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Unfallzahlen

Auf Achse mit einem Lkw-Fahrer: "Teilweise ist Krieg da draußen"

Lkw-Fahrer stehen wegen ihrer Fahrweise immer wieder in der Kritik. Bei einer Testtour wird deutlich: Die täglichen Herausforderungen sind groß.
"Lemmi" Lehmann im Führerhaus seines 40-Tonners auf den Weg nach Schmölz im Landkreis Kronach. Christian Pack
 
von CHRISTIAN PACK
Der Arbeitstag von Mike "Lemmi" Lehmann beginnt um 5 Uhr früh. Der Lkw-Fahrer hat die letzte Nacht auf einem Parkplatz nahe Bamberg verbracht, bevor es wieder auf Tour geht, gönnt er sich am Autohof in Breitengüßbach noch eine kurze Pause. "Kaffee muss einfach sein."

Um 6 Uhr schmeißt "Lemmi" seinen knapp 17 Meter langen Sattelzug an. Während sich die ersten Sonnenstrahlen am Horizont zeigen, biegt der 40-Tonner auf die A73 ein. Es geht circa 60 Kilometer in Richtung Schmölz im Landkreis Kronach. Das Leermaterial einer Metallfirma, für die er gestern in Rheinland Pfalz unterwegs war, muss abgeliefert werden.

Lehmann ist ein "Frischling" in der Branche. Früher hat der Fan des FC Bayern München als Garten- und Landschaftsbauer gearbeitet, den Lkw-Führerschein besitzt er erst seit April. Das Arbeiten auf der Straße sei auf der einen Seite anstrengend. "Manche Ecken sind nicht ohne. Rund um Aschaffenburg zum Beispiel." Trotzdem: Der neue Beruf sei genau das richtige. "Unterwegs ist man sein eigener Chef."


"Halte mich an die Vorschriften"

Während die Autos auf der linken Spur an ihm vorbei schießen, beobachtet "Lemmi" konzentriert sein Tacho. Stressen lässt er sich nicht - auch wenn dies einige Verkehrsteilnehmer nicht immer akzeptieren wollen. "Ich habe auch schon den Stinkefinger gesehen. Aber ich halte mich an die Vorschriften. Wenn es jemand eilig hat und seinen Führerschein unbedingt riskieren will, bitte schön."

Eine Stunde später rangiert Lehmann seinen Lkw durch die engen Schmölzer Straßen in der Marktgemeinde Küps. Auf dem Parkplatz der Metallfirma wartet sein Chef Manfred Hanna. Der Mitinhaber der "Intex-Cool-Trans"-Spedition aus Pressig ist seit 40 Jahren im Geschäft. Hanna weiß also, was sich auf den Straßen abspielt.


Unerlaubte Überholmanöver

Die öffentliche Diskussion um die Zunahme von Lkw-Unfällen hat er natürlich mitbekommen. "Das kommt nicht von ungefähr." Zum einen gebe es immer mehr Fahrzeuge, weil der Transport so günstig ist. Konsequenz: Die Unfallgefahr steigt. Zudem nehme die Aggressivität auf der Straße zu. Das läge unter anderem an den schwarzen Schafen unter den Lkw-Kollegen. Hanna berichtet von "Elefantenrennen" und gefährlichen Manövern. "Überholen ist für viele wie eine Droge, die drängeln sich sinnlos vor dir rein. Aber was bringt das?"

Als vorbildlicher Fahrer sei man bei vielen Kollegen schnell unten durch. "Dann wird man über Funk gemobbt", berichtet der Chef von sechs Kraftfahrern. "Teilweise ist Krieg da draußen." Die moderne Technik würde es den Fahrern zudem heutzutage viel zu leicht machen. "Heute hat man Tempomat und Bremsassistenz. Man muss nicht viel denken."

Auch viele Pkw-Lenker seien durch ihr rücksichtsloses Fahren Schuld an Unfällen. "In Baustellen wird es eng, aber viele müssen unbedingt überholen, obwohl auch sie nicht schneller sein dürfen." Das Prinzip des versetzten Fahrens würde kaum jemand kennen. "Der Lkw-Fahrer ist nicht der Böse. In der Masse ereignen sich Baustellenunfälle wegen der Pkw."


"Jeder Stau bedeutet Verspätung"

Ein weiteres Problem aus Hannas Sicht: Die Fahrer geraten nicht wegen der eigenen Chefs, sondern wegen der vorgegebenen Zeitfenster der Auftraggeber unter Druck. "Jeder Stau bedeutet Verspätung." Wer nicht pünktlich liefert, der kann Probleme bekommen. "Manche Firmen akzeptieren Verspätungen nicht. Dann muss man teilweise stundenlang warten."

"Lemmi" ist mit seinem Sattelschlepper zwischenzeitlich nach Ebersdorf bei Coburg gefahren. Bei einer Firma hat er knapp 20 Tonnen Holzpaletten aufgeladen. Die müssen heute noch in der Nähe von Regensburg abgeliefert werden.

Voll beladen geht es am späten Vormittag wieder auf die A 73. Die Straßen sind fast leer, im Radio kündigt ein Sprecher Regen an. Der Job des Lkw-Fahrers, sagt "Lemmi", sei sein absoluter Traumberuf. "Schau dich doch um: Alles, was ich brauche, habe ich immer dabei. Das hier ist so etwas wie meine kleine Wohnung."
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