Bamberg
Studium

Wie schwer ist es, in Franken eine Studentenbude zu finden?

Zum Semesterbeginn suchen viele Studenten noch immer eine Bleibe. Günstige Unterkünfte sind oft Mangelware.
Artikel einbetten Artikel drucken
Nah an der Hochschule und günstig wollen Studenten wohnen. In Bayreuth kann man dabei wählerischer sein als in Erlangen. Foto: Felix Kästle/dpa
Nah an der Hochschule und günstig wollen Studenten wohnen. In Bayreuth kann man dabei wählerischer sein als in Erlangen. Foto: Felix Kästle/dpa
An den Hochschulen hängen die Schwarzen Bretter jetzt wieder voll mit Wohnungs-Gesuchen. Auch im Internet suchen derzeit noch viele Studenten eine Unterkunft. Die Vorlesungszeit der Fachhochschulen hat bereits begonnen, an den Universitäten geht der Unterricht am 17. Oktober los. Zum Wintersemester 2016 hat sich der Wohnungsmarkt für Studenten laut einer Studie weiter verschlechtert. Und wie schwer ist es, in Franken eine Studentenbude zu finden?

Das Moses-Mendelssohn-Institut hat untersucht, wie angespannt die Wohnsituation an 91 deutschen Hochschul-Standorten ist. In Kooperation mit dem Onlineportal WG-Gesucht.de wurde ein Ranking aller Städte mit mehr als 5000 Studierenden erstellt. Das Institut wertete dafür Faktoren wie Mietpreise, Immobilienangebote und Studierendenzahlen aus. Je kritischer die studentische Wohnsituation, desto höher platziert sich eine Stadt im Ranking. Die größten Probleme, eine Wohnung zu finden, haben Studenten in München, gefolgt von Frankfurt und Köln. Die fränkischen Universitätsstädte liegen im bundesweiten Vergleich im Mittelfeld: Erlangen steht auf Platz 22, Nürnberg 33, Bamberg 44, Würzburg 47 und Bayreuth 55.


Mehr Plätze in Bamberg

"Grundsätzlich ist die Wohnsituation zum Wintersemester wie immer angespannt", erklärt Frank Tegtmeier. Der Abteilungsleiter Wohnen beim Studentenwerk Würzburg ist unter anderem für die Unistädte Würzburg und Bamberg verantwortlich. "Aber gegenüber den letzten Jahren ist die Situation nicht so brenzlig", erläutert er.

"In Bamberg sehe ich sogar eine Entlastung", so Tegtmeier. Auch weil in der Coburger Straße 5 ein neues Wohnheim mit 99 Wohnplätzen entstanden ist. Die Anlage wurde am 10. Oktober eröffnet. Ab diesem Wintersemester gibt es in Bamberg somit 1434 Wohnheimplätze. Rund 12 700 Menschen studieren in der Weltkulturerbe-Stadt.
"In Würzburg ist es zurzeit ein wenig schwieriger", meint Tegtmeier entgegen des Städterankings. Auf 32 000 Studierende in Würzburg kommen 3688 Wohnheimplätze.

Der Trend unter Studenten gehe hin zu Einzelappartements. "Die sind bei uns der absolute Renner", sagt Tegtmeier. Er geht davon aus, dass die Studierendenzahlen wie in allen deutschen Unistädten in Zukunft weiter ansteigen werden.


Erlanger Studenten weichen aus

"Erlangen ist nach wie vor ein Brennpunkt", sagt Uwe Scheer. Der Pressesprecher des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg erklärt, dass die Wohnsituation in der Unistadt durchaus kritisch sei. Rund 40 000 Menschen sind in Erlangen immatrikuliert. "Aber Notunterkünfte werden wir nicht brauchen", relativiert Scheer. Eine akute Wohnungsnot besteht nicht, kein Student werde zum Beginn des Wintersemesters ohne Bleibe "auf der Straße stehen", meint der Sprecher des Studentenwerks. "Das liegt auch daran, dass es Ausweichmöglichkeiten gibt", fügt er hinzu. Die Erlanger Studenten weichen zum Beispiel nach Baiersdorf, in den Landkreis Forchheim oder nach Fürth aus, wo es erheblich günstigeren Wohnraum gibt. Die preiswerten Studentenwohnheime sind alle ausgelastet. In 22 Anlagen stehen rund 3 800 Plätze bereit, 1 800 davon sind in Erlangen. Die Warmmiete beträgt zwischen 150 und 300 Euro und ist somit deutlich günstiger als die durchschnittliche Miete von 350 Euro, die Studenten in Erlangen zahlen, so Scheer. Die begehrten Wohnheimplätze vergibt das Studentenwerk per Einzelfallprüfung nach Bedürftigkeit der Studenten. Wartelisten gibt es deshalb nicht. Wer sich einmal um einen Wohnheimplatz bewirbt, verbleibt automatisch im System. Ein Mietvertrag ist auf sechs Semester befristet.

"Generell gibt es auch viele Menschen, die gar nicht in einem Studentenwohnheim wohnen wollen", gibt Uwe Scheer zu bedenken. Viele junge Menschen würden heutzutage Altbauwohnungen vorziehen. Da die meisten Studiengänge für Erstsemester im Oktober beginnen, ist es momentan besonders schwierig, einen Wohnheimplatz zu ergattern. Zum Sommersemester stehen die Chance höher, sagt Scheer. Deswegen bietet das Erlanger Studentenwerk Vormietverträge an: Die Studenten unterschreiben im Voraus und können im folgenden Sommer einziehen. "In Erlangen ist kein Ende abzusehen, was die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum für Studenten angeht", prognostiziert Uwe Scheer.


Studenten werden wählerischer

In Oberfranken hingegen finden Studierende leichter eine Bleibe. "Am Wohnungsmarkt ist die Lage entspannt", bestätigt Monika Zenkel vom Studentenwerk Oberfranken, das unter anderem die Hochschul-Standorte in Bayreuth, Coburg und Hof betreut. "In Bayreuth haben wir keine Wohnungsnot", sagt die Mitarbeiterin der Wohnheimverwaltung. 13 000 Studenten leben in Bayreuth. Nur in Coburg werden für einige der rund 5000 Fachhochschüler momentan noch Studentenbuden gesucht, weil das Wohnheim "Gotha I" saniert wird. Dadurch fallen 99 öffentlich geförderte Studentenzimmer weg.

Auf dem freien Wohnungsmarkt müssten die Studenten circa 400 Euro im Monat für ein Zimmer bezahlen. In Wohnheimen des Studentenwerks Oberfranken kostet es 150 bis 250 Euro inklusive Internet. Dafür bekommen sie 15 bis 19 Quadratmeter Wohnfläche. Die Wohnheime sind zwar alle ausgelastet, aber die Studenten würden zunehmend anspruchsvoller werden. "Viele der Wohnungen, die wir in Bayreuth anbieten, sind vielen Studenten zu klein oder zu weit weg von der Uni", stellt Monika Zenkel fest.

Auch die Art, wie Studenten wohnen wollen, ändert sich. "Die klassische WG-Form hat ausgedient. Die Studenten wollen heutzutage zumindest eine eigene Nasszelle", sagt Zenkel. Bei Neubauten gibt es bereits keine Gemeinschaftsduschen mehr. Das liegt auch an den Förderrichtlinien, mit denen neue Wohnheime gebaut werden.



Kommentar von Klaus Angerstein: Das Gerangel um Wohnraum

Das Drama wiederholt sich jedes Wintersemester. Kaum ist der Studienplatz ergattert, geht für die Erstsemester das Gerangel um viel zu wenige Studentenbuden los. Wohnheime sind meist auf Jahre hinaus mit Wartelisten blockiert und auf dem freien Wohnungsmarkt müssen für Kellerlöcher oft horrende Mieten gezahlt werden. Keine Frage, es gibt viele anständige Vermieter. Aber eben auch solche, die die Notsituationen in manchen Unistädten skrupellos auszunutzen wissen. Woran liegt es nun eigentlich, dass die jungen Leute nur so schwer eine Bleibe finden?

Naja, zuallererst wohl daran, dass in Deutschland immer mehr Menschen ein Studium beginnen. Mittlerweile sind es über 2,7 Millionen, gut 36 Prozent mehr als noch vor neun Jahren. Das ist das eine. Hinzu kommt etwas, was Wohnungsmarktforscher als "Schwarmverhalten" bezeichnen. Heißt, junge Leute bevorzugen bestimmte Städte wie Berlin oder München. Und zum Studium geht's bevorzugt nach Heidelberg, Würzburg, Marburg oder Erlangen. Dort wiederum kennzeichnet die Wohnungssuche eine gewisse studentische Zentrumsverliebtheit. Die Uni soll am besten gleich um die Ecke sein, ebenso das Café oder die Kneipe. Dann wird es eng, bei steigenden Preisen. In privaten Studentenwohnheimen, von denen es immer mehr gibt, werden für ein 20-Quadratmeter-Apartment schon mal zwischen 400 und 800 Euro fällig. Für die meisten Studenten selbst mit Hilfe eines Nebenjobs nicht mehr finanzierbar. Schließlich muss jeder vierte Student mit weniger als 675 Euro im Monat auskommen.

Da bleibt bei aller schwarmbedingter Zentrumsverliebtheit den meisten nur das Ausweichen an die Peripherie der Städte und in stadtnahe Landkreisgemeinden. Und wenn's gar nicht anders geht, verharren die Erstsemester im elterlichen Domizil und pendeln erstmal per Zug in die Universitätsstadt. Dass es auch anders gehen kann, beweisen uns ausgerechnet die oft belächelten Nachbarn in Österreich. In deren Hauptstadt Wien, gleichzeitig handelt es sich um die größte Universitätsstadt Zentraleuropas, studieren derzeit über 190 000 junge Menschen. Hier herrscht keine Wohnungsnot. Trotz der Menge an Studenten bleibt studentischer Wohnraum bezahlbar. Weil die Stadt Eigentümer von 220 000 Wohnungen ist. Die Mieten liegen zwischen drei und zehn Euro je Quadratmeter. Warum also nicht zum Studium nach Wien?
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren