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Brauchtum

"Stärk antrinken": Was hat es mit dem Brauch auf sich?

Das "Stärk antrinken" am 5. und 6. Januar ist in Oberfranken weit verbreitet. Doch wo kommt der Brauch her und wie wird dieser vollzogen?
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Das "Stärk antrinken" am 5. und 6. Januar ist in Oberfranken weit verbreitet. Doch wo kommt der Brauch her und wie wird dieser vollzogen? Symbolbild: alsen/pixabay
Das "Stärk antrinken" am 5. und 6. Januar ist in Oberfranken weit verbreitet. Doch wo kommt der Brauch her und wie wird dieser vollzogen? Symbolbild: alsen/pixabay
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Zum jährlichen "Stärk antrinken" erwarten die Brauereien in Oberfranken wieder zahlreiche Besucher. Um diesen Brauch ranken sich viele Mythen. Stimmt es, dass am Abend des Dreikönigsfestes oder auch am Vorabend zwölf Bier getrunken werden müssen? Und beruht dieser Brauch auf einer christlichen Tradition?


Was ist das "Stärk antrinken"?

"Stärk antrinken" bezeichnet einen alten Brauch, der in Oberfranken und den angrenzenden Regionen verbreitet ist. In der Regel trifft man sich am Vorabend des 6. Januars im Familien- und Freundeskreis, um sich gemeinsam Stärke - im Volksmund "Stärk" - für das neue Jahr anzutrinken. Unter "Stärk" wird Kraft und Gesundheit verstanden.

Damit die Stärke auch das ganze Jahr lang anhält, sollte für jeden Monat des Jahres ein "Seidla" vom Bock getrunken werden - so heißt es auf der Internetseite des "Vereins zur Förderung der fränkischen Braukultur". Als Seidla wird in Franken ein Bierkrug oder -glas mit einem halben Liter Bier bezeichnet. Aus diesem Grund sollte die Zwölferregel nicht so genau genommen werden. Schließlich dient der Brauch dem Mobilisieren seiner Kräfte und soll nicht das Gegenteil bewirken.


Wann wird das "Stärk antrinken" gefeiert?

Das traditionelle Datum zum "Stärk antrinken" ist der Abend des 6. Januars. Mancherorts wird dieser Brauch auch schon am 5. Januar vollzogen. Früher feierte man an diesem Tag den Jahreswechsel und nicht wie heutzutage am 31. Dezember. Deshalb ist der 6. Januar, besonders im süddeutschen Raum, auch als Hochneujahr, Großneujahr oder "Öberschder" (auf hochdeutsch "Oberster") bekannt. Mit dem Dreikönigsfest, das am gleichen Tag gefeiert wird, hat diese Neujahrsvorstellung vermutlich nichts zu tun. Es finden sich keine christlichen Wurzeln, auf die der Brauch zurückgeführt werden kann.


Wie ist das "Stärk antrinken" dann entstanden?

Etwa im 18. oder im frühen 19. Jahrhundert sei diese Tradition entstanden, sagt Markus Kratzer vom Heimat- und Volkstrachtenverein "Alt-Bayreuth". Ein genauerer Ursprung lasse sich jedoch nicht rekonstruieren. Vermutlich steht diese Tradition im Zusammenhang mit dem vorchristlichen Brauchtum der zwölf Rauhnächte zwischen den Jahren. Bei den Germanen und Kelten galten diese Nächte als heilige Zeit, die für die Familie, zum Feiern und zum Orakeln genutzt wurde.

Nach alten Überlieferungen trieben während der Rauhnächte Geister und Dämonen ihr Unwesen. Lärm und Ausräucherung sollten dem Schutz vor diesen Gestalten und vor den Gefahren des kommenden Jahres dienen. Je nach Region variiert die Anzahl der Rauhnächte zwischen drei und 13. Meist decken sie sich jedoch mit den zwölf Weihnachtstagen von Weihnachten (25. Dezember) bis zum Dreikönigsfest (6. Januar).


Wo wird das "Stärk antrinken" gefeiert?

Gefeiert wird meist in geselliger Runde in einer Gaststätte. In Oberfranken dürfte dieser Brauch schon wegen der hohen Brauereidichte weit verbreitet sein: Rund 200 Brauereien gibt es in der Region, davon etwa 70 im Kreis Bamberg. Die meisten brauen anlässlich des Stärkantrinkens ein spezielles Starkbier, welches dafür besonders gut geeignet sein soll. Dabei handelt es sich um das sogenannte Bockbier.


Warum heißt das Bier eigentlich Bock?

Bockbiere sind Starkbiere mit einem Stammwürzegehalt von mindestens 16 Prozent. Ab 18 Prozent werden sie "Doppelbock" genannt. Die Stammwürze bezeichnet den Anteil der aus dem Malz und Hopfen gelösten Stoffe vor der Gärung wie Malzzucker, Eiweiß, Vitamine und Aromen. Sie bestimmt auch den späteren Alkoholgehalt des Biers.


Bockbier gibt es von Hell bis Dunkel, aber auch als Weizenstarkbier. Es hat einen Alkoholgehalt von 6,5 Prozent und mehr. Das Hauptverbreitungsgebiet des Bockbiers ist Süddeutschland. Es stammt aber ursprünglich aus der niedersächsischen Stadt Einbeck. Von dort aus wurde das Bier seit dem 14. Jahrhundert nach Bayern und sogar bis nach Italien exportiert. Damit es länger haltbar bleibt, wurde es mit einem besonders hohen Stammwürzegehalt eingebraut, wodurch sich der Alkoholgehalt erhöhte.

Im Jahr 1614 holte das Adelshaus Wittelsbach den Braumeister Elias Pichler aus Einbeck ans Hofbräuhaus nach München. Das "ainpöckisch Bier" wurde bald nur noch "Bock-Bier" genannt. Mit dem gleichnamigen Tier hat der Name des Biers also nichts zu tun. Im Norden Bayerns ist der Bockbieranstich meist im Herbst. Für das "Stärk antrinken" im Januar werden einige der Fässer aufbewahrt.
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