lokale Nachrichten aus Bamberg Coburg Kulmbach Forchheim Haßberge Erlangen-Höchstadt Kronach Rhön Grabfeld Schweinfurt Bayreuth Kitzingen Bad Kissingen

>> als Startseite

Lange Straße: Niederlage für Parkplatzgegner

Der Stadtrat hat sich nach einem Antrag auf Nachprüfung der CSU selbst korrigiert. Die Parkplätze in der Langen Straße bleiben doch erhalten. Nicht alle freut das.
Die CSU und die Geschäftswelt haben sich durchgesetzt: Die 14 Kurzzeitparkplätze in der Langen Straße in Bamberg bleiben erhalten.
 

Christian Irmisch ist enttäuscht. Der Bamberger, der seit Jahren bei Siemens in Erlangen als Experte für Verkehrssysteme arbeitet, hat jahrelang dafür gekämpft, dass Fußgänger und Radfahrer in der Langen Straße mehr Platz erhalten. "Aufenthaltsqualität" war das Zauberwort. Nun hat der Stadtrat die Hoffnung mancher Bürger zunichte gemacht, dass sich in dieser wichtigen Innenstadtstraße schnell etwas verändert.

Dabei sah es noch vor zwei Wochen ganz anders aus. Mit knapper Mehrheit von sieben zu sechs Stimmen sprang der Bausenat über seinen Schatten und beschloss, dass die 14 Kurzeitparkplätze den Ergebnissen des Mediationsverfahrens Innenstadt folgend aufgelöst und der Radweg auf der Südseite auf die Straße verlegt werden sollte. Irmisch und seine Mitstreiter jubelten, die Geschäftswelt ging auf die Barrikaden.

Nun wieder die Rolle rückwärts. Der Nachprüfungsantrag der CSU, der aus Sicht der CSU auch deshalb nötig war, weil Franz Pichler (CSU) gegen seine Fraktion stimmte, hat sein Ziel erreicht. Mit 24 zu 17 Stimmen setzten sich im Ringen um die Lange Straße jene durch, die den Ängsten der Geschäftswelt vor Umsatzeinbußen die Priorität vor den Gestaltungswünschen aus der Bürgerschaft einräumten.

Zu ihnen gehörte zuvörderst die CSU, deren Vorsitzender Helmut Müller eine Entschleunigung bei Änderungen an der Verkehrsinfrastruktur anmahnten. Auch stellte die CSU den Wunsch der Anwohner in den Mittelpunkt, die laut Müller nicht möchten, dass aus der Langen Straße eine reine Partymeile wird. Widerspruch kam aus den Reihen der Grünen und der SPD. Heinz Kuntke, der beim Vorgehen der Stadt alles andere feststellen konnte, nur keine "übergroße Hast", sprach von einem gefährlichen Tohuwabohu der Verkehrsteilnehmer in der Langen Straße. Die Situation müsse dringend verbessert werden: "Von 14 Parkplätzen hängt das Wohl und Wehe der Geschäftswelt nicht ab."

An der geschlossenen Front derer die sich für den Erhalt der Parkplätze einsetzen, änderte dies aber wenig. Zu ihnen gehörten die Fraktion "Für Bamberg", die FDP-BR-Fraktion, Daniela Reinfelder (CSU), aber auch Armin Andres (SPD), der wie Pichler gegen seine Fraktion stimmte. Eine Mittlerrolle übernahm die Fraktion der Freien Wähler. Dieter Weinsheimer, der im Bausenat noch dafür gestimmt hatte, die Straße nadelöhrartig zu verengen, setzte sich nun dafür ein, dass die Ergebnisse der Ideenwerkstatt von 2010 wenigstens als Orientierungsrahmen gelten sollen.

Baureferent Michael Ilk machte freilich wenig Hoffnung, dass in naher Zukunft viel Spielraum bleibt, um die Aufenthaltsqualität in der Straße tatsächlich zu erhöhen. "Dieser Beschluss kommt einer Nulllösung gleich. Einen Pflanzkübel möchte ich nicht aufstellen."

Zustimmung löste die Kehrtwende im Stadtrat indes bei den Gewerbetreibenden in der Straße aus. Pius Schiele, Sprecher der Interessengemeinschaft Lange Straße, glaubt, dass Kurzzeitparklätze große Bedeutung für seine Mitglieder haben. 95 Prozent seien für die Parkplätze. Schiele: "Wir wünschen uns weder mehr Gastronomie, noch glauben wir, dass sich die Sicherheit erhöht, wenn der Radweg auf die Straße verlegt wird."

Kommentare

nach Bewertung
 
Alte zuerst
 
Neue zuerst
  • community  Nutzer0815 Diesen Post kommentierenkommentieren

    Umfassendes Verkehrskonzept notwendigSchade für alle Radfahrer. Allerdings ist es auch ein Problem, dass der Verkehr und die Parkplätze in dieser oder jener Straße immer isoliert betrachtet werden. Im Prinzip ist dieses Problem Teil eines Problems, das die ganze Stadt und den ganzen Landkreis umfasst.

    Das Problem ist doch: Die allermeisten Buslinien enden an der Stadtgrenze, insbesondere abends. Wer aus dem Landkreis in die Stadt will, der braucht also ein Auto. Und wer die Kosten für ein Auto sowieso zu tragen hat, der kauft nicht zusätzlich noch ein Busticket. Da wäre der erste Ansatzpunkt. Bamberg hat gerade einmal 70.000 Einwohner, aber mehr Verkehr als so manche Großstadt - und das nervt so manchen Bamberger, nicht nur in der Innenstadt.
    Es müsste ein intelligentes Konzept her (Stichwort: Nahverkehrsplan), wie man die vielen Autofahrten in die Stadt reduzieren kann. Dazu gehören mehr und bessere Busanbindungen, der S-Bahnhalt Bamberg-Süd dort, wo die ganzen Baumärkte, Müller usw. sind, strategisch günstige Park&Ride-Parkplätze, an denen man nicht doppelt zahlen muss (Parkgebühr, Busticket), auch ein attraktives Fahrradwegenetz (die Niederlande oder Münster in Westfalen können hier Vorbilder sein),... vor allem aber ein Zusammenarbeiten von Stadt und Landkreis beim Nahverkehr!

    Wenn dies geschehen ist, wird sich kaum noch jemand frewillig mit dem Auto durch die Lange Straße quälen wollen.

    (1)
  • community  Marbles Diesen Post kommentierenkommentieren

    Nicht genutzte Chance!Sehr schade. Das ist eine Niederlage für die "Lange Straße", nicht für die Parkplatzgegner, wie der Titel suggeriert. Das hat die Lange Straße nicht verdient.

    Die CSU hat mit ihrem kurzsichtigen Taktieren und Blockieren die Chance vergeben, dem unübersehbaren Downgrading der "Langen Straße" entgegenzuwirken. Gleiches gilt für die Lobby aus Stadtmarketing und einiger weniger Geschäftsleute. Ich bin überzeugt, dass damit - langfristig gesehen - der Wirtschaft ein Bärendienst erwiesen wurde.

    (1)
  • community  ideengeberr Diesen Post kommentierenkommentieren

    Verkehr in BambergEndlich mal eine gute Entscheidung. Viele klagen über Verödung der Innenstädte, kaum einer denkt nach warum. Das Auto ist und bleibt halt nun mal des Deutschen liebstes Kind und auch ich werde, wenn ich nur zwei paar Socken kaufen, oder einen schnellen Capuccino trinken möchte nicht erst ins Parkhaus fahren. Wenn es für kurze Erledigungen keine Kurzparplätze in der Innestadt gäbe würden wir alle in die "Fachmarktzentren" auf der grünen Wiese fahren. Also seid ehrlich, es gibt zur Zeit keine Alternative zum Auto. Innenstädte nur als Museum wäre doch ein bißchen doof, oder ?

    Alle erwarten, daß die anderen Bus fahren.
    Weshalb hat denn das Parkhaus Breitenau meist leer gestanden.

    Nur eins noch zum Schluß, auch der Artikel über die Geschwindigkeitsmoral ist doch ein schlechter Scherz. Erstens gibt es Geschwindigkeitsmessungen in Bamberg durch die Polizei, und zweitens, auch bei zusätzlicher Messung wird es immer einzelne hirnlose geben, die mit 100 durch die 30iger Zone fahren.
    Und die Aussage, daß "die meisten" mit mehr als 10kmh über den Domplatz gefahren sind relativiert sich wohl wenn zu erfahren ist, daß es dann doch mit weniger als 20 war. 10 oder 20, schöne Zahlen, auf dem Papier super klar zu schreiben, doch die Realität? Haben die Verfasser solcher Vorschriften eigentlich selbst Fahrpraxis?

    (5)
  • community  unbekannt Diesen Post kommentierenkommentieren

    Gute Entscheidung!-

    (1)
  • community  DocHoliday Diesen Post kommentierenkommentieren

    Getreu dem Mottowas interessiert mich mein Geschwätz von gestern?

    Wann werden wir von dieser Hüh-und-Hott-CSU erlöst?

    (3)
  • community  unbekannt Diesen Post kommentierenkommentieren

    Manche sind lernfähig und Manche nicht. Der Eine begreift es, der Andere nicht!-

    (0)
  • community  wolwei Diesen Post kommentierenkommentieren

    Was hat der Stadtratdafür bekommen? Ade Lebensqualität in Bamberg, Herzlich willkommen, Parksuchverkehr in der Langen Str. und kommen sie doch auf eine Dosis Autoabgase im Cafe Graupner vorbei.
    Absolut unterverständliche Entscheidung, woran zu erkennen ist, dass der Stadtrat keine Ahnung von Verkehrskonzepten hat und lieber mehr Geschwindigkeitskontrollen haben will (auch wenn das Thema gestern vertagt wurde). Ich bleibe dabei, es muss ein Gesamtverkehrskonzept für Bamberg her und nicht so ein Gewurschtel im Berggebiet, in der Sandstr. etc. Das kann doch nicht so schwierig sein.

    (3)
  • community  hellokitty Diesen Post kommentierenkommentieren

    Klar hängt das Wohl der Geschäftsleutenicht von 14 Kurzzeitparkplätzen. Wenn ich die wäre, würde ich aber auch jeder Kleinigkeit widersprechen. Kleinvieh macht auch Mist. Siehe zukünftige Verkehrskontrollen in den 10 km/h Zonen...
    Wie geht keine Partymeile und keine Autos in einer der wichtigsten Straßen in Bamberg zusammen? Diese Straße war schon immer hoch frequentiert. Das wissen Parkplatzsucher, Geschäftsleute und Anwohner...

    (2)
  • community  lemotto Diesen Post kommentierenkommentieren

    Armseliger StadtratDa beschliesst ein Stadtrat am Ende eines langwierigen Mediationsprozesses vor einigen Jahren mit großer Mehrheit, dass die lange Straße verkehrsberuhigt werden soll. Sobald es ernst wird, fangen die Zweifel an. Erst hüh, dann hott? Die einzige Konstante ist hier die Unebrechenbarkeit. Wie armselig ist das denn?

    (7)
  • community  CFRA1 Diesen Post kommentierenkommentieren

    Gut so!

    (1)

Kommentieren


Titel:
Text:
 
(noch Zeichen)

Unregistrierte Nutzer
 
 

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:  *
gewünschtes Passwort:  *
Wiederholung Passwort:  *
E-Mail:  *
Anrede:
Frau Herr  
Vorname:
Nachname:
* Ich bin mit der Netiquette einverstanden
Ich möchte mir exklusive Leservorteile nicht entgehen lassen und gestatte der Mediengruppe Oberfranken – Zeitungsverlage GmbH & Co. KG und deren verbundenen Unternehmen mir auch nach Ablauf des Abonnements telefonisch und per E-Mail Vorteilsangebote zu unterbreiten. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen.
Community
Ich möchte kommentieren und eigene Leserbeiträge verfassen Ich möchte nicht kommentieren und keine eigene Leserbeiträge verfassen  


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wieviel ist 13 - 3 :