Bamberg
Vernissage

Kesselhaus steht wieder unter Dampf

Mit der Ausstellung "Wollfront" wurde der Seitentrakt des früheren Bamberger Krankenhauses offiziell wieder als Stätte für Gegenwartskünstler in Betrieb genommen.
Artikel einbetten Artikel drucken
Jetzt regiert im ehemaligen Kesselhaus wieder die Kunst - und viele Besucher wollen daran teilhaben.Foto: RiegerPress
Jetzt regiert im ehemaligen Kesselhaus wieder die Kunst - und viele Besucher wollen daran teilhaben.Foto: RiegerPress
+6 Bilder
Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) hat in seiner Amtszeit schon unzählige Bänder zur Eröffnung von Räumlichkeiten oder Straßen durchschnitten. Aber einen mit Wolle "dekorierten" Stacheldrahtzahn noch nicht. Diese ungewöhnliche Zeremonie fand nun im Rahmen der Wiedereröffnung des Kesselhauses als Ausstellungsfläche für Gegenwartskünstler statt. Den Stacheldrahtzaun haben die "Betreiber" des Hauses hauptsächlich wegen der Ausstellung "Wollfront", bei der die beiden Künstler Sebastian Giussani und Daniel Man das Kesselhaus in eine Raumskulptur aus Stacheldraht verwandelten, gewählt. Aber sicherlich auch, weil es doch ein oftmals stacheliger Weg war, bis das Gebäude aus den 1960er-Jahren wieder für Kunstaustellungen genutzt werden konnte.

Tiefschlaf ist zu Ende

"Nachdem 1984 mit der Fertigstellung des neuen Krankenhauses der Dampf abgedreht wurde, fiel das Kesselhaus in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf", erinnerte sich Ulrich Kahle, Erster Vorsitzender des Fördervereins "Kunstraum Jetzt!". Aus dem Tiefschlaf habe ihn dann ein kleiner Kreis leidenschaftlicher Sucher nach Ausstellungsmöglichkeiten für die Stadt erweckt. Und dadurch konnten zwischen den Jahren 2011 und 2013 eine ganze Reihe von überregional beachteten Ausstellungen in dem markanten Funktionsbau durchgeführt werden. Allerdings drohte bereits 2014 das abrupte Ende, weil aufgrund von Baumängeln die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Einmalige Chance

"Heute, nach 21 Monaten und zwei gefüllten Leitzordnern mit Gutachtern, Korrespondenz und flammenden Briefen an die Verantwortlichen der Stadt, geht es wieder los", ergänzte Christiane Toewe vom Förderverein.
Sicherlich, so betonten die beiden Vereinsvertreter, hätte man bei genauerem Hinsehen noch das ein oder andere verbessern können, doch sei das Erreichte im Namen der aktuellen Kunst freudig anzunehmen.

"Wir sehen das wiederbelebte Kesselhaus als einmalige Chance für die Künstler, in einem sehr großen, eigenwilligen, aber vieles zulassenden Raum zu arbeiten", freute sich Kahle. Es biete zudem die Möglichkeit, dass Bürger an der Auseinandersetzung mit Zeitströmungen und dem Blick auf die Künstler der Gesellschaft teilhaben könnten. Und für die Stadt selbst sei es eine großartige Chance, ihr Profil als Kunststadt jenseits allen Weltkulturerbes zu schärfen.

Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke bat noch einmal rückwirkend für Nachsicht mit der Verwaltung, dass das Kesselhaus seinerzeit geschlossen werden musste. Aber die Sicherheit hätte eben gewährleistet sein müssen. "Dennoch ist es uns gelungen, zu einer vernünftigen Lösung zu kommen, die den Betrieb des Kesselhauses als Kunst-Ort für die nächsten drei Jahre sichern wird", betonte Starke. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde vom Klarinettisten Christian Reinhard und der Sängerin Monika Teepe.

Im Mittelpunkt der Vernissage stand die Mitmachaktion der beiden Künstler. Dabei konnten die Besucher mit Luftdruck Wollknäuel an die mit Stacheldraht behangene Decke schießen.
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren