den Städten vor der Straßenbahn? Wie kam Bamberg überhaupt zur Straßenbahn? Warum trennte sich Bamberg doch
relativ bald von seiner Straßenbahn? Was kam danach?

Wußmann, Schraudner und Müller bleiben dem Leser keine Antwort schuldig. Dieser kann kurzweilig Bekanntschaft machen mit dem legendären "Adler", der am 7. Dezember 1835 erstmals von Nürnberg nach Fürth fauchte. Am 25. August 1844 empfing auch Bamberg den ersten Zug. Das war dem Erzbischof sogar einen Festgottesdienst im Dom wert, während die Protestanten in St. Stephan die
Inbetriebnahme der 1. Bayerischen Staatsbahnstrecke Nürnberg-Bamberg feierten. Währenddessen verkehrten in anderen Städten noch Kutschen und Pferdeomnibusse. Immerhin 1846 war der "Ludwigkanal" oder Ludwig-Donau-Main-Kanal zwischen Bamberg und Kelheim nach zehnjähriger
Bauzeit in voller Länge befahrbar.

Mobilität wurde also schon damals groß geschrieben. Doch bis für die "Fußkranken" im Bamberger Stadtgebiet ein fahrbarer Untersatz Erleichterung verschaffte, gingen noch einige Jahrzehnte ins Land. Die Berliner hatten zunächst die Nase vorn: 1881 starteten sie die erste Straßenbahn weltweit - dank des längst erfolgten Betriebs von Elektrizitätszentralen.

So war es auch die Berliner "Elektrizitätsgesellschaft Felix Singer & Co.", die mit ihren deutschlandweit gültigen amerikanischen Lizenzen vom "Hohen Magistrat der königlich Bayerischen Stadt Bamberg" den Zuschlag für ein Projekt Straßenbahn bekam. Vor 120 Jahren, am 1. November 1897, ratterte schließlich die erste Tram durch Bamberg - der Beginn des öffentlichen Personennahverkehrs mit all seinen Unzulänglichkeiten und Anlass für Beschwerden von Bürgern.

Auch darüber erzählt das neue Buch unter Rückgriff auf alte Zeitungsausschnitte und Berichte von einstigen Zeitzeugen. So kommt beispielsweise in einem Artikel des Fränkischen Tags vom 11. März 1964 "unser" letzter Straßenbahnführer Kaspar Geiger anlässlich seines 80. Geburtstages zu Wort. Und auch an Katharina Porzelt erinnert das Autorenteam, die zu ihrem 100. Geburtstag am 7. Februar 2011 im FT einen Bericht bekam mit der Überschrift "Sie ist noch mit Bambergs Tram gefahren."
Die letzte Zeitzeugin Katharina Porzelt verstarb 104-jährig im Juni 2015.

Der Bamberger Straßenbahn waren lediglich 25 Jahre gegönnt. Eine notwendige Generalüberholung, mangelnde Fahrgastzahlen und fehlendes Geld waren die Ursachen für die Einstellung des Betriebes. Die Schienen der drei Linien wurden Mitte der 1930er Jahre abgebaut.

Als Reminiszenz auf vier Rädern gibt es aber seit 2007 einen motorbetriebenen Wagen, dessen dunkelblau-gelbe Farbgebung sowie Design optisch an die kurze Tram-Periode erinnert: Die "Bamberger Bahn" befördert Besucher der Welterbestadt zu sechs der sieben Hügel und zu allen möglichen Sehenswürdigkeiten inklusive Altenburg. Eine solch steile Auffahrt hätte die
gute alte Straßenbahn wohl kaum geschafft.

Buchvorstellung
Das Buch "Die Straßenbahn kommt. Die Geschichte der Bamberger Tram von 1897 bis 1922" stellen die Autoren am Donnerstag, 19. Oktober, um 19 Uhr in den Stadtwerken Bamberg, Margaretendamm 28, auf einer unterhaltsamen Zeitreise vor. Interessenten sind willkommen. Ab Freitag, 20. Oktober, ist
das Buch im Buchhandel und im Heinrichs-Verlag, Heinrichsdamm 32, erhältlich. Es kostet 19,90 Euro.
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