Riesenhohe Mauern, das Bild einer geteilten Stadt, ratternde Güterzugkolonnen und nicht zuletzt die Gefahr, den Welterbetitel zu verlieren. Selten hat ein Projekt so viel Staub aufgewirbelt wie der geplante viergleisige Ausbau der Bahntrasse durch Bamberg. Seit Dienstag können sich die Bewohner der Region sicher sein, dass das Alarmszenario nicht nur Politiker aus der Region beschäftigt. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer haben die Wellen um die ICE-Trasse durch Bamberg erreicht.

Es war ein gut gewählter Ort für eine Presseerklärung, die offensichtlich Wogen glätten sollte: Ramsauer stand im Schatten einer Riesenpappel; hinter ihm kreischten Massen von spielenden Kindern im Wasserspielplatz auf der Erba-Insel, und der deutsche Verkehrsminister sprach über den Segen der Mobilität, den Wettbewerb zwischen Schiene und Straße und Bambergs Rolle entlang einer wichtigen Verkehrsmagistrale. "Eine Fahrt von Berlin nach München dauert heute noch sieben Stunden, ab 2017 nur noch vier. "Gott sei Dank!"

Doch der Preis für die Beschleunigung wird nicht der Verlust des Titels Welterbe sein oder die Teilung einer zusammengehörenden Stadt: Das versprach Ramsauer im Beisein von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), des Abgeordneten Thomas Silberhorn (CSU) und etlicher Medienvertretern.
Wie der Minister sagte, sollen die Erkenntnisse über modernste Lärmschutztechnologien, die vor Kurzem im Auftrag der Bahn AG erprobt worden waren, nicht nur theoretisch, sondern auch tatsächlich in die Planfeststellung der Bahn AG Eingang finden.

Ganz aus der Luft gegriffen sind die Warnungen, die vor zwei Wochen Thomas Goppel vom Landesdenkmalrat formuliert hatte, offenbar nicht. Auch der Bundesverkehrsminister erklärte den "Nullachtfünfzehn-Lärmschutz" in Bamberg für ungeeignet. "Die Bewahrung des Welterbes und die ursprünglich geplante Höhe der Mauern - das ruft doch arge Zielkonflikte hervor", sagte Ramsauer und versprach, sich für eine für alle Seiten verträgliche Lösung einzusetzen. Dabei sollen vor allem die für das Welterbe so wichtigen Sichtachsen vor Verbauung bewahrt werden.

Oberbürgermeister Andreas Starke freute sich über die klaren Worte Ramsauers: "Das ist doch ein ermutigendes Zeichen, dass die Bahn ihre Planungen verändern will und auf den Prüfstand stellt", sagte der OB. "Wir fühlen uns dadurch beflügelt in unseren Bemühungen, die bestmögliche Lösung für die Stadt zu erreichen." Starke betonte die Verantwortung, die die Bundesrepublik Deutschland für das Welterbe trage. Die Bewahrung dieser besonderen Stadt sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Für einen "stadtverträglichen Lärmschutz" plädierte auch der Abgeordnete Thomas Silberhorn. Er riet dringend dazu, dass die getesteten Lärmschutztechnologien vom Eisenbahnbundesamt so früh wie möglich genehmigt werden, damit sie noch vor dem Abschluss der Planfeststellung in das Vorhaben eingebunden werden. Silberhorn geht davon aus, dass 2017 nach der Fertigstellung der Neubaustrecke der Verkehr auf der gesamten Strecke in Betrieb genommen wird - auch wenn zwischen Nürnberg und Ebensfeld noch gebaut wird.

Vor dem Rundgang durch die Landesgartenschau übergab OB Starke dem Verkehrsminister ein Schreiben der Bamberger Bürgerinitiative Bahnsinn. Darin erneuert die Gruppierung ihre Forderungen nach einem Projektbeirat für das Vorhaben. Eine solche Beteiligung wollte auf Nachfrage auch Ramsauer nicht ausschließen.
Robert Bartsch, Sprecher der Initiative, bezeichnete die Worte des Ministers am Dienstag als Versprechungen, denen nun Taten folgen müssten. "Wir fürchten, dass sich die Bahn hinter den Gesetzen versteckt und die Lärmschutztechniken nicht einsetzt, die es längst gibt, weil sie noch nicht genehmigt sind."

Ein Weg, um das Projekt im Konsens mit den Bürgern zu verwirklichen, ist nach Ansicht der Initiative die Gründung eines Projektbeirats. Das Beispiel Oberrheintal zeige, dass dort viele Konflikte aus dem Weg geräumt werden konnten. Auf die Forderung, die bei der Bürgerinformation am 10. Juli erstmals erhoben worden war, hat die Bahn laut Bartsch bisher noch nicht reagiert. Er fordert deshalb die Politik auf, einen Projektbeirat zu gründen: "Freiwillig wird es die Bahn nie tun."