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Weihnachten

Mythos Weiße Weihnachten - der Faktencheck

Weiße Weihnachten - das war früher eine sichere Sache. Oder etwa nicht? Ein Faktencheck zum Thema Wetter an Weihnachten.
Foto: Tanja via inFrankenPix
 
von JOHANNES GÖRZ ROBERT WAGNER


Weiße Weihnachten - nur eine ferne Erinnerung?

Weihnachten, wie wir uns erinnern: In unserer Kindheit streifte man an Heiligabend durch verschneite Straßen zur Kirche, baute Schneemänner und beharkte sich in Schneeballschlachten. Heute dagegen schneit es nur noch selten, grüne Weihnachten sind deutlich häufiger geworden. Oder? Täuscht uns hier unser Gedächtnis?

"Traditionell gibt es um Weihnachten eher mildes Wetter", erklärt Heiko Paeth, Professor für Geographie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Diese Erfahrung schlägt sich auch im "Hundertjährigen Kalender" nieder. Hier ist vom "Weihnachtstauwetter" die Rede.


Weiße Weihnachten oder grüne Weihnachten - das sagen die Daten

Wir haben uns Wetterdaten angesehen, um diesem Widerspruch zwischen Erinnerung und Meteorologen-Aussage auf den Grund zu gehen. Exemplarisch haben wir Schneehöhen an zehn Orten in Franken angesehen, zum Teil ab 1950, so die Daten vollständig vorhanden waren, zum Teil ab 1979:



Je nach Höhenlage und lokalen Besonderheiten gibt es gewisse Abweichungen, doch eines haben alle Wetterkurven gemein: Es ist kein klarer Trend zu erkennen. Immer wieder gibt es schneereiche Weihnachten, doch waren diese früher nicht häufiger als heute.


Warum schneit es an Weihnachten so selten?

Heiko Paeth erklärt, wieso: "Das Wetter in unserer Region wird maßgeblich von der 'Nordatlantischen Oszillation' beeinflusst. Um Weihnachten treiben häufig Westwinde wärmere Luftmassen vom Atlantik zu uns - es wird mild."

Heiligabend mit Schnee - das ist also nicht die Regel. Im Durchschnitt etwa alle vier Jahre liegt am 24. Dezember Schnee, und sei es auch nur ein kleiner Zuckerguss. Das ergab die Analyse der Daten unserer zehn Messpunkte seit 1979. Selbst der schneereiche Spitzenreiter Hof kommt nur auf 18 Weihnachten mit Schnee seit 1979. Wer auf Weiße Weihnachten aus ist, sollte also einen Umzug nach Hochfranken in Erwägung ziehen.



Doch die Tendenz ist klar: Schnee an Heiligabend kann man nicht erwarten und konnte es auch noch nie. Das zeigt eine weitere Auswertung der Daten des Deutschen Wetterdiensts. Bei den Durchschnittswerten der Jahrzehnte gibt es immer wieder Ausreißer. So waren die 90er-Jahre im Schnitt recht schneereich, schneereicher als die 80er- oder 70er-Jahre. Also auch hier kein Abwärtstrend zu erkennen.




Weiße Weihnachten - nur eine trügerische Erinnerung?

Warum also trauern wir Jahr um Jahr still angesichts grüner Wiesen mit einem "Früher war das aber anders..." auf den Lippen? Das liegt unter anderem an unserem Gedächtnis, sagt Fritz Strack, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Würzburg.

Zum Einen sei Gedächtnis nicht gleich Gedächtnis, erklärt er. "Im episodischen Gedächtnis speichern wir ab, wie genau etwas gewesen ist. Sie wissen dann noch, wie das Wetter zu Weihnachten war, wer alles da war und was es zu essen gab." Wegen der begrenzten Kapazität des Gehirns werden solche Erinnerungen jedoch schnell gelöscht.

"Was bleibt ist das semantische Gedächtnis", erklärt Strack. Hier spielen aber auch Einschätzungen, Urteile und fremde Ideen eine Rolle. "Hier kommt es auch darauf an, wie etwas sein sollte", sagt der Psychologe. "Wir wissen beispielsweise vom Klimawandel. Wir wissen also, dass es früher kälter gewesen sein muss." Tendenziell glauben wir deshalb, dass es früher öfters Schnee gab. Wir glauben es nicht nur, wir erinnern uns sogar daran.

Im Fernsehen und auf Bildern - überall wird uns suggeriert, Weihnachten und Schnee gehören zusammen. Und irgendwann speichert das Gehirn das auch so ab. "Unser Gedächtnis konstruiert Erinnerungen", erklärt Strack. Außerdem bleiben uns Ereignisse, die außergewöhnlich waren, präsenter. "Ankererinnerungen" nennt Strack das.


Noch ein Grund: der Klimawandel

Die Winter werden aber tatsächlich immer wärmer. Das ist richtig, unabhängig vom immer schon eher grünen Weihnachten. "Allein das Wort 'Weihnachtstauwetter' impliziert ja, dass es vorher schon mal geschneit hat", sagt Klimaforscher Paeth. In diesem Jahr etwa habe es noch keinen wirklichen Frost gegeben.

"Bisher haben wir den wärmsten aufgezeichneten Winter aller Zeiten", sagt Paeth. "Wieder einmal", fügt er nach einer kurzen Pause hinzu.


Unsere Methode

Bei unserer Betrachtung der Daten des Deutschen Wetterdiensts sind wir so vorgegangen: Es wurden Messstationen ausgesucht, die möglichst über Franken verteilt sind. Voraussetzung waren vollständige Daten in einem gewissen Zeitraum. Bei fünf Orten hatten wir Daten ab 1950: Bamberg, Kronach, Würzburg, Hof und Schlüsselfeld. Bei weiteren fünf Orten liegen lückenlose Daten nur ab 1979 vor: Kulmbach-Burghaig, Geiselwind, Sonnefeld-Gestungen und Königsfeld.

Bei der Recherche konzentrierten wir uns außerdem auf Heiligabend selbst, nicht auf alle drei Weihnachtstage. Sowohl bei der Betrachtung weiterer Standpunkte als auch aller drei Weihnachtstage könnten sich Abweichungen im Detail ergeben, doch die Tendenz bleibt die gleiche. Daher beschränkten wir uns auf die genannten Orte.

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