Bamberg
Interview

Die Rettl hat sogar Fans in Ansbach

"Essen und Trinken hält Leib und Seel zsamm" heißt das neueste Buch der Bamberger Mundartautorin Rettl Motschenbacher alias Margarete Schmidt.
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In der Bücherei Hübscher präsentierte Rettl Motschenbacher ihr neuestes Buch. Foto: Wolfram Schmidt
In der Bücherei Hübscher präsentierte Rettl Motschenbacher ihr neuestes Buch. Foto: Wolfram Schmidt
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Bereits 23 Jahre ist es her, dass die ersten Mundartgschichtla von Rettl Motschenbacher im Fränkischen Tag Bamberg erschienen sind. Inzwischen gehören ihre teils witzigen, teils nachdenklichen Anekdoten zu Bamberg wie die Humsera am Grünen Markt. Dieser Tage ist ihr neuestes Buch erschienen, das den Titel "Essen und Trinken hält Leib und Seel zsamm" trägt. Es enthält 61 ältere Geschichten über Essen und Trinken aus acht verschiedenen Büchern, die größtenteils nicht mehr erhältlich sind.Die Hintergründe zu diesem Buch erklärt Rettl Motschenbacher, die mit bürgerlichem Namen eigentlich Margarete Schmidt heißt, im Interview.

Wie kam es zur Idee, bereits erschienene Geschichten über Essen und Trinken in einem neuen Buch zusammenzufassen?
Rettl Motschenbacher: Weil die meisten Bücher, vor allem die ersten, die ja noch beim FT-Buchverlag erschienen sind, inzwischen vergriffen sind. Die Idee dazu kam von Michael Genniges von der Buchhandlung Hübscher.

Welche Bedeutung hat die Ernährung in Ihrem Leben?
Eine große: Der Mensch ist, was er isst! ( Ludwig Feuerbach) Nach einem Schlaganfall mit 50 Jahren - bei knappem Normalgewicht, aber hohen Cholesterinwerten - wurde mir vom Bamberger Internisten Dr. Alfred Müller seine besondere Art der Trennkost empfohlen, die ich seit 35 Jahren befolge und die mir gut bekommt.

Sie schreiben in Mundart -Warum?
Naja, es ist die Sprache meiner Kindheit, die mir wärmer, persönlicher und oft auch plastischer vorkommt als das Hochdeutsche. Beim Schreiben halte ich mich an die Art vom Haanzlesgörch( Hans Morper). Als ich in den 90er-Jahren mit dem Schreiben anfing, mahnte mich der damalige Chefredakteur Willy Heckel: "Wenn Sie den ganzen Text in Mundart schreiben, hören die Leser nach dem dritten Satz auf!" Da hatte ich den Einfall, den erzählenden Text in Hochdeutsch, und nur die wörtlichen Reden und spezielle Bamberger Ausdrücke wie zum Beispiel "Mäusgrobä" im Dialekt zu schreiben.

Haben Sie eine Lieblingsgeschichte in Ihrem Buch?
Ja, ich würde sagen: "Die Kerwakrapfen". Das ist eine Episode aus meinem "Roman": Die Kuni und ihä Kinnä, über das Leben meiner Großmutter. Sie war arm geboren und hatte ein schweres Leben, aber ihre Freundlichkeit und Güte gegenüber allen Menschen beeindrucken mich noch heute. Sie wurde 98 Jahre alt und lag zuletzt blind im Bett, - selbst da interessierte sie sich noch fürs Kochen und Essen und gab gute Ratschläge dazu.

Wie fällt die erste Resonanz auf die neue Veröffentlichung aus?
Die Buchvorstellung bei Hübscher war recht gut besucht. Obwohl sich die Anwesenden nicht alle kannten, herrschte eine freundschaftliche Atmosphäre. Dafür sorgten auch die Lieder des "Ellertaler Dreigesangs" in Mundart und die Lockerheit, mit der Wolfgang Reichmann sein Vorwort vorstellte. Nach meinem Dank an sie und an Michael Genniges, Arndt Rühlmann für die Gestaltung des Buches, meinem Sohn Uli für das Lektorat hab' ich vier Geschichten gelesen, die sän gut ookumma. Dann galt es noch, eine Menge Bücher zu signieren: Viele kauften des Büchla schon als Weihnachtsgeschenk. Sogar aus Ansbach war ein Fan eigens angereist. No, so wos!

Die Fragen stellte Michael Memmel
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