In Bamberg entstehen 600 neue Wohnungen

Die Schaeffler-Brache in Bamberg-Nord sieht nach Jahren des Verfalls einer Wiederbelebung als Wohnquartier entgegen. 600 Wohnungen sollen geschaffen werden, viele in denkmalgeschützten Fabrikhallen. Eine erste Hürde hat das Großprojekt genommen. Der Stadtrat billigte ein Sanierungsgebiet - Voraussetzung für Steuererleichterungen.
Das Obergeschoss der großen Schaeffler-Halle. Hier sollen einmal großzügig verglaste Loft-Wohnungen mit einer Dachterrasse entstehen.  Foto:  Michael Gründel
 
Thomas Scherer klettert erstaunlich geschwind durch die Luke auf das riesige Dach der Fabrikhalle. Es ist eine Aussicht, die der Projektentwickler unbedingt teilen möchte. Von hier oben hat man einen Traumblick auf Bambergs Hügel. Und man sieht sehr gut auf eines der ältesten Industriegebiete Bambergs herab: die Schaeffler-Brache.

Ein Gebiet im Wandel: Schon in wenigen Jahren sollen hier 600 Wohneinheiten entstehen, darunter 120 Studentenwohnungen, 60 Lofts und eine Vielzahl von Reihen- und Mehrgenerationenhäusern. Damit wäre Schaeffler 2.0, wie das 100-Millionen-Euro-Projekt in Anlehnung an den Neustart eines Stadtteils heißt, das größte Bauvorhaben Bambergs.

Derzeit erinnert freilich noch wenig an Wohnen. Das seit 1865 genutzte Quartier hat eine Größe von 10 Fußballfeldern und gleicht von oben einer Steinlandschaft. Doch zwischen den grauen Dächern verbergen sich Perlen, und dazu zählt nicht nur die Direktorenvilla samt Park. "Wir bauen nichts grundsätzlich Neues hier. Wir schälen die gute alte Substanz heraus und geben ihr neue Nutzung und neuen Wert", sagt Scherer. "Denkmal neu" lautet seine Devise - eine Philosophie, die er zusammen mit Jürgen Dziumbla bereits auf der Erba in die Praxis umgesetzt hat. Hier wandelte die J.A. Consulting GmbH alte Industriegebäude für 50 Millionen Euro in Wohnungen um. Nun will man an der Jäckstraße noch größer einsteigen, um dem Bamberger Markt das zu geben, was er derzeit am meisten braucht: Wohnungen.

Scherer und Dziumbla lassen keinen Zweifel, dass sie das zwischen Schlachthof und Magazinstraße gelegene Industriegebiet als Glücksfall sehen. Die letzten 150 Jahre haben hier ein Mosaik an Produktionsgebäuden hinterlassen, deren Vielfalt eine aus ihrer Sicht einmalige Wohnlandschaft möglich macht. So soll die große, weithin sichtbare Fabrikhalle nicht abgerissen, sondern, von der Blechverkleidung befreit, auf die Trägerstruktur zurückgeführt werden. Das heutige Lager bietet Platz für 60 großflächig verglaste Lofts. Dann die zahlreichen Backsteinhallen mit Shed-Dach-Elementen: Sie sehen einer Zukunft als Reihenhäuser entgegen. Möglichst wenig Historisches soll verschwinden, versprechen die Investoren und planen kleine Terrassen und Gärten hinter gründerzeitlichen Mauern, ein Kunstgriff, der gelingt, wenn einzelne Shed-Dach-Achsen herausgenommen werden. Unterm Strich soll Schaeffler viel grüner werden, sagt Dziumbla: 17 000 Quadratmeter werden entsiegelt und zu einem Park umgewandelt. Und noch eine Besonderheit nimmt er für sich in Anspruch: Der Keller unter dem Grundstück ist groß genug für 550 Fahrzeuge, so dass hier das erste autofreie Stadtviertel Deutschlands entstehen könnte.

Die Nachfrage nach Immobilien ist derzeit in Bamberg groß. Dies schätzt man auch im Immocenter der Sparkasse Bamberg so ein. Abteilungsleiter Thomas Winkler begrüßt deshalb das Schaeffler-Projekt. Allerdings benötige ein Vorhaben dieser Dimension großes Durchhaltevermögen, sagt Winkler: "Die Investoren müssen ihre Hausaufgaben machen und beim Preis bedenken, dass es sich nicht um das Hain-Gebiet handelt."
An politischer Unterstützung mangelt es zumindest nicht: Nahezu euphorisch sprachen sich die Räte am Mittwoch für ein Sanierungsgebiet aus. Pankraz Deuber (CSU) nannte das Projekt einen Glücksfall, Ursula Sowa (GAL) "ein Geschenk".

Mit dem Beschluss im Stadtrat haben die Schaeffler-Pioniere die erste Hürde genommen. In Sanierungsgebieten winken erhebliche Steuererleichterungen. Für mögliche Käufer bedeutet dies eine Einsparung von bis zu einem Drittel der Kosten.

Kommentare

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  • community  Norbert Diesen Post kommentierenkommentieren

    Schaeffler-GeländeAlso ich finde es gut wenn endlich die Schaeffler Brache aufgewertet wird.Ich bin dort aufgewachsen und der Gestank vom Schlachthof ist auch nicht so schlimm, wenn sie die Grünflächen so verwirklichen wie vorgesehen ist das eine Enorme Aufwertung für unser Gebiet

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  • community  lemotto Diesen Post kommentierenkommentieren

    Investorenfreundliches BambergFür die Investoren wird in rekordverdächtiger Geschwindigkeit ein Sanierungsgebiet ausgewiesen, damit die sich demnächst über Steuerabschreibungen freuen können. Der Familie, die ein eigenes Bauprojekt verwirklichen will, nutzt das wenig, denn die haben meist nichts, was sich abschreiben lässt.
    Was wird passieren: Steuerberater und Zahnärzte kaufen steuersubventionierte Häuser, die sie (teuer?) weitervermieten werden. Sozial ist das nicht unbedingt!

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  • community  Liebig Diesen Post kommentierenkommentieren

    Schaeffler-GeländeUnd wenn dann die schönen neuen - und wahrscheinlich auch nicht ganz billigen - Wohnungen endlich fertig sind, dann beschweren sich deren Bewohner über den Gestank vom gegenüberliegenden Schlachthof. Und was passiert dann? Muss Bamberg dann irgendwo in der Pampa noch einen neuen Schlachthof bauen?

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