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Im Stall ist jetzt ein Kino

Nach 32 Jahren als Museum wurde das Haus Mittelstraße 34 behutsam neu gestaltet. Es soll in diesem Jahr auch die Gäste der Landesgartenschau in das Gärtnerviertel locken. Am Sonntag wird es eröffnet.
Pankraz Deuber mit Besucherin  Christiane Hartleitner im "Kino" des Gärtnermuseums.  Trotz Monitor und   Eisenrost als Fußboden  ist der Stall als solcher erkennbar. Als Sitzgelegenheiten dienen mit Stroh gefüllte Säcke. Fotos: Rinklef
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Oben auf dem Dachboden füllte Andreas Pietsch die Samenkörnchen typischer Bamberger Gärtner-Pflanzen in Schaugläser, unten putzte Siegfried Otto die Fenster der guten Stube. Der Innenarchitekt und der Mitarbeiter der Gebäudereinigungsfirma Wisag legten letzte Hand an das renovierte Gärtner- und Häckermuseum in der Mittelstraße 34, bevor es am Sonntag um 11 Uhr nach der Winter- und Restaurierungspause eröffnet wird. Die Besonderheit im Jahr der Landesgartenschau ist, dass das Museum bis zum 7. Oktober täglich und ohne Ruhetag von 14 bis 20 Uhr geöffnet sein wird.
Die augenfälligsten Veränderungen haben sich auf dem Dachboden und im Garten vollzogen. Das früher mit Werkzeugen und Gärtnerutensilien volgestopfte, ziemlich unübersichtliche Obergeschoss ist gründlich durchforstet worden. Die meisten Exponate wurden ins Depot ausgelagert und warten auf ihre Präsentation in künftigen Sonderausstellungen. Nur noch wenige Geräte und Körbe stehen da. Dafür dürften die Erkenntnisse, die der Besucher mitnehmen kann, umso größer sein. Auf runden Schilder, die man in die Hand nehmen darf, werden die für Bamberg wichtigsten Gemüse- und Kräutersorten erklärt, und eine Weltkarte zeigt an, woher die Pflanzen ursprünglich stammen.
Auf der anderen Seite gibt es eine große Fotografie von Bamberger "Markthögn" vor der Städtischen Altane am Grünen Markt, und eine weitere Tafel zeigt, wie weit die Handelsbeziehungen der Bamberger Gärtner früher reichten: Bis nach Prag und in die Niederlande wurden Sämereien, Süßholz-wurzeln und getrocknete Kräuter wie Majoran verkauft. Als die Stadt ab 1844 einen Eisenbahnanschluss hatte, gingen die Gärtner auch mit frischem Gemüse auf die Reise. Sie verkauften es in Coburg, Hof und sogar in München.



Den Häckern, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts in Bamberg Wein angebaut haben und später auf Obstanbau umgestiegen sind, wird im Museum neuerdings ein eigener Raum zwischen der "schwarzen Küche" und dem Stall gewidmet. Die Zunftfahne mit dem Häckerpatron Urban ist dort ausgestellt, außerdem Weinbutten, eine Presse und historische Trinkgefäße. Vermutlich werden in diesem Raum die einheimischen Besucher besonders viel Zeit verbringen: Museumswissenschaftler Hubertus Habel hat den alten Zweidler-Stadtplan aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts so stark vergrößern lassen, dass er eine ganze Wand des Raumes ausfüllt. So kann man sich bequem in alle Details vertiefen und darüber staunen, was die Stadt bis heute an Gebäuden und Gärten bewahren konnte.
Der Stall nebenan dient künftig als "Kino", in dem Dokumentationen gezeigt werden, oder wo man sich auf Säcken, die mit Stroh gefüllt sind, ausruhen und dem Audio-Guide lauschen kann. Bei schönem Wetter locken die Bänke im neu angelegten Garten. Um die Beete führt ein bequemer Rundweg, der auch Rollstuhlfahrern einen Besuch ermöglicht. Rund 400 000 Euro kostete die Runderneuerung.

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