Seelsorge

Obere Pfarre zeigt Mut

Pfarrer Matthias Bambynek wird am Sonntag den neuen Beichtraum in der Kirche am Kaulberg einweihen.
Dieser barocke Beichtstuhl bleibt als Zeugnis der Vergangenheit in der Oberen Pfarre. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
 
von MARION KRÜGER-HUNDRUP
Ganz nüchtern fällt die Zeitansage von Pfarrer Matthias Bambynek aus: "Die Beichte genießt einen schlechten Ruf und fristet ein Schattendasein." Andererseits hätten viele Menschen das Bedürfnis, mit einem Priester auch über Schuld zu sprechen und dadurch Entlastung zu erfahren. "So haben wir den Mut, in der Oberen Pfarre etwas Neues zu wagen in Respekt vor dem, was war und ist", erklärt Bambynek.

Dieses Neue ist ein Beichtraum in einer Nische des Chorumgangs - künstlerisch gestaltet vom Bamberger Bildhauer Albert Ultsch, der auch schon für die Anmutung der Altarinsel verantwortlich zeichnet. "Der Beichtraum gleicht sich in Schlichtheit und Material an und ordnet sich unter", beschreibt Ultsch sein Werk aus geschwärzter Eiche, satiniertem Glas und Messing. Für Pfarrer Bambynek ist es bedeutsam, dass dieser Beichtraum direkt unter einem Fenster steht und durch ein gläsernes Oberlicht erhellt wird. Nichts gemahnt an die dunkle Enge der bisherigen fünf Beichtstühle, von denen nunmehr drei als restaurierte Zeugnisse der Vergangenheit in den Nachbarnischen belassen worden sind. "Früher wurde in Scharen gebeichtet, zahllose Menschen sind in diese Wallfahrtskirche gekommen", erzählt Pfarrer Bambynek.

Ihm ist durchaus bewusst, dass er nicht einfach an diese vermeintlich besseren Zeiten anknüpfen und Beichtwilligen im Minutentakt die Absolution erteilen kann. Doch der Priester ist davon überzeugt, dass das "Sakrament der Versöhnung" einen Schatz darstellt, der "einen guten Rahmen verdient". Dieses Sakrament sei ein Angebot der individuellen Seelsorge, das zum essentiellen Bestand der Kirche gehöre. Insofern möchte Pfarrer Bambynek den neuen Beichtraum als ein "Signal mit zeichenhafter Bedeutung" verstanden wissen. Der Seelsorger zitiert einen Vers aus dem Matthäusevangelium, der für ihn ein Leitmotiv in der Beichtpastoral ist: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen."

Wer diese innere Ruhe sucht, kann künftig freitags um 17 Uhr den Pfarrer oder Kaplan im Beichtraum aufsuchen. Und zwar entweder anonym verborgen hinter einer undurchsichtigen, in Mundhöhe gelöcherten Scheibe oder - wenn diese aufgeschoben wird - im direkten Blickkontakt. Der Beichtende kann knien oder sitzen. Eine brennende Kerze an der Front des Beichtraumes wird anzeigen, dass ein Priester darin wartet. Auf einer Leuchttafel taucht auf, ob der Raum mit einem Beichtenden besetzt ist oder nicht.

Am Sonntag, 21. Februar, wird Pfarrer Bambynek im Gottesdienst um 10.30 Uhr den Beichtraum einweihen. Im Anschluss stellen er und Künstler Albert Ultsch diese neue Komponente vor, die im Zuge der Generalsanierung der Oberen Pfarre entstanden und im Finanzierungsplan bereits enthalten ist. Die Installation wurde mit der Denkmalpflege, mit der für die Sanierung zuständigen Architektin Ursula Huber und mit Diözesanarchitekt Karl-Heinz Rottmann abgestimmt.


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