Vor knapp zehn Jahren führte die bayerische Staatsregierung zusammen mit ausgewählten Bürgern ein sogenanntes Bürgergutachten durch. Ziel dieses Bürgerdialogs war es, zu speziellen Themen der aktuellen Zeitgeschichte eine umfassende Bürgermeinung einzuholen. Nun, anlässlich des bevorstehenden Jubiläumsjahrs 2018, in welchem Bayern sowohl 100 Jahre Freistaat als auch 200 Jahre bayerische Verfassung feiert, will man das Bürgergutachten neu aufleben lassen. Unter dem Motto "2030. Bayern, Deine Zukunft" diskutierten über das Wochenende 30 ausgewählte Bürger beiderlei Geschlechtes und jeglichen Alters über die Entwicklung ihrer Heimat.

Für die regionalen Bürgerkonferenzen, die in acht Städten stattfinden, wurden insgesamt 240 Teilnehmer zufällig aus den Einwohnermelderegistern der Veranstaltungsregionen ermittelt, berichtete Staatsministerin Melanie Huml (CSU). Jede Bürgerkonferenz behandelt vier von zehn festgelegten Themenfeldern. In Bamberg beschäftigten sich die Teilnehmer unter anderem mit der Integration und Migration, der Bildung, soziale Sicherheit im Alter sowie mit Umweltschutz und Elektromobilität.

"Für mich als Teil der noch jungen Gesellschaft ist es wichtig, sich mit dem Thema "Wo sehe ich Bayern in den nächsten Jahren?" auseinanderzusetzen und meinen Beitrag zur Entwicklung zu leisten", schilderte der 33-jährige Johannes Jungkunst. Zumal seine Erwartungen, die er im Vorfeld an die Bürgerkonferenz stellte, durchaus erfüllt worden seien. Es sei sehr spannend gewesen zu sehen, wie die einzelnen Altersgruppen auf die verschiedenen Themen ansprachen und reagiert hätten. "Überhaupt würde es sicherlich helfen, wenn die Regierung verstärkt den Dialog mit den Bürgern suchen würde als Politik über die Köpfe der Menschen hinweg zu machen", unterstrich Jungkunst.


Sich persönlich einbringen

Auch für die 20-jährige Svenja Wagner ist es ein Anliegen, sich persönlich bei der Diskussion miteinzubringen. Denn üblicherweise sei Politik mehr eine Sache für ältere Menschen, sie aber fühle sich selbst verantwortlich, ihre Sicht der Dinge zu schildern. "Solche Veranstaltungen sind wichtig. Denn meiner Meinung nach reicht es nicht aus, nur alle paar Jahre wählen zu gehen. Aktuelle Probleme und Situationen können gemeinsam im Dialog mit den Bürgern viel besser gelöst werden", berichtete Svenja Wagner. So seien für sie Themen wie Offenheit und Sicherheit sowie die aktuelle Migrationsdiskussion besonders wichtig. Gleichzeitig warnte sie aber auch davor, dass man gerade in der Flüchtlingspolitik fast schon Gefahr laufe, dass zu viel diskutiert werde und Angstzustände herbeigerufen würden. "Hilfreich sind daher solche Veranstaltungen allemal. Denn hier treffen verschiedene Meinungen aufeinander und man bekommt gute Einblicke in des Volkes Meinung", resümierte sie.

Angst, dass beide mit der Diskussionsrunde Unterlagen für den Papierkorb produzieren, haben sie nicht. Zumal die Konferenz sehr professionell und mit großem Aufwand durchgeführt wurde. Und zumal der Bürgerdialog von der Staatsregierung selbst veranstaltet wird.

Bürgergutachten 2030: Das steckt dahinter
Start Die bayerische Staatsregierung hat das Bürgergutachten 2030 initiiert, um herauszufinden, was sich die Menschen für die Zukunft wünschen. Der Prozess beginnt aktuell mit acht regionalen Bürgerkonferenzen mit insgesamt 240 speziell ausgewählten Teilnehmern. In der zweiten Phase können sich alle Bürger des Freistaats beteiligen. Ab 27. Dezember stehen nämlich die Ergebnisse der Regionalkonferenzen online - dann darf sechs Wochen lang gewichtet, kommentiert und weiterentwickelt werden.

Finale Im Frühjahr 2018 wird das Bürgergutachten 2030 vollendet - bei einem Bürgergipfel in München. Die Bürgergutachter und ausgewählte Teilnehmer der digitalen Phase beschließen hier, welche online eingebrachten Empfehlungen aufgenommen werden, verabschieden das Bürgergutachten und überreichen es an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Danach prüft und entscheidet die Staatsregierung, welche Empfehlungen sie in der laufenden Amtsperiode anstoßen und in aktive Politik umsetzen kann.

Online Alle Informationen zum Bürgergutachten 2030 gibt es auf der Homepage 2030-deine-zukunft.bayern red