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Kommentar

Aufnahmeeinrichtung: Ist Bamberg wirklich ein Vorbild?

Ist die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken wirklich das Vorbild, das Politiker der Union in ihr sehen? Ein Kommentar von Michael Wehner.
In Bamberg äußerst umstritten: Die Aufnahmeeinrichtung am Rande des Hauptsmoorwaldes.  Ronald RInklef
 
von MICHAEL WEHNER
Falls mal wieder ein Beispiel für die Bürgerferne mancher Politiker gesucht wird: Im Kompromiss der Unionsparteien zur Flüchtlingsfrage werden Einrichtungen wie das Bamberger Abschiebelager allen Ernstes als Vorbild angepriesen.

Natürlich: Wenn man in einem Raumschiff lebt und von dort auf den Planeten Erde blickt, mögen solche Vokabeln irgendwie durchgehen. Die funktionalistische Konzentration aller für den Asylprozess benötigten Einrichtungen kann Kosten sparen und sie kann Entscheidungen beschleunigen, wenn man es richtig macht.

Doch hätten die Politiker von CSU und CDU sich die Mühe gemacht und in Bamberg nachgefragt, wüssten sie. Es gibt auch einen Preis für solche Großlager und den haben nicht nur die Flüchtlinge, sondern vor allem die Bürger vor Ort zu bezahlen.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, hier also die Rückmeldung von ganz unten an die im Orbit Schwebenden: Wer die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken als Erfolgsmodell hinstellt, ignoriert die statistisch und auch fühlbar gestiegene Kriminalität in der Stadt Bamberg.

Er übersieht die Enttäuschung in großen Teilen der Bevölkerung, die daraus resultiert, dass etwa 1000 dringend benötigte bezahlbare Wohnungen dem Markt dauerhaft entzogen wurden und ein ganzer Stadtteil seiner Zukunftschancen beraubt wird.

Er übertreibt zuletzt sogar bei dem, was angesichts des gewaltigen organisatorischen und finanziellen Aufwands herauskommt: 3880 Abschiebungen und freiwillige Rückreisen in zwei Jahren. Auf den Monat umgerechnet sind das nicht mehr als 161.
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