Stübig
Jagd

Mit feiner Nase auf Schweißfährte

Der Jäger Ulrich Keilholz und sein Hund sind ein besonderes Gespann: Sie suchen verletztes Wild auf und erlösen es von seinen Leiden.
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Bei der Suche nach verletztem Wild sind sie ein erfahrenes Gespann: Ulrich Keilholz und sein Hund Xando. Foto: Riegerpress
Bei der Suche nach verletztem Wild sind sie ein erfahrenes Gespann: Ulrich Keilholz und sein Hund Xando. Foto: Riegerpress
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Wenn "Xando von der Sauenhatz" mit seinem Herrchen Ulrich Keilholz Gassi geht, unterscheidet sich der quirlige Bayerische Gebirgsschweißhund kaum von anderen Hunden. Er genießt es, über freie Felder zu rennen, interessanten Gerüchen mit seiner feinen Nase nachzuspüren und hier und da mal ein fröhliches Bellen von sich zu geben. Wenn jedoch sein Herrchen in seine Spezialkleidung schlüpft und ein spezielles Hundegeschirr für Xando aus dem Wagen holt, verwandelt sich der gutmütige Familienhund in ein Arbeitstier. Schließlich sind er und Ulrich Keilholz anerkanntes Nachsuchegespann des Bayerischen Jagdverbandes und suchen gemeinsam verletztes Wild auf.

Nicht alle auf der Straße angefahrenen Tiere verenden sofort an Ort und Stelle, sondern schleppen sich oftmals schwer verletzt durch die Wälder. Aber auch bei der Jagd kommt es gelegentlich vor, dass die Tiere nicht sofort gefunden werden können.

Immer dann kommen Ulrich Keilholz und sein Schweißhund Xando ins Spiel. Zu jeder Tages- und Nachtzeit und bei jedem Wind und Wetter ziehen beide los, verfolgen die Spur des verletzten Tieres und befreien es nach dem Auffinden von seinem Leiden. Damit erledigen beide eine wichtige gesetzlich vorgeschriebene Aufgabe des Tierschutzes - ehrenamtlich wohlgemerkt.

Ulrich Keilholz ist von Kindesbeinen von der Jagd begeistert. "Für mich ist beinahe eine Welt zusammengebrochen, wenn ich als zwölfjähriger Bub ein Wochenende mal nicht mit auf die Jagdhütte in ein Revier nahe Hollfeld gehen konnte", erinnert er sich. Daher war es für ihn auch völlig klar, dass er - als er alt genug war - im Jahre 1984 die Jägerprüfung ablegte. Sein waidmännisches Handwerk hat er damals von strengen Jägern im Raum Memmelsdorf erlernt, wo er später auch zehn Jahre als Jagdaufseher tätig war.

Durch seine Frau verlegte er allerdings sein Jagdgebiet nach Stübig, wo er auch heute noch mit seiner Familie wohnt. In all der Zeit seiner Tätigkeit als Jäger lag und liegt ihm aber auch immer der Tierschutz sehr am Herzen. So bringt es ihn nach wie vor auf die Palme, wenn bei einem Wildunfall Tiere angefahren werden und keiner Bescheid gibt, dass diese schwer verletzt noch entfliehen konnten. "Das Gleiche erwarte ich auch von einem Jäger. Es kann aus unterschiedlichsten Gründen immer mal passieren, dass Wild nach dem Schuss nicht gefunden werden kann. Aber es gehört dann zur waidmännischen Pflicht des Jägers, dafür Sorge zu tragen, dass das Tier möglichst zeitnah von seinem Leiden erlöst wird. Im Übrigen ist dies gesetzlich auch so verankert", betont Keilholz.


Nächtliche Einsätze

Als Schweißhundeführer ist der 55-Jährige seit mehr als zwanzig Jahren unterwegs. Dabei haben er und seine speziell ausgebildeten Hunde (Xando ist mittlerweile der dritte Schweißhund im Dienste von Keilholz) nicht nur viel erlebt und unzählige Kilometer zurückgelegt, sondern der Jäger brachte auch so manches Opfer in Sachen Privatleben. Denn nicht selten wird das Nachsuchegespann mitten in der Nacht von der Polizei zu einem Wildunfall gerufen. "Ich musste auch schon häufig einen Wochenendausflug mit der Familie absagen, weil gerade mal wieder ein verletztes Tier nachzusuchen war", schildert er.

Aber nicht nur auf etliche Familienausflüge musste er verzichten, sondern er und sein Hund haben so manche Blessuren bei der Nachsuche davon getragen. Schließlich ziehen sich die verletzten Tiere meist tief in die Wälder und ins dichte Gebüsch zurück. Da die beiden den Tieren dorthin folgen, bleiben sie auch nicht von Schrammen und Kratzern verschont. "Bei mir geht es noch, ich habe eine spezielle Schutzhose und Weste, aber der Hund ist völlig ungeschützt. Zumal ich ihm im Sommer auch keine Schutzjacke anziehen kann, da er sonst überhitzen würde", schildert der Jäger. Somit musste Keilholz im Zuge von Nachsuchen bereits einige Male Erste Hilfe bei seinem Hund leisten.


Nicht ungefährlich

Aber auch sonst ist für die beiden die Nachsuche durchaus nicht ungefährlich. Denn die Tiere, besonders Wildschweine, reagieren äußerst aggressiv und greifen sofort an. Daher hat der Jäger meist nur die Möglichkeit einen Schuss abzugeben, um das Tier zu erlösen. Trifft er nicht, kann es böse für den Jäger enden. "So manche meiner Kollegen wurden bei Nachsuchen auf Wildschweine schwer verletzt", berichtet Keilholz.

Dennoch würde er für nichts in der Welt die Nachsuche aufgeben. Zumindest nicht, so lange er gesundheitlich fit ist und sein Hund Spaß an der Fährtensuche hat.
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