Surrt die Kamera, dann verschwindet Tessa - und "Suse", "Chrissy" oder eine andere Filmfigur tritt auf den Plan. "Diese Verwandlung ging bei mir schon immer ganz automatisch", sagt Tessa Obrusnik, die ab 2. August wieder ins Scheinwerferlicht tritt. "Legend of Brothers" ist das zweite Filmprojekt der 17-jährigen Bambergerin.

inFranken: Statt Dich vom Lernstress zu erholen, büffelst Du in den Sommerferien für Deine Rolle im Jugendfilmprojekt "Legend of brothers". Ist das für Dich nur willkommene Abwechslung vom Schulalltag oder ein weiterer Schritt in Richtung Schauspielschule, nachdem Du ja auch schon in "Endlich Samstag" als "Suse" zu erleben warst?
Tessa Obrusnik: Eigentlich will ich Meeresbiologin werden. Aber falls das nicht klappt, wer weiß? Ich könnte mir mittlerweile wirklich vorstellen, Schauspielerin zu werden. Das Lernen der Texte fällt mir leicht. Und ich hatte beim Drehen viele Einstellungen auch gleich im Kasten, was anfangs keineswegs selbstverständlich ist.

inFranken: Blenden wir zurück: Wie bist Du zur Rolle der "Suse" gekommen, die in der BR-Kinderserie in immerhin 50 Folgen agierte? Fandest Du Dich in der Band-Gitarristin in gewisser Weise wieder?
Tessa Obrusnik: Meine Mutter las im FT den Casting-Aufruf. Und ich fand es spannend, nach Auftritten mit der Unterstufen-Theatergruppe an einem wirklichen Filmprojekt teilzunehmen. Unter über 1000 Bewerbern wählte man mich über zwei Castings aus. - Mit "Suse" verband mich anfangs nicht viel. Dann entdeckte ich ihre Sensibilität, ihren Querkopf und die Tatsache, dass wir beide gerne kochen und essen. Von "Suse" habe ich auch einiges lernen können: Beispielsweise, dass man sich für andere Menschen nicht verbiegen sollte.

inFranken: Monatelang konnten Dich Klassenkameraden beim Zappen durch die TV-Welt im Ersten oder dritten Programmen "treffen". Führte das nicht zu Neid und Missgunst?
Tessa Obrusnik: Unsere Klassengemeinschaft ist super. Da gibt's keine Neider. Die meisten Freunde reagierten erst ungläubig, dann freudig oder waren sogar stolz auf mich. Selbst die drei Klassenkameraden, die sich mit mir beworben hatten, aber nicht genommen wurden, unterstützten mich.

inFranken: Was war die größte Herausforderung bei "Endlich Samstag"? Und was könnte Dir beim Jugendfilmprojekt zu schaffen machen?
Tessa Obrusnik: Bei "Endlich Samstag" störte mich anfangs sehr, dass ich als einziges Mädchen nicht geschminkt wurde. Und es war nicht leicht, das ganze Set beim Drehen aus meinem Blickfeld auszublenden. Schon allein wegen der grellen Scheinwerfer. - Jetzt ist es für mich eine Herausforderung, mein ganzes Wesen umzustellen. Ich spiele eine Oberzicke, die versucht, das komplette Projekt zu sabotieren - also das Schulreferat, aus dem sich über Recherchen eine Schatzsuche entwickelt. Natürlich werde ich während der fünf Wochen, in denen ich in unserer Wunsiedeler-Schauspieler-WG lebe, auch meine Familie und Freunde vermissen.

inFranken: Dafür bist Du jetzt geschminkt. Wie vermutlich auch bei Deinen ersten Auftritten als Model.
Tessa Obrusnik: Im Grunde hatte ich nur drei Fotoshootings: Gerade eben im Bamberger Medienhaus, davor für die Agentur OffChic und ein weiteres Projekt. Bei meinem ersten Termin trug ich noch eine Zahnspange. Die Aufnahmen kürzlich verbanden Mode mit Natur und werden bei einer Nürnberger Ausstellung gezeigt. Ich könnte mir aber nicht vorstellen, hauptberuflich in diese Richtung zu gehen. In natura mag ich mich viel lieber als auf Fotos, für die ich posen musste.

inFranken: Wie hältst Du eigentlich in XXL-Zeiten Deine schlanke Linie?
Tessa Obrusnik: Mit einem halben Glas Nutella am Tag. Ich habe eben das Glück, so viel essen zu können wie ich will und allenfalls kleine Gewichtsschwankungen zu zeigen. (Die bei einer Größe von 1,80 Metern nicht auffallen.)

Pleiten, Pech und Pannen


inFranken: Kommen wir zu Pleiten, Pech und Pannen am Set oder bei Fotoshootings: Was fällt Dir dazu ein?
Tessa Obrusnik: Während einer Aufnahme zu "Endlich Samstag" bin ich vom Rad gefallen. Alles lachte. War superpeinlich und landete vermutlich in den Outtakes. Dann trug ich einmal während eines Drehs mein Kleid verkehrt herum. Als es die Kostümbildnerin merkte, waren schon so viele Einstellungen im Kasten, dass ich das Teil während der ganzen Folge mit der Vorderseite nach hinten anhatte. Obwohl man gewisse Ausbuchtungen auf dem Rücken sah.

inFranken: Ab Montag wird in Weißenstadt, Wunsiedel und Kulmbach "Legend of brothers - Schatz der Rudolfsteiner" gedreht. Sitzt der Text bereits? Wie sonst hast Du Dich vorbereitet?
Tessa Obrusnik: Den Text lerne ich immer am Tag zuvor fürs Kurzzeitgedächtnis. Allerdings hatten wir schon ein Coaching mit Giovanni Arvaneh, der bei der Charakterisierung der einzelnen Rollen half. War spannend zu sehen, wie er sich vorbereitet. Keiner hatte uns übrigens beim Casting darauf vorbereitet, dass "Sülo" aus "Marienhof" vor Ort ist. Ich kannte ihn ja aus der Serie und kam auch noch zu spät, was meine Nervosität ungemein verstärkte.

InFranken: Bist Du eigentlich schon vergeben? Wo findet man(n) Dich in Bamberg nach der Schule, abends oder an den Wochenenden?
Tessa Obrusnik: Ich bin ewiger Single, vielleicht zu wählerisch. Nachmittags bin ich im Sommer oft im Hainbad und abends im Morph Club. Darüber hinaus kann man mit mir auch über Facebook in Kontakt treten.

Das oberfränkische Jugendfilmprojekt "Legend of Brothers" kommt aller Voraussicht nach im April 2011 ins Kino.