Region // Bamberg
Polizei bereitet dem Spuk ein Ende
Seit Mitte Oktober verübte im Raum Bamberg eine vierköpfige Bande zwölf Einbrüche in Vereinsheime. Nun wurde sie gestellt. Die Beute bot das Quartett übers Internet zum Verkauf an. Die Vereine erlitten nicht nur materiellen Schaden.
Der Spuk hat jetzt - der Polizei sei Dank - ein Ende. Hans Zang, Vorstand des SV Memmelsdorf, schnauft auf. Er schiebt aber ein "hoffentlich" hinterher. In das Heim des Vereins wurde innerhalb von vier Tagen zwei Mal eingebrochen. Damit befindet sich dieser Verein in der Reihe von elf weiteren, die Ziel einer jugendlichen Diebesbande wurden, die seit Mitte Oktober massiv in Vereinsgebäuden zugeschlagen hatte.
Mit den reparierten Türen und Glasscheiben ist für den SV Memmelsdorf aber beileibe nicht alles wieder gut. Selbst wenn der Verein nun seinen Beamer und seinen Computer wiederbekommen sollte. Auf dem PC waren immerhin die gesamten für den Verein relevanten Daten gespeichert. Und wie Zang in Erfahrung gebracht haben will, war das Gerät schon im Internet zum Verkauf angeboten worden, was ein Löschen der Vereinsdaten zur Voraussetzung macht. "So ein Mist, da war die ganze Buchhaltung drauf", beschreibt Zang die Brisanz.
Andere Vereine mit eigenem Heim dürften jetzt zumindest aufatmen, denn beim letzten Einbruch in Lichteneiche hat die Polizei zugeschlagen und zunächst einen aus der Bande erwischt. Zu den anderen Mitgliedern im Alter zwischen 15 und 22 Jahren führten die weiteren Ermittlungen. Nach derzeitigem Kenntnisstand steht ein Täter-Quartett fest. Zu Details werde weiter ermittelt, wie Helmut Fischer von der Polizei mitteilt.
Die Einbruch-Serie, deren Ziele stets Sportheime waren, begann Mitte Oktober mit dem Vereinsheim des FV Giech.
Es folgten weitere, die sich im Abstand von einer Woche beziehungsweise wenigen Tagen zutrugen und die Polizei in Trab hielten. Wie der Bericht der Polizei zeigt, liefen die Taten stets nach dem gleichen Muster ab: Mit einem Brecheisen verschafften sich die jungen Leute meist über Fenster Zugang zu den Gebäuden. Im Inneren brachen sie Türen und Behältnisse auf, um so an Bargeld, aber auch an elektronische Geräte zu gelangen. Vereinzelt ließen sie Alkoholika, Süßigkeiten und Duschgels mitgehen. Das Bargeld teilten die jungen Leute unter einander auf und gaben es zum Teil in Spielotheken wieder aus.
Kopf der Bande, so scheint es, ist ein 15-jähriger Berufsschüler. Bei den weiteren Bandenmitgliedern handelt es sich um zwei Auszubildende im Alter von 17 und 20 Jahren. Der vierte Täter ist ein 22-jähriger Berufstätiger. Mit dessen Fahrzeug wurde nach Auskunft Fischers auch ein Großteil der Beute abtransportiert. Deponiert waren die Sachen hauptsächlich in der Wohnung des 15-Jährigen, wo die Polizei einen Großteil des Diebesgutes sicherstellte.
Die Polizei widmete sich der Einbruchsserie mit hohem Personalaufwand und mit einer eigenen Ermittlungsgruppe. Unter anderem gab es Unterstützung seitens der Bereitschaftspolizei, aber auch von benachbarten Einsatzstellen und zwei Diensthundeführern. Bei ihren Ermittlungen setzt die Polizei zudem auf modernste Spurentechnik und Strategie.
So konnten der 15-Jährige und der 20-Jährige letzte Woche (in der Nacht zum Mittwoch) auf frischer Tat, also beim Einbruch in Lichteneiche ertappt werden. Auch wenn der Jüngere durch einen Sprung vier Meter in die Tiefe entwischte. Den 22-jährigen Fahrer und den 17-jährigen Begleiter schnappten die Polizisten im Zuge der Fahndung. Den 15-jährigen "Kopf der Bande" stellte die Polizei am folgenden Tag in der Wohnung seines Vaters. Die Bandenmit-glieder haben ihre Taten größtenteils gestanden. Jetzt müsse die sichergestellte Beute noch den bestohlenen Vereinen zugeordnet und dann übergeben werden, erklärt Hauptkommissar Fischer.
So könnte auch der SV Memmelsdorf Computer und Beamer zurückbekommen. Insgesamt habe dieser Verein allein einen Sachschaden von rund 4000 Euro erlitten, sagt Hans Zang. Weil beim ersten Einbruch auch die Schlüssel erbeutet wurden, tauschte man sofort die Schlösser aus. "Wir hatten ein komisches Gefühl", gibt Zang wieder. Prompt wurde nur wenige Tage später wieder eingebrochen, wobei Türen und Fenster erneut Schaden nahmen. Man habe sich über die Brutalität gewundert, die sich an den Spuren ablesen ließ. Das Einbrecher-Quartett, das aus dem östlichen Landkreis stammt, darf sich jedenfalls auf Geldstrafen oder sogar auf Gefängnis einstellen, deutet Fischer an. Die Ermittlungen dauern noch an.
















