Bamberg
Fronleichnam

Prozession zu Fronleichnam in Bamberg: Zeichen gegen Gewalt

Fünfzehntausend Menschen kamen am Feiertag zur Prozession durch Bamberg - eine fromme Demo mit augenfälliger Folklore.
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Fronleichnam in Bamberg. Fotos: Matthias Hoch
Fronleichnam in Bamberg. Fotos: Matthias Hoch
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Laura wirkt ein wenig gelangweilt, wie sie da so lässig an einem Schaufenster am Grünen Markt lehnt und mit verzogenen Mundwinkeln das Treiben beobachtet. Unumwunden gibt die 24-Jährige zu, "dass mich das nicht so interessiert". Sie sei lediglich gekommen, "weil mein Papa als Träger mitgeht". Träger einer der zahlreichen blumengeschmückten Heiligenfiguren, die dem Außenstehenden einen folkloristischen Eindruck vermitteln. Ein "Umzug" in Bamberg eben an einem freien Tag. Kirchlicher Feiertag? Fronleichnam? Äh, wie bitte, was ist das?

Japanische Touristen, die eifrig die Handy-Kameras auslösen, mögen sich dies so fragen. Doch alteingesessene Bamberger wissen, was es mit diesem "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" auf sich hat. Fünfzehntausend Menschen - so schätzt eine Polizeihauptkommissarin an einer Straßensperre - pilgern entweder in der Prozession mit oder säumen den Weg.



Dichtgedrängt stehen Gläubige in der Altstadt, als Erzbischof Ludwig Schick mit dem Allerheiligsten in der goldenen Monstranz unter dem Baldachin an ihnen vorbeizieht. Flankiert von einer Ehreneskorte der Polizei und Zunftstäben der Bäcker. Jesus im eucharistischen Brot toppt also Bambergs Basketballer! So viele Fans haben die neunfachen deutschen Meister jedenfalls noch nicht auf die Beine gebracht.

Via Lautsprecheranlage betet Pastoralreferent Hubertus Lieberth vor: Christusrufe, Fürbitten für die gesamte Menschheit, für die Schöpfung und die Bewohner Bambergs - laut und kräftig klingen die Entgegnungen der Tausenden mit den gelben Gebetsheften zum Fest in der Hand. Die Texte sind zeitgemäß, die Lieder so bekannt, dass sie mitgesungen werden können. Unterstützt vom Domchor und der Mädchenkantorei unter der Regie von Domkapellmeister Werner Pees, der an der letzten Station auf dem Domplatz auch noch die Bläser der Bamberger Symphoniker dirigiert.

An der dritten Station auf dem Maxplatz wartet eine 83-jährige Frau sehnsüchtig darauf, dass sie endlich zu den Birkenbäumchen hinter dem Freiluftaltar eilen kann. "Ich bin extra mit dem Bus vom Bruderwald gekommen", erklärt die alte Dame. Sie wolle sich wieder einige Zweige mit nach Hause nehmen, "weil die doch geweiht sind, und ich bilde mir ein, dass ich besser schlafe, wenn ich die an meinem Bett habe." Ja da passt doch die gerade gesungene Liedzeile "...du bist der Seele Arzt und Heil, durch dich wird Rettung uns zuteil" wunderbar zu dieser himmlischen Schlaftablette Birkenzweig!

Alles andere als schläfrig dürfen aber die achtzehn Träger des 650 Kilo schweren Domkreuzes sein, oder die Männer, die die mächtige Muttergottes aus der Oberen Pfarre und aus St. Martin schleppen. Immerhin 50 bis 70 Kilo ruhen allein schon auf jeder Schulter, auf der die wesentlichen kleineren Figuren "Masterbild" und heiliger Josef des Oberen Gärtnervereins ruhen: "Mir läuft das Wasser den Rücken runter, mein Hemd ist durchgeschwitzt!" lacht ein 35-jähriger Gärtnermeister in einer Verschnaufpause. Obendrein steckt er noch in einem schwarzwollenen "Spotznfrack": "alles zur Ehre Gottes, und weil es Familientradition ist zu tragen bei der Fronleichnamsprozession", sagt er strahlend.

Selbst Staatsministerin Melanie Huml (CSU) kann auf dem fast dreistündigen Prozessionsweg über Bambergs Kopfsteinpflaster noch lächeln. Oder ist es für sie eher ein Bußgang auf den Highheels? Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Bürgermeister Christian Lange (CSU), neben denen die Ministerin schreitet, müssen sie jedenfalls nicht stützen.

Ohne sichtbare Ermüdungserscheinungen absolviert der joggingerprobte Erzbischof den Pilgermarsch unter brennender Sonne. Schließlich hatte er in der vorausgegangenen Eucharistiefeier auf dem Domplatz von einem "öffentlichen Bekenntnis zu Jesus Christus an Fronleichnam" gesprochen. Von einer "Demonstration für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde". Die tausenden Christen, die die Messe feiern und singend und betend durch die Altstadt ziehen, "setzen ein Zeichen gegen Gewalt und Terror", so Erzbischof Schick Dies sei notwendig in einer Welt, die so sehr von Terror und Kriegen, von Unwahrheit, Korruption und Ausbeutung heimgesucht werde. "Erneuern wir unser Bekenntnis zu Jesus Christus", bat Schick, "werben wir für ihn, damit er unser Leben bestimmt."
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