Ausstellung

Sensenmann holt Kaiser und Bettler

Das Diözesanmuseum setzt sich mit dem Spannungsfeld zwischen Leben und Tod auseinander. Die Bilder über den "Totentanz im Wandel der Geschichte" stammen aus der Sammlung von Richard Mayer.
Das jüngste Werk der Ausstellung stammt von Manfred Scharpf: Der Hunger in der Fülle (2011).  Fotos: Marion Krüger-Hundrup
 
Wild tanzende Skelette neben einem elektrischen Stuhl: Ein Gruseleffekt bleibt sicher nicht aus. Doch es wäre zu kurz gegriffen, ausgerechnet einem kirchlichen Museum bloße Gefühlshascherei beim Thema Tod zu unterstellen. Mit der Ausstellung "Vom Ende der Zeit - Totentanz im Wandel der Geschichte" will das Bamberger Diözesanmuseum die christliche Dimension erschließen: "Der Tod hat für Christen nicht das letzte Wort. Vielmehr leben und sterben Christen hinein in die Ewigkeit Gottes", erklärt Museumschef Domvikar Norbert Jung.

Doch bevor es in die Ewigkeit geht, kommt unweigerlich der Sensenmann. Er holt den machthungrigen Kaiser, die eitle Nonne, den geldgierigen Wucherer, den armen Bettler, die Guten und Bösen. Gevatter Tod fordert die Lebenden zum Tanz. Und wenn sie sich weigern, zwingt er sie. Dieser Totentanz inspiriert Literaten, Komponisten und bildende Künstler seit Jahrhunderten. Einen außergewöhnlichen Querschnitt durch die bildhaften Darstellungen präsentiert das Diözesanmuseum: 260 Grafiken, Zeichnungen, Radierungen, Lithografien, Linolschnitte, Siebdrucke, Ölbilder, Skulpturen aus fünf Jahrhunderten.

Die Werke stammen von 44 namhaften Künstlern von Albrecht Dürer bis Andy Warhol. Sie alle griffen das Totentanz-Thema auf und übertrugen es auf zeitgenössische Verhältnisse. Da kann das klassische Motiv gerade in moderner Kunst einen weiten Raum für Interpretationen lassen: die aufgestapelten Ölfässer als Hinweis auf das drohende Ende der fossilen Brennstoffe oder die kaum beherrschbaren Müllberge der Gesellschaft. Oder eben der "Elektrische Stuhl" auf problematisches Handeln des Staates. Oder den wissentlich in Kauf genommenen Hungertod für den Schlankheitswahn.

"Solche Werke finden in Privaträumen kaum Verwendung", sagt Richard Mayer. Es brauche eine öffentliche Ausstellung, um auf das Thema Tod in der Kunst aufmerksam zu machen. So ist der Bamberger Galerist und Kunstsammler Mayer froh, seine Totentanz-Sammlung im Diözesanmuseum zeigen zu können. Zumal sie "gut in diese sakralen Räume passt", meint er. Zum Ausstellungsraum gehört unter anderem der Kreuzgang, der den Domherren-Friedhof umschließt.

Einen Teil der Exponate hat Richard Mayer Anfang des Jahres im Museum Junge Kunst in Frankfurt an der Oder gezeigt. Museumsdirektorin Brigitte Rieger-Jähner würdigt Mayers Kenntnisreichtum, "der sich mit Eigenwilligkeit und Sensibilität in der Auswahl der Blätter paart", wie sie sagt. Die Kunsthistorikerin wird bei der Ausstellungseröffnung in Bamberg in die Präsentation einführen.

Professorin Rieger-Jähner ist fasziniert von der Weltkulturerbestadt, die sie schon mehrfach besucht hat. Sie weiß auch, dass in Bamberg seit jeher von Künstlern und Literaten die Auseinandersetzung mit dem Tod gepflegt worden ist. Hugo von Trimberg schrieb hier sein Werk "Der Renner" über die Todsünden, hier verlegte Albrecht Pfister den "Ackermann" von Johannes von Tepl, hier ist in der Heilig-Grab-Kapelle von St. Michael der Tod im Ölgemälde von Moritz Becke radt (1729-1731) verewigt. Obendrein hat die Europäische Totentanz-Vereinigung seit 2006 ihre Geschäftsstelle in Bamberg. Die Präsidentin dieser Gemeinschaft von Forschern, Künstlern und Sammlern, Uli Wunderlich, hat für den Katalog der Totentanz-Ausstellung im Diözesanmuseum ein Grußwort verfasst.

"Vom Ende der Zeit - Totentanz im Wandel der Geschichte" wird am Donnerstag, 15. September, um 17 Uhr in der Krypta des Bamberger Domes eröffnet. Die Ausstellung ist im Diözesanmuseum, Domplatz 5, bis zum 25. November zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Sonderführungen nach Vereinbarung.






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