Bamberg
Kinder-Uni

Wer wählen darf und wer nicht

Wie können sich Menschen mit ausländischen Wurzeln am politischen Geschehen in Deutschland beteiligen? Darüber diskutierten am Samstag Jungen und Mädchen.
Artikel einbetten
Gut 60 Kinder hörten zu, schrieben mit und diskutierten mit Thomas Saalfeld über das Thema "Migranten in der Politik".  Fotos: Barbara Herbst
Gut 60 Kinder hörten zu, schrieben mit und diskutierten mit Thomas Saalfeld über das Thema "Migranten in der Politik". Fotos: Barbara Herbst
+8 Bilder
Ganz am Puls der Zeit waren die jungen Teilnehmer der Bamberger Kinder-Uni am Samstagmorgen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas Saalfeld beschäftigten sie sich mit der Frage, ob die in Deutschland lebenden Migranten in angemessener Form am politischen Leben teilnehmen können. Diese Frage stellen sich derzeit auch viele Politiker und Journalisten.


Es gab eine Abstimmung, die es in sich hatte

Der Anlass dafür ist, dass vor einigen Wochen viele in Deutschland lebende Türken am türkischen Verfassungsreferendum teilgenommen haben.
Sie durften also über Vorgänge in der Türkei abstimmen, obwohl sie selbst gar nicht mehr dort, sondern hier in Deutschland leben. Aber das war gar nicht das Problem.
Als problematisch gilt, dass die Mehrheit der hier lebenden Türken dem türkischen Präsidenten Erdogan mit ihren Stimmen erlaubt haben, für seinen eigenen Machtzuwachs die Befugnisse von Parlament und Gerichten zu beschneiden.
Was Erdogan wollte und auch bekam, entspricht aber nicht den Vorstellungen, die die meisten Deutschen von einem gerechten politischen System haben.


Was läuft denn falsch?

Entsprechend schockiert und vielleicht auch wütend waren viele Deutsche: Wie kann das sein, dass so viele Türken in Deutschland für Erdogan gestimmt haben? Was läuft da falsch? Fühlen sich viele Türken und auch andere Migranten vielleicht nicht ausreichend ernst genommen von der deutschen Politik?
Um all diese Fragen ging es am Samstag. "Es wäre doch besser, wenn sich die Migranten für die Politik in Deutschland interessieren. Und nicht für die Politik in dem Land, aus dem sie kommen", sagte Christoph. Der Junge mit der blonden Haartolle war einer der Kinder, die mit Thomas Saalfeld über diese Fragen diskutierten. "Da sagst du etwas Interessantes", sagte Saalfeld.


Auch Professor Thomas Saalfeld weiß, wie es ist, ein Migrant zu sein

Er ist Professor an der Otto-Friedrich-Universität und untersucht dort die interschiedlichen politischen Systeme in der Welt. Und er weiß genau, wovon er spricht. Denn Thomas Saalfeld war selbst einmal so etwas wie ein Migrant: 14 Jahre lang lebte er als Deutscher in Großbritannien.
Als Migrant gelten Menschen, die eine andere Staatsbürgerschaft haben als die des Landes, in dem sie leben. Als Migrant gilt aber zum Beispiel auch ein Deutscher, dessen Eltern aus dem Ausland kommen. Man spricht dann von Menschen mit einem sogenannten Migrationshintergrund. Ganz schon sperrig, dieses Wort!
"Wer hat denn von euch ausländische Eltern?", wollte Saalfeld wissen. Da schnellten einige Hände hoch. "Mein Papa kommt aus Russland"; "Meiner aus der Ukraine", "Mein Papa ist Finne", "Meine Eltern kommen aus Marokko", sagten die Kinder. Jeder Fünfte in Deutschland hat einen sogenannten Migrationshintergrund. Es gibt viele Menschen mit ausländischen Wurzeln, die es in Deutschland sehr weit gebracht haben.


Den kennt fast jeder

"Wer ist das?", zeigte Saalfeld auf ein Foto an der Wand. "Jérôme Boateng", sagten fast sämtliche Kinder im Chor. Der Fußballer, der für den FC Bayern München und die deutsche Nationalmannschaft spielt, hat einen Vater aus Ghana. Aber obwohl jeder fünfte Deutsche ausländische Wurzeln hat, dürfen nur sehr wenige von ihnen wählen gehen. Die anderen dürfen also nicht über die Politik mitbestimmen, obwohl sie sich wie alle anderen auch an die Gesetze halten müssen, auf die sich die Politiker einigen können. Das ist ein Problem.
Eine Lösung dieses Problems haben die Kinder und Thomas Saalfeld am Samstag nicht gefunden. In zwei Dingen waren sie sich aber einig: Migranten sollten sich für die Politik des Landes interessieren, in dem sie leben. Und Politiker sollten ernstnehmen, was die Migranten wollen und erwarten. Das klingt vielleicht nicht nach besonders viel, ist aber in Wahrheit schon einiges. Viel weiter sind die Politiker und Parteien auch noch nicht.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
1 Kommentar
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren