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Rechtsform

Vor dem Brexit: Die Limited verliert an Sympathie

Für die Gesellschaftsvariante nach britischem Recht, Limited oder Ltd. genannt, entscheiden sich hierzulande immer weniger Firmengründer.
Prominentes Beispiel für die Rechtsform der Limited: die Drogeriekette Müller Foto: Archiv
 
von MATTHIAS LITZLFELDER
Anfang des Jahrtausends tauchte bei Firmengründungen in Deutschland vermehrt eine Rechtsform auf, deren Name zunächst einmal exotisch anmutete. Die Private Company Limited by Shares, abgekürzt Limited oder noch kürzer Ltd. genannt, war plötzlich bei Existenzgründern gefragt. Eine Gesellschaftsform nach britischem Recht, die in Deutschland rechtlich voll anerkannt werden muss - so entschied es damals der Europäische Gerichtshof.


Ein Pfund reicht

Es handelt sich um eine Kapitalgesellschaft, ähnlich der deutschen GmbH. Attraktiv für viele Gründer war das britische Modell, weil kein Mindeststammkapital aufgebracht werden musste und die Limited dennoch die Haftung - wie bei der GmbH - auf das Gesellschaftsvermögen beschränkte. Für die Gründung einer GmbH muss man mindestens 25 000 Euro aufbringen. Für die Limited reicht theoretisch ein Pfund.
Wer als Deutscher eine Limited gründet, lässt diese im englischen Handelsregister eintragen. Um hierzulande dann tätig werden zu können, muss die Firma noch in Deutschland ein Gewerbe anmelden und eine Zweigniederlassung im Handelsregister registrieren lassen. Fertig. Das EU-weit garantierte Recht auf Niederlassungsfreiheit macht es möglich. Unternehmen dürfen in allen Mitgliedsstaaten Vertretungen gründen.


Bleibt die Niederlassungsfreiheit?

Doch genau diese gewährte Niederlassungsfreiheit könnte nun zum Problem werden. Großbritannien will raus aus der EU. Nach einem Brexit könnte es aber vorbei sein mit der Niederlassungsfreiheit für englische Firmen. Die Gesellschaftsform der Limited wäre in Deutschland nicht mehr ohne weiteres anerkannt. Mit haftungsrechtlichen Folgen: Die Unternehmen würden wie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts behandelt, in der die Gesellschafter persönlich für die Verbindlichkeiten der Firma haften müssen. In Betracht käme eine Umwandlung in eine GmbH, aber das ist teuer.


Umfirmierung sehr aufwändig

Gerion Weidl aus Eggolsheim (Landkreis Forchheim) hat zwei solcher Limiteds gegründet, die nach wie vor nach britischem Recht firmieren: einen ambulanten Pflegedienst mit betreutem Wohnen sowie einen IT-Dienstleister. "Man hat dadurch einen sehr leichten Zugang zur Haftungsbeschränkung und kann seine Finanzreserven zielgerichtet investieren, ohne zum Beispiel Bareinlagen aufweisen zu müssen", berichtet der 48-jährige Unternehmensberater. Angefangen habe er damals mit einem Startkapital von 1000 Euro. Ein Pfund - das reiche nur in der Theorie.
Das nötige Stammkapital, um eine Ltd. in eine GmbH umzuwandeln, hätte Weidl. "Aber eine Umfirmierung ist sehr aufwändig", erklärt er. Man müsse den aktuellen Buchwert herausfinden. Dazu sei ein Gutachten notwendig. Das koste viel Geld. Der Eggolsheimer Unternehmer setzt darauf, dass der Brexit keine Auswirkungen hat, setzt auf einen Bestandsschutz. "Ich glaube nicht, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern", ist er überzeugt. Doch wissen kann das heute niemand.


Nur 66 in Oberfranken

Immerhin zeigt das Beispiel USA, dass alles ausgehandelt werden kann. Zwischen den Amerikanern und Deutschland besteht seit Jahrzehnten ein Staatsvertrag, der den Firmen beider Länder quasi Niederlassungsfreiheit gewährt.
Die Sympathie bei Gründern für die Limited hat allerdings schon länger nachgelassen. Nur vereinzelt finden sich noch bekannte Unternehmen, die diese Firmierung gewählt haben, etwa die Drogeriekette Müller oder die Fluggesellschaft Air Berlin.
Laut Industrie- und Handelskammer für Oberfranken in Bayreuth sind aktuell im gesamten Kammerbezirk nur 66 solcher Firmen aktiv - bei knapp 50 000 Betrieben insgesamt. Auch bayernweit ist die Zahl der Limiteds gerade einmal dreistellig. Das liegt an der Einführung einer neuen Rechtsform im Jahr 2008. Seitdem kann die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG) mit einem Euro gegründet werden. Die "Mini-GmbH" hat der Limited längst den Rang abgelaufen.
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