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Urteil

Hohe Haftstrafe für Bamberger Ex-Chefarzt

Sieben Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe und ein fünfjähriges Berufsverbot verhängten die Richter gegen den Ex-Chefarzt.
Fotografen und Kameraleute drängen sich vor der Urteilsverkündung um den Angeklagten Heinz W. Foto: Ronald Rinklef
 
von JUTTA BEHR-GROH
Der 71. Prozesstag im "Chefarzt-Prozess" muss nicht der letzte gewesen sein. Heinz W. akzeptiere den Schuldspruch nicht, sagte Rechtsanwältin Katharina Rausch nach der Urteilsverkündung vor Medienvertretern. Sie kündigte eine Revision gegen das Urteil der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Bamberg an.

Die Bamberger Richter haben den 51-jährigen Angeklagten am Montag der schweren Vergewaltigung in sechs Fällen und des sexuellen Missbrauchs in fünf Fällen sowie weiterer Straftaten zu Lasten von zwölf Patientinnen und Klinikums-Mitarbeiterinnen schuldig gesprochen und eine Freiheitsstrafe von sieben Jahre sowie neun Monaten verhängt.

Außerdem erhielt der ehemalige Leiter der Gefäßchirurgie am Bamberger Klinikum ein fünfjähriges Berufsverbot. Als Verurteilter hat er zudem die noch nicht näher bekannten Kosten dieses Mammutverfahrens zu tragen - auch die seiner Opfer, die als Nebenklägerinnen teilgenommen haben.

W. hatte drei Verteidiger aufgeboten, um das Gericht von seiner angeblichen Unschuld zu überzeugen. Die Richter halten dem Gefäßspezialisten zwar ein großes medizinisches Wissen zugute, sind aber auch sicher, dass er ab dem Jahr 2008 seine Position und Möglichkeiten ausgenützt hat, um Sexualstraftaten zu begehen.

Wenn der Chefarzt die intimen Untersuchungen der Frauen wirklich für eine Beckenvenen-Studie gemacht hätte - warum habe er sie dann nicht vorher ausführlich über sein Vorgehen informiert und um ihr Einverständnis für Fotos und Videos gebeten, fragte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt.
Es gibt nach seinen Worten für einen Arzt, der innovativ tätig sein will, auch keinen Grund, Patientinnen vor einer Untersuchung ein Medikament zu geben, das sie sediert und das Erinnerungslücken hervorruft. Für die Kammer liegt auf der Hand: Der Angeklagte "gab dem Ganzen ein medizinisches Gepräge."

Keines der Opfer hatte laut Schmidt einen Grund, den Chefarzt und Familienvater W. zu Unrecht zu belasten. Alle hätten ihn vielmehr als vertrauenswürdigen Arzt von korrektem Auftreten erlebt und beschrieben. Die Richter erteilten damit allen Verschwörungstheorien der Verteidigung eine Absage.

Ausführlich legte der Vorsitzende Richter dar, dass W. mit keinem seiner Opfer den Geschlechtsverkehr ausgeübt hat. Er habe sich der Vergewaltigung schuldig gemacht, indem er Finger oder Gegenstände vaginal oder anal eingeführt habe.
Die davon heimlich gemachten Fotos und Videos wertete das Gericht als Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs. Das Verabreichen eines sedierenden Mittels kommt einer Körperverletzung gleich.

Die Zweite Strafkammer folgte zwar weitestgehend den Argumenten von Leitendem Oberstaatsanwalt Bernhard Lieb, blieb aber deutlich unter dessen Antrag auf 15 Jahre Strafe. Das niedrigere Strafmaß berücksichtigt laut Schmidt "den tiefen Fall, den der Angeklagte gemacht hat": Dieser habe bereits durch das Aufsehen erregende Verfahren seine soziale Stellung und Reputation verloren.

Heinz W. quittierte die umfangreiche Urteilsbegründung wiederholt mit Kopfschütteln.

zum Thema "Chefarzt-Prozess Bamberg"

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