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Sandkirchweih

Sandkerwa als "Belustigung für das Prekariat": CSU distanziert sich von Müller

Bambergs CSU-Chef macht deutlich, dass es sich bei den Aussagen seines Fraktionsvorsitzenden über die Sandkerwa nicht um die Meinung der Partei handle.
Die Aussagen zur Sandkerwa von CSU-Fraktionschef Helmut Müller haben für Irritationen in Bamberg gesorgt.  Foto: RiegerPress/Archiv
 
von SEBASTIAN MARTIN
Sandkerwa 2017 in Bamberg ist endgültig abgesagt

Die Sandkerwa-Absage hat in der öffentlichen Debatte nun eine andere Richtung eingeschlagen. Konkret geht es um einen Satz, der inzwischen hohe Wellen schlägt in Bamberg: Helmut Müller, Chef der CSU-Fraktion im Bamberger Stadtrat, hatte zwei Wochen nach der Absage der Sandkerwa diese als "Belustigung für das Prekariat" bezeichnet, an der "niedere Schichten" zusammenkämen, "um sich zu besaufen".

Viele Bamberger fühlen sich beleidigt

Damit stößt Müller Tausende Sandkerwa-Gänger vor den Kopf. Die reagieren verschnupft: Auf der Facebookseite des Fränkischen Tags ist von Arroganz und Stammtischparolen des Fraktionschefs die Rede.



Müller scheint mit seiner Meinung weitgehend isoliert dazustehen. Das zeigt die Reaktion von Bambergs CSU-Chef. Die Äußerung soll zwar ausschließlich die persönliche Meinung des Fraktionschefs widerspiegeln, dennoch sah sich Christian Lange am Donnerstag gezwungen, für seine Partei Stellung zu beziehen.


"Dankbar, dass es die Kerwa gibt"

"Was die Aussage von Dr. Müller angeht, gehe ich davon aus, dass sie vielleicht etwas unbedacht und missverständlich geäußert worden ist. Ich vermute, dass er gewisse negative Vorgänge gemeint hat, die in der Vergangenheit zu Recht zu Beschwerden von Anwohnern geführt haben", so Lange zu den Äußerungen. Allerdings machte er auch deutlich: "Sollte die Aussage jedoch auf die ganze Sandkerwa bezogen werden können, stelle ich klar und deutlich fest, dass dies nicht die Meinung der CSU widerspiegelt. Für uns ist die Sandkerwa eine wichtige Kirchweih. Wir sind dankbar, dass es sie gibt." Die CSU danke dem Bürgerverein Sand wie auch allen Bürgervereinen in der Stadt für ihre Distriktskirchweihen.


CSU-Ortsverbände auf Distanz

Lange hatte mit Müller bereits am Donnerstagmorgen per SMS Kontakt aufgenommen. Er habe ihm geraten, sich dazu nicht weiter zu äußern, so der CSU-Chef. "Es ist abgesprochen, dass für die CSU der Vorsitzende spricht." Die Redaktion hat Müller am Donnerstag telefonisch nicht erreicht.

Dafür stellte Lange für die Partei generell klar: "Die Sandkerwa gehört zu Bamberg wie Bratwurst, Basketball und Prozessionen. Sie ist eine Veranstaltung mit liebgewordenen Traditionen wie beispielsweise das Fischerstechen, das Kerwabaum-Aufstellen oder der Kirchweih-Gottesdienst, um den es eigentlich geht." Die Sandkerwa sei ein Treffpunkt für viele Bamberger und wichtig für die Serviceclubs. So nehme der Lions-Club bei der Sandkerwa Geld ein, das soziale Projekte möglich mache.

Der Vorsitzende versucht die Scherben zusammenzukehren, die sein Fraktionschef verursacht hat. Doch hatten sich am Donnerstag andere bereits eindeutiger geäußert: Der CSU-Ortsverband Mitte distanzierte sich gemeinsam mit dem Ortsverband Berg und Nord "ganz klar" von den "unangebrachten Äußerungen des Fraktionsvorsitzenden". Gleiches tat die Junge Union Bamberg-Stadt.

Und selbst aus dem CSU-Fraktionsvorstand kommt scharfe Kritik: "Somit hat Herr Müller wohl eine stellvertretende Fraktionsvorsitzende aus der niederen Schicht", schreibt Anna Niedermaier auf ihrer offiziellen Facebookseite. "Einfach mal mehrere 100.000 Personen öffentlich mit einem einzigen Satz zu beleidigen, schafft man auch nicht alle Tage. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU distanziere ich mich ganz klar und ausdrücklich von der Aussage unseres Fraktionsvorsitzenden Helmut Müller!"


GAL macht sich Spaß daraus

Andere Parteien sind belustigt: Die GAL schreibt unter ein Foto, das Brose-Chef Michael Stoschek in seinem Amphibienfahrzeug an der letztjährigen Sandkerwa zeigt: "Das Prekariat auf dem Weg zur Sandkerwa Bamberg? Lieber Herr Dr. Helmut Müller, liebe CSU, sind das die von Ihnen gemeinten niederen Schichten, die zur Bamberger Sandkerwa kommen (schwimmen), um sich zu besaufen?"

Es gibt aber auch Stimmen, die durchaus die Meinung Müllers teilen. So kommentiert ein Leser auf inFranken.de: "So ganz Unrecht hat er ja nun auch nicht, der Herr Müller." Selbst CSU-Chef Lange sagt mit Blick in die Zukunft: "Ein ,Weiter so‘ wäre nicht im Sinne der Sandkerwa." Und spricht damit manche negative Erscheinungen an wie lautes Grölen und Wildpinkeln. "Um negative Auswüchse abzustellen, ist aber kluges Nachdenken hilfreich."

Müllers Satz fällt mitten in den Rettungsversuch für die Sandkerwa, die vom Bürgerverein abgesagt worden war. Am Montag , 22. Mai, wird sich Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) erneut mit dem Verein über die Zukunft des Volksfestes beraten.

Laut Lange will sich die CSU konstruktiv für ein zukunftsfähiges Konzept mit dem Bürgerverein einbringen. Fraktionschef Müller hatte sich aber gegen eine Rettung um jeden Preis mit zusätzlichen öffentlichen Geldern ausgesprochen - wie die SPD-Fraktion. Deren Chef Klaus Stieringer wirbt dennoch für eine Lösung mit dem Bürgerverein, um die Sandkerwa dauerhaft zu sichern. Dazu sei aber - wie bei allen Veranstaltungen - Respekt vor den Besuchern notwendig.

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