Bamberg
Vergewaltigungsprozess

Sexueller Übergriff auf Mitarbeiterin: Ex-Chefarzt in Bamberg zu Geldstrafe verurteilt

Im Vergewaltigungsprozess gegen den Ex-Chefarzt des Bamberger Klinikums wurde ist das Urteil gefallen. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.
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Im Vergewaltigungsverfahren  wurden am Landgericht Bamberg  die Plädoyers gehalten. Am Nachmittag  folgt e nun das Urteil. Foto: Nicolas Armer/dpa
Im Vergewaltigungsverfahren wurden am Landgericht Bamberg die Plädoyers gehalten. Am Nachmittag folgt e nun das Urteil. Foto: Nicolas Armer/dpa
Dass die Urteilsfindung in diesem Prozess nicht einfach war, deutete der Vorsitzende Richter Markus Reznik zu Beginn der Urteilsbegründung an. Das Vergewaltigungsverfahren gegen einen ehemaligen Chefarzt des Bamberger Klinikums sei in dieser Form nur möglich gewesen, weil es im Vorjahr zu einer Verschärfung des Sexualstrafrechtes gekommen sei. "Eine schwierige Materie. Es bestehen Zweifel, das die Reform geglückt ist", sagte Reznik. Nach dem alten Recht, so der Vorsitzende Richter weiter, wäre das Verhalten des Angeklagten nicht strafbar gewesen. "Aber wir müssen dieses Recht anwenden."

Das Verfahren sei zudem keineswegs mit dem Prozess gegen einen anderen früheren Chefarzt des Klinikums zu vergleichen, der im Oktober 2016 zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten verurteilt worden war. "Der aktuelle Vorfall hätte sich in jeder x-beliebigen Firma zutragen können."



"Nebenklägerin glaubwürdig"

Letztendlich verurteilte die Kammer den 46-jährigen früheren Chefarzt des Klinikums Bamberg wegen eines "minderschweren Falls des sexuellen Übergriffs" zu einer Geldstrafe von 14 400 Euro. Laut Markus Reznik ist die Kammer von der Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin überzeugt. "Sie hat den Vorfall im Kern mehreren Personen gegenüber gleichbleibend geschildert." Zudem habe sie keinerlei Motivation gezeigt, den Angeklagten schwer zu belasten.

Deshalb sieht es das Gericht als erwiesen an, dass die Frau bei dem Kontakt im Dezember 2016 "ihren entgegenstehenden Willen erkennbar geäußert" hat. Der Angeklagte habe sie aber anschließend "durch Bitten und Betteln" zum Oralverkehr gedrängt.


"Es war eine einmalige Entgleisung"

Dem in der Anklage erhobene Vorwurf der Vergewaltigung könne hingegen nicht gefolgt werden. Zum einen, weil der sexuelle Kontakt nur wenige Sekunden gedauert habe und es im Vorfeld bereits einvernehmliche Kontakte gab. Bei dem Vorfall im Dezember sei zudem keine "erniedrigende Vorgehensweise" erkennbar. "Es war eine einmalige Entgleisung", so der Vorsitzende Richter. Drohungen oder Gewaltanwendungen hätten nie im Raum gestanden.

Bei einem minderschweren Fall des sexuellen Übergriffs sehe das Gesetz einen Strafrahmen von drei Monaten bis drei Jahren vor. Man habe sich bei der Strafzumessung am unteren Ende des Rahmens orientiert, so Reznik. Unter anderem deshalb, weil der Angeklagte nicht vorbestraft ist, beruflich vor einer ungewissen Zukunft steht und den Abbruch der sexuellen Handlung akzeptiert habe. Daher wurde eine Freiheitsstrafe von vier Monaten in eine Geldstrafe umgewandelt. Ob dem Mediziner seine Approbation entzogen wird, entscheidet nicht das Gericht.


Verteidigung fordert Freispruch

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten wegen sexueller Nötigung gefordert. An der Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin, so Staatsanwalt Daniel Heppt, bestehe kein Zweifel. Der Angeklagte habe seine Position als Chef bewusst ausgenutzt, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Grundsätzlich sei dies als Vergewaltigung zu bewerten.

Aufgrund aller mildernder Umstände - unter anderem der Tatsache, dass es im Vorfeld einvernehmliche sexuelle Kontakte gab - müsse man den Vorfall als sexuelle Nötigung bewerten und einen mildernden Strafrahmen anführen. Die Nebenklage hatte sich der Forderung der Staatsanwaltschaft weitgehend angeschlossen.

Der Vertreter der Verteidigung, Dieter Widmann, hatte argumentiert, dass man das moralische Fehlverhalten seines Mandanten nicht aburteilen dürfe. Der 46-Jährige habe seine Machtposition nie missbraucht. Die Nebenklägerin habe sich zudem in Widersprüche verstrickt und am Tag des Vorfalls kein "Nein" signalisiert. Deshalb müsse der 46-Jährige freigesprochen werden.

Direkt nach dem Urteil kündigte Widmann an, dass man Revision einlegen werde. "Wir halten es für völlig falsch, dass heute so entschieden wurde." Das Gericht habe die einmalige Chance, Rechtsgeschichte zu schreiben, nicht genutzt.

In seinen letzten Worten hatte der 46-Jährige betont, dass er Fehler gemacht und anderen Menschen weh getan habe. Die ihm vorgeworfene Tat habe er aber nicht begangen. Er sei unschuldig.


Die Anklage

Der Beschuldigte soll laut Anklage die Arbeitskollegin im Dezember 2016 unter einem Vorwand in einen Küchenraum gebeten und sie gegen ihren Willen zum Oralverkehr gedrängt haben. Auch soll sie der 46-Jährige gegen ihren Willen geküsst haben. Die Nebenklägerin soll dies entschieden abgelehnt haben.
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