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Bambados

Pannenbad: Warum im Bambados in Bamberg schon wieder die Handwerker anrücken müssen

Drama ohne Ende? Bereits zum zweiten Mal in wenigen Jahren müssen große Teile des Fliesenbodens im Bambados ausgewechselt werden.
Seit Frühling 2017 ist Peter Scheuenstuhl von den Stadtwerken auch für die Bäder zuständig. Dass auf die erste Sanierung der Beckenböden nun eine zweite erfolgen muss , erfuhr er vor wenigen Tagen.   Fotos: Barbara Herbst
 
von MICHAEL WEHNER
Peter Scheuenstuhl ist nicht zu beneiden. Der Abteilungleiter der Stadtwerke muss sich um einen Schaden kümmern, der das Bamberger Bambados in die überregionalen Schlagzeilen bringen dürfte. Denn es sind weite Teile des Fliesenbodens im 50-Meter-Becken und im Erlebnisbecken, die ausgewechselt werden müssen. Zum zweiten Mal!

Der letzte Totalverlust des Fliesenbodens im Bamberger Bambados liegt gerade drei Jahre zurück. Es war Sommer 2014, als sich das ambitioniert geplante Passivhausbad zum ersten Mal seit der Eröffnung wieder in jungfräulich nacktem, das heißt fliesenlosem Zustand präsentierte. 700 Quadratmeter wurden damals neu gekachelt, 2015 kam das Erlebnisbecken dran.


Die Niederungen eines Bads

Wie sich jetzt herausstellt, war das ein Schlag ins Wasser. Denn schon wieder müssen sich die Herren der Bamberger Bäder mit den Niederungen nicht haftender Bodenfliesen befassen. Hört man die Stadtwerke, war damit nicht zu rechnen. Erst bei der turnusmäßigen Wartungspause, für die Ende Juli die Becken geleert wurden, kam heraus, dass die Sanierung der Beckenböden nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte.

Es ist der Ton, der die Fehlerfliese verrät. Wer sich auf den Beckenboden hinablässt, erfasst mit einem leichten Schlag der Fingerknöchel, ob sich hinter der Kachel noch genug Haftkleber befindet oder nicht. Fliese für Fliese haben die Männer des Bäderbetriebs in den letzten Tagen abgeklopft und mit roten Kreuzen markiert.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Es gibt außerhalb des Hubbodens praktisch keinen Bereich im Bad ohne rote Kreuze. Sicher ist mittlerweile: Im großen Becken müssen über 400 Quadratmeter erneuert werden - die gesamte Sprunggrube. Bereits der Fliesen entkleidet ist eine 60 Quadratmeter große Zone im so genannten Erlebnisbecken. Auch hier ließen die Wackelfliesen keine Wahl.

Unklar ist, wer für den Schaden im großen Becken aufkommt. Weil die Gewährleistungsfrist im Herbst 2016 ausgelaufen ist, weigere sich die verantwortliche Firma, die Kosten zu übernehmen. Laut Scheuenstuhl geht es um 25 000 bis 30 000 Euro.


Bis 11. September fertig?

Viel Zeit haben die Stadtwerke nicht, um das Bad wieder auf Vordermann zu bringen. Schon am 11. September soll das Bambados nach der Revisionspause wieder eröffnet werden. Damit die Bamberger Schüler nicht auf dem Trockenen sitzen, solange sich die Rechtsanwälte der beiden Seiten beharken, haben nun heimische Firmen den Auftrag erhalten, die dritte Fliesengeneration auf dem Beckenboden aufzubringen. Scheuenstuhl geht davon aus, dass es nun gelingt, die Fliesen so zu verankern, dass sie halten.

Doch es gibt einen Experten, der das bezweifelt. Hans-Jürgen Drescher, Obermeister der Fliesenlegerinnung Bamberg, hat nach eigener Aussage schon beim Einbau der ersten Fliesen die Stadtwerke auf die "nicht fachgerechte " und offenbar ohne Kontrolle erfolgte Verlegung der Fliesen aufmerksam gemacht. Wie er sagt, hätten sich bei der europaweiten Ausschreibung zwei Firmen durchgesetzt, die ihre Aufträge mit einem Schwarm von Subunternehmen ohne den nötigen Sachverstand ausführten. So seien die Fliesen nicht wie erforderlich in den Kleber gedrückt worden.

Drescher weiß aus Erfahrung, wie "sensibel" das Kacheln von Beckenböden ist. Aus seiner Sicht haben die Fliesen im Bambados das Zeug für ein "Drama ohne Ende". Bereits 2014 seien weitere dilettantische Fehler gemacht worden. So hätten die Böden für eine fachgerechte Verlegung mindestens zwei Monate austrocknen müssen. Doch dazu kam es nicht.


Defizit bei 2,1 Millionen Euro

Die Stadtwerke seien nun dabei, diesen Pfusch zu wiederholen. Drescher fürchtet, dass an einer Generalsanierung in der Zukunft kein Weg vorbei führen wird. "Dann geht es um Kosten von mindestens 200 000 Euro."
Allzu viel Glück hatten die Stadtwerke mit dem Bambados bislang nicht. Schon zur Eröffnung 2011 hagelte es Kritik wegen der vergleichsweise hohen Eintrittspreise und der durch die Schulnutzung verkürzten Öffnungszeiten. Auch in der Politik ist das Bambados umstritten. Wenn stimmt, was man aus Aufsichtsratskreisen hört, wurde das von den Stadtwerken angepeilte Ziel eines Defizits von 1,7 Millionen Euro noch nie erreicht. Derzeit soll das Minus des Bambados bei 2,1 Millionen Euro im Jahr liegen.

Glosse des Autors:

Die fiesen Fliesen von Bamberg

E s gibt immer noch Experten, die das Bambados in höchsten Tönen loben. Das weltweit erste Passivhausbad sei ein Muster im Umgang mit Ressourcen, jubelte vor einiger Zeit die Fachpresse.

Weltweit einzigartig dürfte auch der Turnus des Fliesenwechsels im Bambados sein. Vom Kostengesichtspunkt betrachtet ist die Bamberger Einwegfliese sogar noch zukunftsweisender als der Bamberger Passivhaushallenbadstandard.

Um auf die Millionen zu kommen, die allein die Dämmstoffe gekostet haben, können die Bamberger die Beckenböden 80 Mal neu kacheln und damit das Sommerloch bis 2097 füllen.

Aber vielleicht tut man der Bamberger Fliese ja unrecht, wenn man sie jetzt in den Sack steckt und zu Scherben haut. Psychologisch betrachtet ist es doch eher so: Ähnlich der eigens für das Bambados entwickelten Bamberger Rinne fühlt sich auch die Bambados-Kachel zu Höherem berufen.

Die Diva unter Bambergs Plattenbelägen klebt nicht an jedem und ist ähnlich widerspenstig wie das unlängst zum zweiten Mal verlegte Welterbe-Pflaster auf der Oberen Brücke.Eine echt fiese Fliese.

Wahrscheinlich ist aber das glatte Gegenteil der Fall. Fliesen werden überschätzt. Besonders in Bädern. Wenn sogar der Beton darunter wasserdicht ist, könnte man sie sich auch sparen.

Genaugenommen wird auch Wasser in Bädern überschätzt. Wer es braucht, kann beinahe kostenlos in die Regnitz springen. Die fließt auch ohne Fliesen.

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