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Ausstellung

Nazi-Raubkunst in Bamberg auf der Spur

Das Historische Museum stellt bedrückende Ergebnisse seines Projektes "Provenienzforschung" vor. Auch in Bamberg wurde jüdisches Eigentum "verwertet".
Löwenpokal, Trinkgefäß in Form eines Löwen, Silber, zumTeil vergoldet, Johann David Pfaff, Nürnberg, 1712, aus der Sammlung Budge Foto: Museen der Stadt Bamberg
 
Als 1941 und 1942 die Juden aus Bamberg deportiert wurden, fiel ihr Vermögen nach geltendem Recht an das Deutsche Reich. Für die sogenannte "Verwertung" des Eigentums war in Bamberg das Finanzamt in Zusammenarbeit mit der Vermögensverwaltung auf kommunaler Ebene zuständig. Was an Hausrat, Mobiliar und wertvollen Objekten nicht im Böttingerhaus, Leihanstalt und Theater zwischengelagert wurde, kam unter den öffentlichen Hammer. Doch die Bevölkerung murrte, weil sie sich "ungerecht mit Judenmöbeln" versorgt wähnte.

Jahrzehnte später hat sich das Historische Museum in der Alten Hofhaltung auf Spurensuche begeben: Gibt es Werke in der Sammlung, die ihren Eigentümern unrechtmäßig zwischen 1933 und 1945 entzogen worden sind? Wie lassen sich diese möglichen Objekte identifizieren? Und wie geht man mit den als Raubkunst entdeckten Kulturgütern um? Inwieweit waren Kunsthandel und Verwaltung am Raub beteiligt?

Diese und andere Fragen ging das dreijährige wissenschaftliche Projekt "Provenienzforschung" nach, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wurde. Die teilweise bedrückenden Ergebnisse, aber auch Möglichkeiten und Grenzen des Forschungsprojektes präsentiert das Historische Museum jetzt in einer Sonderausstellung. Damit beweist das Haus "Mut zur Verantwortung", wie Uwe Hartmann vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste bescheinigt. Mut gehöre zur Frage: "Wie können sich die Museen der Stadt Bamberg, darf sich die Stadt Bamberg bei jedem dieser Stücke mit gutem Gewissen als rechtmäßiger Eigentümer verstehen?"

Museumschefin Regina Hanemann trieb schon lange um, was an Forschungsbedarf im Hinblick auf die Erwerbungen in den 1930er Jahren in den Beständen der städtischen Kunstsammlungen bestand. Die Notwendigkeit der systematischen Untersuchung der Erwerbungen auf NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern, vor allem aus jüdischem Besitz, "war mir schon bei meinem Dienstbeginn als Direktorin 1999 bewusst", erklärt Hanemann.

Als eines der frühesten Projekte in Bayern an einem kommunal geführten Haus kommt das Bamberger seinen Verpflichtungen nach Aufklärung seit 2012 nach. Ein erster Meilenstein war 2014 der Abschluss des Restitutionsverfahrens zum "Schönbornschen Löwenpokal" aus der Sammlung Budge. Durch eine Ausgleichszahlung an die rechtmäßigen Erben in Höhe von 350 000 Euro konnte der Löwenpokal im Historischen Museum verbleiben.

Auch diese brisante Geschichte erzählt die Ausstellung. Dazu kommen komplexe Ankaufsgeschichten auf Texttafeln und veranschaulicht mit Exponaten, in denen jüdische Sammler wie Angelo von Wassermann und Willy Lessing zwangsweise ihre Rollen übernehmen mussten. Von Bamberger Kunst- und Antiquitätenhändlern wie Wolfgang Boxlidner, Karl Förtsch, Oswald Lehmann und Anton Rauh ist die Rede, die enge Geschäftsbeziehungen mit NSDAP-Parteifunktionären und Oberbürgermeister Lorenz Zahneisen pflegten. Durch ihre Ankäufe gelangten in der NS-Zeit insgesamt 283 Verdachtsobjekte in den Bestand der städtischen Museen.

"Die Ausstellung ist beispielhaft gut gemacht und präsentiert", lobte etwa der Besucher Johannes Daun aus Solingen. Der 80-jährige promovierte Historiker hatte seine besondere Freude an dem Rechercheparcour, auf dem er der Arbeitsweise der Provenienzforschung nachspüren konnte. "Ein aufwendiges, schwieriges, aber notwendiges Kapitel", nannte Daun diese Wissenschaftsdisziplin und schaute hinter den Vorhang. Die Zeichnung "Ostchor des Bamberger Domes" von 1833 - höchstwahrscheinlich aus jüdischem Besitz - ist nämlich zunächst mit einer Art Rollo verhangen. Es kann behutsam gelupft werden, sozusagen beispielhaft für die schrittweise, reale Spurensuche nach Herkunftsnachweisen.

Museumsdirektorin Hanemann wünscht sich nun für Bamberg die Aufarbeitung der NS-Geschichte, "die sich nicht nur an einem Maler namens Bayerlein entzünden sollte". Viele Facetten wären für die Historiker und Kunsthistoriker zu erforschen: "Dafür sind Finanzmittel nötig!" Außerdem sei es notwendig, die Museen als klassische Lernorte für Schüler einzubeziehen, gerade auch zum Thema "Nationalsozialismus".

Die Ausstellung "Spurensuche. Provenienzforschung in Bamberg" ist im Historischen Museum, Domplatz 7, bis zum 15. Oktober 2017 Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Am 30. April ist sie wegen des Weltkulturerbelaufs geschlossen.


Zur Ausstellung

Provenienzforschung Diese Forschung widmet sich der wissenschaftlichen Untersuchung der Herkunft (Provenienz) von Kultur- und Archivgut. Ihre Aufgabe ist es, die wechselnden Eigentumsverhältnisse eines Objektes oder den Verbleib von vermisstem Kulturgut zu klären. Auf Grundlage der "Washingtoner Erklärung vom 3. Dezember 1998" haben sich 44 Unterzeichnerstaaten - darunter Deutschland - verpflichtet, Vermögenswerte, die während des NS-Regimes verfolgungsbedingt entzogen wurden, in ihren Beständen zu identifizieren. Gelingt dies, sollte mit den rechtmäßigen Eigentümern eine gerechte Lösung für den weiteren Verbleib gefunden werden. Der Umsetzung dieser Forderungen kommen die Museen der Stadt Bamberg seit 2012 nach.

Führungen Mittwoch, 26. April, 17 Uhr, VHS-Führung: "Die Stecknadel im Heuhaufen - Provenienzforschung in Bamberg" (Anmeldung bei der VHS); Mittwoch, 23. August, 12.30 Uhr, Kunstsnack: "Mehr als Gurlitt und Co.: Provenienzforschung in Bamberg"
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