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"Ich empfinde große Wehmut, wenn sie gehen"
In zwei bis drei Jahren werden die Amerikaner vollständig abgezogen sein. Diese Nachricht bedeutet eine Zäsur in der jüngeren Geschichte Bambergs. Die US-Army hat Bamberg in den letzten Jahrzehnten geprägt.
Georg Schäfer war 13, als die Amerikaner im April 1945 in Bamberg einmarschierten. Der Bub erlebte, wie die US-Truppen aus Richtung Gaustadt kommend eine Pontonbrücke an der früheren Kaliko (heute Ziegelbau der Konzerthalle) bauten und wie sie an der Unteren Brücke von einem deutschen Flugzeug angegriffen wurden. "Die Amerikaner sprangen in volle Deckung, ein Soldat packte mich am Arm und riss mich hinter das Blumenhäuschen, das damals am Anfang der Unteren Brücke stand", erinnert sich der heute 80-Jährige.
67 Jahre später neigt sich die Nachkriegsgeschichte in Bamberg allmählich dem Ende entgegen. Auch wenn die Informationen, die Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) vom amerikanischen Oberbefehlshaber der Heeresstreitkräfte, Mark Hertling, in Ansbach erhielt, noch viele Fragen offen ließen, so wurde am Donnerstag dennoch zur Gewissheit, was sich als Gerücht in den letzten Wochen mehr und mehr verbreitet hatte: Die Amerikaner verlassen den Standort Bamberg in wenigen Jahren.
Damit steht die Stadt vor der nie da gewesenen Herausforderung: Es gilt 440 Hektar ihrer Fläche, das entspricht einem Zehntel der Stadt, in den nächsten Jahrzehnten wieder öffentlich zugänglich zu machen. Eine gewaltige Ressource von 2800 Wohneinheiten, Schulen, Sporthallen, Einkaufsmöglichkeit fallen über kurz oder lang wieder den Bürgern dieser Stadt zu.
Doch es wird auch Opfer geben: 370 deutsche Beschäftigte in der zivilen Standortverwaltung sind durch den Abzug ihrer beruflichen Perspektive beraubt. Viele Wirtschaftsbetriebe aus Handwerk und Dienstleistung werden empfindliche Einbußen hinnehmen müssen. Denn die Amerikaner mit bis zu 8000 Soldaten und Angehörigen sind ein großer und zuverlässiger Auftraggeber.
Die Folgen des Abzugs der US-Armee sind noch gar nicht alle absehbar, aber in der Politik besteht Einigkeit darüber, dass mit den Risiken auch große Chancen verbunden sind. Oberbürgermeister Andreas Starke bezeichnete die Umwandlung der Kasernenfläche als "größte Herausforderung der letzten Jahrzehnte". Man müsse nun alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte bündeln, um sich sorgfälig auf die Aufgaben vorzubereiten, die sich nun stellen. Durch den zeitlichen Übergang bestehe die Möglichkeit, sehr genau zu prüfen, wie man die Potenziale für Wohnen und Gewerbe nutzen könne.
Der Abzug der Amerikaner ist nicht nur ein städtisches Thema. Auch am Landkreis Bamberg wird die Auflösung des US-Standorts nicht spurlos vorübergehen, fürchtet Landrat Günther Denzler (CSU). Denzler geht unter anderem davon aus, dass der demografische Druck auf die Landkreisgemeinden wachsen wird, weil ältere Leute künftig die Gelegenheit nutzen werden, sich zu günstigeren Preisen Wohnungen in Bamberg zu kaufen. Das zwinge die Gemeinden, attraktiver werden, um Bürger halten oder gewinnen zu können. "Das ist aber auch eine Chance", sagte der Landrat. Denn wenn die Preise fielen, heiße das auch, dass der Landkreis wieder attraktiver für junge Familien werde.
Große Chancen für den überhitzten Bamberger Wohnungsmarkt sieht man bei den Bamberger Grünen. Ursula Sowa fordert die Stadt auf, in einer fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe möglichst bald über konkrete Strategien für die Konversion nachzudenken. Keinesfalls dürfe man sich der Illusion hingeben, dass es der Immobilienmarkt schon verkraften werde, wenn viele Wohnungen auf einen Schlag auf den Markt geworfen würden: "Dann bricht alles zusammen."
Auch wer keine Wohnung vermieten oder verkaufen will, ist als Einwohner der Stadt direkt davon betroffen, wenn der US-Standort aufgelöst wird. Ziehen die amerikanischen Soldaten ab, sinken die Einnahmen der Stadt Bamberg in "nicht unerheblicher Größenordnung", wie der Finanzreferent Bertram Felix sagte. Denn über Schlüsselzuweisungen bringt jeder zusätzliche Einwohner, also auch Soldaten und ihre Angehörigen, Geld in die Kassen der Stadt. Und noch zwei Befürchtungen bewegen den Kämmerer in diesen Tagen: Wenn die Zahl der Einwohner schrumpft, gehen im gleichen Maße auch die Gewerbesteuereinnahmen zurück. Gleichzeitig steigen die Kosten für Wasser und Abwasser, Strom und Gas. Denn natürlich haben 7000 US-Bewohner mit dazu beigetragen, dass die kommunale Infrastruktur günstig unterhalten werden konnte.
Vor allem den Stadtwerken beschert die US-Armee Umsätze in Millionenhöhe. Deshalb glaubt CSU-Fraktionschef Helmut Müller, dass der Abzug "erst einmal ein herber Schlag für die Stadt" ist. "Doch auf längere Sicht überwiegen die Chancen", fügt er hinzu. Voraussetzung ist aus seiner Sicht, dass die Stadt die Planungen zur Konversion energisch vorantreibt und dafür sorgt, dass das frei werdende Land möglichst billig bleibt. Müller zweifelt, dass man im Bamberger Rathaus mit dem von der CSU schon vor Jahren angemahnten Nachdruck vorgegangen sei: "Ich habe viel von einer Task Force gehört, aber keine Ergebnisse gesehen."
Wie viele in Bamberg verbindet auch Helmut Müller persönliche Erinnerungen mit den Amerikanern. Als junger Mann war er Schlagzeuger in einer Bluesband. "Wir haben die Amerikaner geliebt. Deshalb empfinde ich große Wehmut, wenn sie jetzt gehen..."
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