Region // Bamberg
Luster prägte das grüne Bamberg
Vor 50 Jahren starb Viktor Luster, der 1919 von Hamburg-Altona in die Dom-Stadt kam. Er schuf Grünflächen und gestaltete den Hain sowie den Friedhof.
Nach beendeter Landesgartenschau sei an einen Mann gedacht, ohne den die Bamberger Grünanlagen wesentlich ärmer wären: Viktor Luster (1882-1962). Vor 50 Jahren, am 15. Oktober, ist er verstorben. Seine Berufung, als Bamberg 1919 einen Nachfolger für den greisen Stadtgärtner Gunzelmann suchte, erst zögerlich in der engeren fränkischen Umgebung, hatte Schwung bekommen, als sich der angesehene Gärtner und Ökonomierat Robert Mayer einschaltete. Luster war damals städtischer Gartenmeister in Altona, der preußischen Nachbarstadt Hamburgs.
Der damals 39-jährige Lehrerssohn aus Kirdorf im Taunus hatte bei den auf Schmuckgärten spezialisierten Gärtnereien im mondänen Kurort Homburg v.d. Höhe gelernt, dann in Charlottenburg, Dresden und Gnesen gearbeitet, war also viel herumgekommen. Ab 1896 im städtischen Dienst Altonas, wurde er früh mit den großen Reformvorhaben und Gartenplänen dieser Großstadt vertraut. Empfohlen hatte ihn kein Geringerer als sein oberster Chef Ferdinand Tutenberg (1874-1949), der seit 1913 in Altona als Gartenbaudirektor die Grünpolitik reformiert hatte.
Straffheit der Formen
Seine Stimme galt damals viel in Deutschland. Der Volkspark in Altona wurde seit 1914 eine große Erholungsanlage für die Stadtbewohner im Industriezeitalter. Auch gestalterisch zeigte er eine neue Straffheit der Formen.
Luster hatte sicher auch die Entwicklung im benachbarten Hamburg miterlebt, den dortigen Stadtpark und die Erweiterung des Hauptfriedhofes Ohlsdorf, mit geometrisch durchgebildeten Anlagen in freien Gestaltungen des Einzelnen, mannigfaltig, aber doch geschlossen.
Oberbürgermeister Wächter war eigens nach Hamburg gereist, um sich Lusters Arbeiten anzusehen, und hatte dem Magistrat berichtet. Auch Luster kam nach Bamberg und brachte Vorschläge mit, vor allem, den baulich künstlerischen Aspekt im Stadtbild mehr zu beachten und die Dominanz der Regnitzarme herauszuarbeiten. Er hatte also sehr grundsätzliche Vorstellungen von der Stadt als Gesamtorganismus, wie vorher schon Hans Erlwein als Stadtbaurat.
Dies entsprach einem allgemeinen Reformgedanken, nach den Idealen der am 10. Mai 1887 in Dresden gegründeten "Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftspflege".
Neue Wegeführung
Luster wurde zum 1. September 1921 angestellt und erhielt wie gewünscht auch das Friedhofswesen zugeteilt. Er fand gleich die Aufgabe vor, bei dem damals neuen Ehrenmal für die Stifterfamilie Dr. Wolf im Norden des Städtischen Friedhofs eine angemessene Umgebung zu gestalten. Hier schuf er eine neue symmetrische Wegeführung, die später Mittelpunkt weiterer Ehrengräber wurde.
So entwarf er auch die dortige Kriegergedächtnis-Anlage, gemeinsam mit dem Bildhauer Hans Leitherer (1885-1963), in sehr geometrischen Formen, stilistisch dem Zeitgeist entsprechend mit halbhohen, straff beschnittenen Hecken, also in Verbindung der Gartenkunst mit architektonisch plastischen Elementen.
Lusters Sorge galt immer wieder dem Hain, den er vor der Nutzung sportlicher Art bewahrt hat. Hier legte er im Luisenhain den Botanischen Garten an und gestaltete den See südlich davon. Auch der Volkspark wur de Objekt intensiver Planungen. Dort konnten die Bedürfnisse städtischer Bewohnerschaft nach körperlicher Ertüchtigung eine Behausung bekommen.
In der Stadt entstanden Arbeiten für den Schönleinsplatz, den Hof des Michelsberges, den Rosengarten vor dem Badehaus bei Schloss Geyerswörth, den Markusplatz und vieles mehr. Auch um den Bahnhofsvorplatz kümmerte sich Luster. Schon bald nahm er auch Kontakt zu dem bereits hier wirkenden Josef Kindshoven auf und beteiligte sich an dessen Aktionen zur Beratung der Bevölkerung beim privaten Blumenschmuck ihrer Häuser. Er baute eine gute Stadtgärtnerei als Basis des Handelns auf.
Auch das allgemeine Siedlungswesen im Osten der Stadt wurde oft von ihm beraten.
Seine Handschrift ist noch heute deutlich im historischen Bamberger Stadtgrün zu finden.
Nach dem Kriegsende wurde Luster entlassen, da er seit 1935 Mitglied der NSDAP gewesen war, wurde aber nach dem Spruchkammerverfahren wieder eingestellt und dann aus Altersgründen pensioniert.
Zu seinen runden Geburtstagen erschienen Artikel in den Tageszeitungen, die sein Wirken würdigten. Als er 1962 starb, nahmen hohe Vertreter der Stadt Anteil, Oberbürgermeister Theodor Mathieu legte einen Kranz am Grabe nieder.
Im neuesten Inventarband des Landesamtes für Denkmalpflege findet sich bereits eine erste angemessene Würdigung

















