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ICE-Planung löst Empörung in Bamberg aus
Die Begriffe, die im Stadtrat fielen, sprechen für sich: Von Kriegserklärung war da die Rede, von Kampfansage, Zoff und Volksaufstand. Selten war sich das Gremium in einer ablehnenden Grundhaltung so einig wie beim Thema ICE-Trasse.
Es ist ein Anflug, wie man ihn sich als Bamberger besser nicht vorstellt. Der virtuelle Flieger nähert sich der Stadt wahlweise von Süden und Norden und lenkt den Blick auf ein Bauwerk, das die Stadt spaltet, aber die Politik eint - die Lärmschutzwände entlang der geplanten ICE-Trasse. Sie sind abschnittsweise fünf und sechs Meter hoch, teilweise fünffach gestaffelt und ziehen sich auf einer Länge von über vier Kilometern quer durch die Stadt.
Dieses Monument gibt es bisher nur in der Vorentwurfsplanung der DB Projekt GmbH. Was es für die optische Unversehrtheit und die Lebensqualität Bambergs bedeuten könnte, das erfuhren die Stadträte und eine Vielzahl interessierter Bürger am Mittwoch im Harmoniesaal.
Das Stadtplanungsamt hatte in monatelanger Rechenarbeit am Computer eine dreidimensionale Darstellung der geplanten viergleisigen Bahntrasse durch Bamberg erstellt und damit Neuland betreten.
"Etwas Vergleichbares gibt es noch nicht", sagte Bernhard Leiter bei der Vorstellung der Präsentation, die eine dreidimensionale Annäherung aus allen Himmelsrichtungen ermöglichte.
Misst man das Ergebnis am Interesse der Zuschauer, hat sich der Aufwand gelohnt. Stadträte und Besucher im Sitzungssaal blickten in der halbstündigen Vorführung gebannt auf das, was vor ihnen über die Leinwand flimmerte. Als sich der virtuelle Flieger der Geisfelder Unterführung näherte, kochte der Volkszorn das erste Mal hoch: "Mit uns nicht!", rief Franz Goetz, Anwohner in der Schildstraße, als er sah, was die Planer vor seiner Haustüre vorhaben.
Auch in der offiziellen Debattenrunde hörten sich die Kommentare nicht zurückhaltender an.
Zwar gibt es keine Gruppierung, die den Ausbau der Strecke generell ablehnt, aber in der derzeit geplanten Form löst sie quer durch alle Fraktionen Empörung aus. "Das kann ich Ihnen sagen, dann gehen auch die Konservativen auf die Straße; dann gibt es Zoff ohne Ende", drohte CSU-Chef Helmut Müller angesichts der Vorstellung eines hinter riesenhaften Mauern verschwindenden Welterbes. Sein SPD-Kollege Heinz Kuntke prophezeite einen Volksaufstand. Die grüne Stadträtin Ursula Sowa sprach von einer Kampfansage, und Klaus Stieringer steigerte die Reihe mit dem Begriff "Kriegserklärung". "Sie haben ja keine Ahnung, was passiert, wenn man eine ganze Stadt gegen sich aufbringt."
Rainer Gubitz, der Vertreter der Bahn blieb trotz der verbalen Kanonade gelassen:
"Die DB Netz AG hat kein Interesse, hohen Lärmschutz zu bauen, aber wir müssen es, weil es rechtlich so geregelt ist", sagte er. Der Planer räumte ein, dass die derzeitigen Standards beim Lärmschutz 20 Jahre alt sind und vieles im Fluss sei, was die Gleise, die Gestaltung der Güterwagen und ihre Bremsen angeht. Gubitz hofft, dass es bereits im Sommer neue Erkenntnisse gibt. Sie könnten auch die Debatte in Bamberg beeinflussen.
Solange dies nicht der Fall ist, beharren die Stadträte auf ihren schon bisher erhobenen fünf Forderungen. Zu ihnen gehört der ICE-Halt, ein Bahnhaltepunkt Bamberg Süd und der unbedingte Schutz des Welterbes. Auch Lärmschutz ist unverzichtbar. Doch vor dem Eingriff in Stadtstruktur und Stadtbild müssten alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.
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