Halt sagen und Halt geben, das gilt jetzt für sieben Landkreisgemeinden im Hinblick auf den Umgang mit Alkohol und ganz speziell bei Jugendlichen. Zu den Vorreitergemeinden Strullendorf, Litzendorf und Heiligenstadt gesellten sich mit Vertragsunterzeichnung auch Hallstadt, Gundelsheim, Memmelsdorf und Priesendorf. Mit dem Alkohol-Präventionsprojekt "Halt" (Hart am Limit trinken) war die Region Bamberg vor zweieinhalb Jahren bayernweit ein Vorreiter, so Lothar Riemer von der Abteilung Gesundheitswesen am Landratsamt Bamberg, die "Halt" in der Region koordiniert. Mittlerweile hat sich das "Halt"-Netz auf 34 Standorte in ganz Bayern ausgeweitet, wobei "Oberfranken ganz gut bestückt ist," so Riemer.

Bei der Vertragsunterzeichnung erklärte Riemer einmal mehr, dass es bei dem Projekt nicht um die Verteufelung von Alkoholkonsum, sondern um eine Sensibilisierung für den verantwortungsbewussten Umgang damit gehe. Wobei Landratsamt, Gemeinden, Vereine und Polizei an einem Strang zögen. Letztendlich müsse nur das umgesetzt werden, was im Jugendschutz stehe. Andererseits gehe es darum, hinzusehen, Grenzen zu setzen. Wobei Landrat-Stellvertreter Georg Bogensperger betonte, dass es sich insgesamt um einen Prozess handele. "Halt" umfasse Infomaterial ebenso wie Schulungen für Gemeinden wie deren Vereine, die das Projekt letztlich bei ihren Veranstaltungen mit Leben erfüllen. Diesen Aspekt unterstrichen denn auch namens ihrer Kommunen die Bürgermeister Maria Beck (Priesendorf), Johann Bäuerlein (Memmelsdorf), Jonas Merzbacher (Gundelsheim) und Markus Zirkel (Hallstadt). Sie alle freuten sich über die Bereitschaft der Vereine, sich bei "Halt" mit einzubringen, denn ohne dies sei Alkoholprävention auf Gemeindeebene nicht möglich.

Was sagen junge Leute zur "Halt"-Aktion? Lena Sönning, 21-jährige Bambergerin findet das Projekt interessant, befürwortet sie doch auch das Schutzengel-Projekt in den Discos. "Es ist gut, mehr Aufklärung und auch Anlaufstellen zu haben." Die 19-jährige Margit Thomann kommt aus Walsdorf, das noch keine Halt-Gemeinde ist, und würde es begrüßen, wenn Walsdorf dabei wäre. Sie habe sie zwar noch nicht persönlich erlebt, aber schon von Exzessen gehört. Die gäbe es wahrscheinlich deshalb, weil man als Jugendlicher Alkohol nicht so einschätzen könne. Von daher empfindet sie die Hilfestellung durch"Halt" als "gute Sache". "Ich finde es gut, dass Hallstadt dabei ist", freut sich der 21-jährige Hallstadter Matthias Wolf. Die Jugendlichen, die bei Feiern und Kirchweihen trinken, "werden immer jünger und sind teilweise voll zu, man weiß nicht, wo die das her haben ".

Erwachsene sollen genau deswegen sensibilisiert werden, sagt Manfred Dütsch, Jugendbeauftragter in Priesendorf und voll begeistert von "Halt". "Wenn einer am Boden liegt, dann brauche ich ihm doch nicht noch Bier bringen." Mit "Halt" will er nun so viele Feste wie möglich besuchen, um im Sinne des Projektes Halt zu geben.


Kein Feste-Marathon


Einen Feste-Marathon sieht Dietmar Stowasser vom Ordnungsamt der Stadt Hallstadt besuchstechnisch durch die Projektbetreuung nicht auf sich zukommen. Er geht lieber zu den Vereinen, um hier Beratung bei Festvor- und Nachbereitungen zu bieten. "Wir wollen Wege aufzeigen, wie der Jugendschutz sich am besten umsetzen lässt." Es gehe auch darum, Eltern Hilfe zu bieten, sagt der Vater zweier Teenager. Eines der Ziele, die erreicht werden sollen, sei ja die Übernahme von Eigenverantwortung.

Das ist auch das Ansinnen der Polizei, die das Projekt mit ihren Jugendkontaktbeamten begleitet - zu Beispiel bei den Infoveranstaltungen für Gemeinden und Vereine, so Armin Kühnert, Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Land. Die bisherigen Erfahrungen mit "Halt"-Gemeinden sind positiv: "Man merkt, wenn das Projekt in einer Gemeinde umgesetzt wird." Vielleicht gibt es ja bald eine achte Halt-Gemeinde, angesichts der Euphorie der neuen "Halt"-Bürgermeister, die auch Burgebrachs Bürgermeister Bogensperger ein wenig anzustecken schien...