Bamberg
Geschichte

Bayern feiert 100 Jahre Freistaat - 8. November nächstes Jahr ein Feiertag?

Bayerns letzter König Ludwig III. entband erst vor 99 Jahren Beamte und Soldaten vom Treueid auf seine Person. Kurt Eisner proklamierte den Freistaat.
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Menschenmengen sammeln sich während der Novemberrevolution 1918 in München. Am 7./8. November 1918 proklamierte Ministerpräsident Kurt Eisner den republikanischen "Freistaat Bayern".dpa/Archiv
Menschenmengen sammeln sich während der Novemberrevolution 1918 in München. Am 7./8. November 1918 proklamierte Ministerpräsident Kurt Eisner den republikanischen "Freistaat Bayern".dpa/Archiv
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"Wir feiern Bayern" - unter diesem Motto startet am morgigen Mittwoch ein Veranstaltungsreigen anlässlich eines Doppeljubiläums: 100 Jahre Freistaat und 200 Jahre bayerischer Verfassungsstaat.

Eigentlich ein zu früher Start, weil sich die Ereignisse der Novemberrevolution im Jahr 1918 heuer ja erst zum 99. Mal jähren. Und ebenso die Verfassung des Königs Maximilian Joseph aus dem Jahr 1818 zum 199. Mal. Die in der Staatskanzlei mit der Durchführung der Veranstaltungen Betrauten entschieden sich aber, in das Jubiläumsjahr hineinzufeiern. Und sie entschieden weiter, dass der Auftakt am 8. November in Bamberg stattfinden wird. Für die fränkische Stadt an der Regnitz entschied man sich wohl auch deshalb, weil hier nur kurz nach Ausrufung der Republik die Regierung Hoffmann im Jahr 1919 die sogenannte "Bamberger Verfassung" verabschiedete - die erste demokratische Verfassung für den Freistaat Bayern. All dem vorausgegangen waren die letzten Zuckungen des ersten Weltkriegs.

Der Kieler Matrosenaufstand war die Initialzündung der reichsweiten November-Revolution. In München setzte sich Kurt Eisner von der USPD (unabhängige sozialdemokratische Partei Deutschlands) an die Spitze der revolutionären Bewegung. Arbeiter- und Soldatenräte wurden gewählt. Auf deren erster Sitzung rief Eisner die Republik Bayern als Freistaat aus, wobei Freistaat sinngemäß stand für "frei von Monarchie".

Die Münchner Räte proklamierten Kurst Eisner zum ersten Ministerpräsidenten der neuen Republik. König Ludwig III., dessen Sicherheit in München nicht mehr gewährleistet werden konnte, zog sich in ein Schloss nahe Salzburg zurück. Eisner bildete ein Kabinett aus Mitgliedern von SPD und USPD war nicht nur Regierungschef, sondern gleichzeitig noch Außenminister. Eisners Amtszeit sollte allerdings nur 100 Tage währen. Bei den für 12. Januar 1919 anberaumten Landtagswahlen musste Eisner eine gewaltige Schlappe hinnehmen. Seine USPD erreichte nur 2,53 Prozent der Stimmen. Die SPD kam auf 33 Prozent, die konservative bayerische Volkspartei (BVP) auf 35 Prozent.

Am 21. Februar, kurz bevor er seine Rücktrittserklärung im sich konstituierenden Landtag verlesen wollte, wurde Kurt Eisner von dem Studenten Anton Graf von Arco auf Valley erschossen. Die Folge waren tumultartige Szenen im Landtag, weitere Schüsse fielen, es gab Tote und Verletzte. In der Folge verschärfte sich die politische Auseinandersetzung zwischen Anhängern einer parlamentarischen Demokratie und denen einer sozialistischen Räterepublik. Während ein Rätekongress den SPD-Politiker Martin Segnitz zum neuen Ministerpräsidenten wählte, entschied sich der Landtag mit Unterstützung der BVP für den SPD-Politiker Johannes Hoffmann. Der musste allerdings aufgrund der explosiven Lage in der Landeshauptstadt mit seiner Regierung nach Bamberg ausweichen.

Gegen eine in München zwischenzeitlich ausgerufene Räterepublik formierten sich nationalistische Freikorps- und Reichswehrverbände. Bis Mai 1919 war die Räterepublik besiegt und blutig niedergeschlagen. In Bayern hatten von da an rechtskonservative, nationalistsche und antisemitische Kräfte das Sagen. Ein Umfeld, in dem Adolf Hitler und seine NSDAP in den 20er Jahren Fuß fassen konnten.

Verfassung

Erster Schritt Richtung Gewaltenteilung

Die Verfassung von 1818, die nächstes Jahr 200 Jahre alt wird, steht ebenfalls im Fokus vieler Jubiläumsveranstaltungen im Freistaat. Dabei hat diese Verfassung allerdings noch nicht so viel zu tun mit heutigen demokratischen Verfassungsprinzipien. Aber sie steht für einen ersten Schritt Richtung Gewaltenteilung. Wie kam es dazu? Die französische Revolution von 1789 und die napoleonischen Wirren hinterließen natürlich ihre Spuren in Europa. König von Gottes Gnaden, das reichte allein zur Legitimation von Macht nicht mehr aus. Weshalb Bayerns König Maximilian I. Joseph Zugeständnisse machte. Eine Ständeversammlung wurde eingerichtet, bestehend aus zwei Kammern. In einer saß der Hochadel, in der anderen die Bürger, zumindest die, die Steuern zahlten. Wobei deren Stimme abhängig von der Höhe der Steuerzahlung gewichtet wurde. Ohne die Stände konnte kein Gesetz erlassen, keine Steuer erhoben werden. Auch erste Formen von Gesetzesinitiativen gab es. Dagegen kannte man noch kein allgemeines Wahlrecht. Natürlich auch kein Frauenwahlrecht. Die Verfassung blieb übrigens - mit Modifizierungen - bis zum Jahr 1918 in Kraft.

Info:
Von Bamberg nach München

Unter dem Motto "Sieben Mal ein starkes Stück Bayern" wird es Jubiläumsveranstaltungen in allen sieben bayerischen Regierungsbezirken geben. Der Startschuss erfolgt in Bamberg. Hier werden Jugendliche mit Staatsminister Marcel Huber über bayerische Zukunftsperspektiven diskutieren.
In Augsburg werden Menschen aus verschiedenen Kulturen gemeinsam Weltoffenheit und Vielfalt als besondere Stärke Bayerns feiern.
Trachtler und Musiker, Kunsthandwerker und Laienschauspieler stehen in Holzhausen (Landkreis Landshut) im Mittelpunkt. Sie präsentieren die lebendige Tradition in Bayern.
Während in Gaibach (Landkreis Kitzingen) ein Fest des Verfassungspatriotismus ein Zeichen für gelebte Demokratie setzen soll, steht in Regensburg der Neubau des Museums der bayerischen Geschichte im Vordergrund.
Sportler und Sportbegeisterte präsentieren dagegen in Nürnberg bayerische Lebensfreude. Ausklingen wird der 100. Geburtstag des Freistaats in München mit einem Staatsakt im Nationaltheater als feierlicher Höhepunkt.


Info:

8. November ein Feiertag?

Der 8. November soll nach Ansicht der Landtag-SPD im kommenden Jahr gesetzlicher Feiertag im Freistaat sein. "Wir sollten das Jahr 2018 nutzen, um an die Helden der Demokratie in Bayern zu erinnern", sagte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Am 8. November 1918 wurde die Monarchie abgeschafft. Der Tag habe deshalb für Bayern eine Bedeutung, die der des 14. Juli 1789 für Frankreich oder der des 4. Juli 1777 für die USA in nichts nachstehe.
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