Region // Bamberg
Hoffnung für das Bamberger Atrium?
Nach Jahren des Niedergangs keimt neue Zuversicht fürs Einkaufszentrum an der Ludwigstraße. Es sollen konkrete Verkaufsgespräche um das 22-jährige Haus laufen.
Zum 31. März schließt der nächste Laden im Atrium: Die McPaper-Niederlassung gibt auf. Filialleiterin Monika Harz hat Verständnis für diese Entscheidung der Unternehmenszentrale. Sie berichtet, dass sich Kunden schon im vergangenen Jahr laut darüber gewundert hätten, dass der Laden überhaupt "noch da" sei. Zu den zwölf Einzelhändlern und Dienstleistern, die ab 1. April noch im Einkaufszentrum an der Ludwigstraße ausharren, gehört Friseur Michael Espach - mehr oder weniger freiwillig. Dass er seinen Salon noch hält "und kämpft", ist nach seinen Worten kein Bekenntnis zum Standort, sondern Folge des Mietvertrags. Er läuft bis 2014. Würde er den Salon früher schließen, müsste er trotzdem noch Miete zahlen.
Espach wäre froh, wenn stimmt, was Klaus Stieringer vom Stadtmarketing-Verein weiß und was von Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg, bestätigt wird: Es sollen seit Kurzem konkrete Verkaufsverhandlungen um das Atrium laufen. Weder Monika Harz noch Michael Espach ist davon bisher etwas zu Ohren gekommen. Dagegen gibt sich die Stadtsprecherin ausgesprochen optimistisch; sie hält es für möglich, dass noch in diesem Frühjahr das Einkaufszentrum den Besitzer wechselt.
Gespräche um den Verkauf aller fast 50 Einkaufszentren, die dem insolventen Heddon-Fonds gehören und von denen das Bamberger Atrium eines ist, laufen. Das erfuhr unsere Redaktion auch von Mario Zanolli. Er ist seit 1. Februar der neue Ansprechpartner für die Atrium-Mieter. Die Verwaltung der Immobilie hat vor ein paar Wochen gewechselt und obliegt jetzt der Voelkel Company, für die Zanolli arbeitet. Wie er sagte, steht das "ganze Paket" an Handelsimmobilien im Auftrag des in Luxemburg ansässigen Insolvenzverwalters zur Veräußerung. Auf die Frage nach den Erfolgsaussichten antwortete er: "Die Hoffnung ist da, sonst würde man den Verkaufsprozess nicht starten."
Vier Interessenten wetteifern ums Atrium
Konkretes Interesse am Atrium sollen weiterhin vier international agierende Spezialisten für Einzelhandelsimmobilien haben. Ihren "Wettstreit", der laut Stieringer schon 2010 begann, wertet der Stadtmarketing-Geschäftsführer als Beweis dafür, "wie attraktiv Bamberg ist". Die Namen der Unternehmen werden vorerst noch hinter vorgehaltener Hand gehandelt. Als einziges bekennt sich derzeit die ECE Projektmanagement GmbH zu ihrem Interesse am Atrium. Der für die Entwicklung zuständige Projektdirektor Jens Hintze bestätigt Gespräche um den Erwerb des Komplexes. ECE ist nach eigenen Angaben europäischer Marktführer auf dem Gebiet innerstädtischer Shopping-Center. Überlegungen, das Atrium in Verbindung mit dem auf der anderen Straßenseite gelegenen so genannten Posthochhaus zu entwickeln, verneint Hintze für seine Gesellschaft. Ihm ist aber, wie er sagt, bekannt, dass Konkurrenten solche Pläne hegen.
Das entspricht den Informationen von Stieringer. Demnach gibt es die Idee, die beiden Immobilien durch eine Brücke über der Fahrbahn zu verbinden und daraus ein riesiges Einkaufszentrum mit 40.000 Quadratmetern Nutzfläche zu machen. Das wäre mit dem Stadtmarketingverein jedoch nicht zu machen, sagt dessen Geschäftsführer. Man unterstütze die Revitalisierung des Atriums, sei aber gegen eine Ausweitung der Verkaufsflächen. Der Innenstadt-Handel würde keinen so großen Kundenmagneten an der Bahnlinie verkraften. Das Ganze könnte noch aus einem weiteren Grund ein reines Planspiel bleiben: Der Landkreis, dem das "Posthochhaus" gehört, hegt laut Pressesprecherin Stefanie Schuhmann keine Verkaufsabsichten.
Trumpf Bebauungsplan
Während sich die Bamberger Stadtverwaltung mit Auskünften in Sachen Atrium sehr bedeckt hält und an Stieringer verweist, sagt der, dass die Kommune über den Bebauungsplan einen wichtigen Trumpf in der Hand und Einfluss habe, wie es dort weitergehen könnte. Der gültige Bebauungsplan von 1990 regelt nämlich auch das Sortiment, das im Atrium angeboten werden darf. Der Stadtrat habe vor 22 Jahren die Notwendigkeit gesehen, den Innenstadthandel zu schützen, "weil das Atrium die ,grüne Wiese' war", erklärt Citymanager Stieringer. Mit den Einschränkungen von damals wäre die Wiederbelebung des Hauses heute aber unmöglich.
Er hat klare Vorstellungen davon, was Bamberg an dieser Stelle gut täte: Multimedia, Sportartikel und hochwertige Textiler. Dann wäre das Atrium "eine Riesenchance" für die ganze Einkaufsstadt. Zurzeit schreckt sein Zustand potenzielle Kunden eher ab, als sie zu locken. Die meisten Einheiten stehen leer, der Verfall ist nicht zu übersehen. Ohne die treuen Stammkunden wäre es noch schlimmer, sagt Friseurmeister Espach.
Vielleicht gehen ja die "guten Wünsche" in Erfüllung, mit denen sich Wolfgang Morenz im Januar von den Mietern verabschiedet hat: Eineinhalb Jahre lang hatte er als Center-Manager im Atrium die undankbare Aufgabe, den Mangel zu verwalten. Mit dem Wechsel der Verwaltung endete das Gastspiel des Leipzigers in Bamberg.







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