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Bahn-Ausbau

Neue Trassenvarianten für Bamberg

Eine Experten-Runde im Hegelsaal förderte weitere Erkenntnisse zutage. Zum Beispiel die einer reinen Güterzugumfahrung im Osten. Auch die Politik zog Schlussfolgerungen: MdB Silberhorn favorisiert die Stadtdurchfahrung.
Bamberg ist eine traditionelle Bahnstadt: Nun gibt es Vorschläge, den Güterverkehr komplett an der Stadt vorbeizuführen.  Foto: Ronald Rinklef
 
von MICHAEL WEHNER
Das Tauziehen um den viergleisigen Ausbau der Bamberger Bahntrasse hat in den vergangenen zwei Jahren schon manchen Schauplatz hervorgebracht. Es gab umkämpfte Stadtratssitzungen, in denen markige Formulierungen fielen. Es wurden zu Kundgebungen mit sieben Meter hohen Lärmwand-Dummys aufgerufen, Resolutionen verabschiedet und dreidimensionale Visualisierungen an die Wand geworfen. Am Freitag konnten rund 100 Zuschauer einer neuen Variante im Ringen um Dezibel, Lärmschutz und Trassenvarianten beiwohnen - dem "Experten-Hearing zum Bahnausbau in der Welterbestadt".

Die Veranstaltung im Hegelsaal machte ihrem Namen Ehre. Ein halbes Dutzend hochkarätiger Spezialisten hat die Stadt zusammengetrommelt und folgte damit einer Forderung der Bürgerinitiative Bahnsinn Bamberg. Mediziner wie Manfred Spreng von der Universität Erlangen saßen am Podium und Techniker wie der Ingenieur Eberhard Hohnecker vom Institut für Spurgeführte Systeme und Öffentliches Verkehrswesen, Karlsruhe. Karlheinz Rößler referierte über die Erkenntnisse der Güterzug-Umfahrung von Freiburg im Breisgau, Ulrich Möhler über innovative Schallschutzmaßnahmen aus dem Konjunkturpaket. Trotz der schwierigen Materie erschöpften sich die Vorträge nicht in allgemeinen Anmerkungen.

Die Anwesenden konnten Erkenntnisse gewinnen, die so noch nicht bekannt waren. Stadträtin Ursula Sowa (GAL) lobte am Ende der siebenstündigen Veranstaltung besonders den Vortrag von Karlheinz Rößler. Der Verkehrsberater, der sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Leistungsfähigkeit des Stuttgarter Kopfbahnhofs befasst hat, regte an, über die zur Zeit in der Prüfung befindliche Ost-Umfahrung hinaus drei weitere Varianten zu prüfen, nämlich eine reine Güterzugumfahrung im Bamberger Osten. Vorteil dabei: Der ICE muss zwingend durch Bamberg. Reine Güterzuggleise sind offenbar auch billiger zu bauen. Zudem könnte die Abzweigung aus seiner Sicht bereits bei Altendorf beginnen und bis Zapfendorf reichen.


Schienenbonus wird möglicherweise abgeschafft


Und noch eine Vision warf der Verkehrsplaner in den Raum: Käme zur Ost- eine Nordumfahrung hinzu, könnten künftig alle Güterzüge Bamberg umfahren, eine "geniale Lösung", wie mancher meinte. Sie fand unter der Voraussetzung einer Untertunnelung auch die Sympathie von Bahnsinn-Sprecher Robert Bartsch. Der war es auch, der die Experten nach den Tunnelkosten fragte. Ergebnis: Fünf Kilometer Ostumfahrung könnten mit 250 Millionen Euro zu Buche schlagen. Die Strecke durch Bamberg wird dagegen mit über 300 Millionen Euro veranschlagt.

Ganz konkrete Befürchtungen weckte bei Daniela Reinfelder (CSU) die Ankündigung, dass der so genannte Schienenbonus möglicherweise schon bald abgeschafft wird. Diese Regelung, gewissermaßen eine Erniedrigung der Lärmschutzvorschriften für Bahnprojekte, entscheidet sehr direkt über die Höhe der Lärmwände in Bamberg. Fällt der Schienenbonus weg, wachsen die potenziellen Mauern in Bamberg postwendend wieder, die Mitte 2012 schon einmal deutlich geschrumpft sind. Teilweise soll es sich um einen, teils um zwei Meter handeln. "Das wäre natürlich erschreckend", sagte Reinfelder.


Rückkehr der Monstermauer-Debatte?


Höhere Lärmschutzwände bedeuten für Bamberg das Wiederaufflackern der bereits begraben geglaubten Debatte um Monstermauern, lassen aber auch die Folgekosten für den Bund in die Höhe schießen. "Der Verkehrsetat braucht fünf Milliarden Euro mehr", rechnete Thomas Silberhorn (CSU) vor. Hoffnungen einiger, dass das Bahnprojekt deshalb auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird, sind für ihn unbegründet. Das Projekt werde mit höchster Priorität vorangetrieben.

Von der Bahn verlangte Silberhorn, endlich alle Fakten auf den Tisch zu legen, auch die einer Tieferlegung der Trasse um einen Meter. Die Stadt, die einen gewissen Grad von Verkehr akzeptieren müsse, solle sich sich im Gegenzug möglichst bald positioniert, denn erst dann könne man die Frage des Lärmschutzes zielgerichtet angehen. Silberhorn selbst hat sich am Freitag bereits für eine Variante ausgesprochen. Ihn hätten die Argumente für die Ostumfahrung bisher nicht überzeugt, sagte er. Die Lärmschutzproblematik sei die gleiche wie in der Stadt, doch die Risiken höher: "Bayreuth hat vor 100 Jahren eine grundfalsche Entscheidung getroffen und liegt bahntechnisch jetzt bei Neuenmarkt-Wirsberg. Ich möchte nicht, dass es einmal heißt: Bamberg liegt bei Gundelsheim."


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