Handcreme oder doch Ecstasy? Der Zoll im Einsatz

Auf dem Autobahnparkplatz nehmen Zoll- und Polizeibeamte Autos und Brummis unter die Lupe. Sie ertappen Drogenhändler, Zigarettenschmuggler, Steuerbetrüger und Schwarzarbeiter.
Bei der Kraftstoffüberprüfung: Dank chemischer Prozesse können auch geringe Spuren Heizöl im Tank nachgewiesen werden.
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Ein mulmiges Gefühl ist das, bei dichtem Schneefall und knapp über null Grad auf einem Parkplatz an der A73 zu stehen, vor einem geöffneten Polizeibus, darin ein elektronisches Drogenanalysegerät - und das schlägt auch noch an. Selbst wenn man weder Dealer noch Konsument ist, schlägt der Puls kurzzeitig ein bisschen höher. Methylamphetamine, Methylendioxyamphetamine oder zu deutsch: Crystal Meth oder Ecstasy, an den eigenen Fingern?!



Der Mann hinter dem Analysegerät grinst. Um ihn und seine junge Kollegin wuseln dutzende Zollbeamte, Verkehrspolizisten und Mitarbeiter des BAG, des Bundesamts für Güterverkehr, herum. Eigentlich eine Kontrolle wie jede andere. Außer, dass Hartmut Koschyk, Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär, heute zu Gast ist. In seinem Schlepptau eine ganze Kolonne von Pressevertretern, die ebenfalls bei der Kontrolle zugucken dürfen.

Magerer Tag, gutes Jahr
Die Bilanz am Ende des Tages wird eher mager ausfallen: Von rund hundert kontrollierten Fahrzeugen konnten keinem Fahrer Drogen- oder Waffendelikte nachgewiesen werden - stattdessen "nur" einige wenige Verstöße gegen Mindestlohnbestimmungen, Verdachtsfälle von Scheinselbstständigkeit sowie eine KFZ-Steuerschuld. Dies ist wohl dem Vorführeffekt geschuldet, denn die Jahresbilanz des federführenden Hauptzollamts Schweinfurt spricht eine andere Sprache. Sie vermeldet deutliche Zuwächse bei Zöllen, Verbrauchs- und Einfuhrumsatzsteuern wie auch beim Kampf gegen Schwarzarbeit.

Wie es zu diesen Ergebnissen kommt, wie also die tägliche Arbeit von Zoll, Verkehrspolizei und BAG aussieht, konnte am gestrigen Dienstag bei einer gemeinsamen Kontrollaktion begutachtet werden.
/> Kraftstoff, Ruhezeiten...
Die erste Station: Ein sogenannter Gasölhebel. Mit dessen Hilfe überprüfen die Beamten, ob nicht ein findiger Transportunternehmer seine Sattelschlepper einfach mit Heizöl statt Diesel betreibt und sich so finanzielle Vorteile verschafft und Steuern "spart". Das, so der zuständige Beamte, komme aber nur sehr selten vor, "vielleicht in etwa drei von hundert Fällen". Das könnte an den Konsequenzen liegen: Wer erwischt wird, muss nicht nur seinen Tank innerhalb von 24 Stunden komplett vom Heizöl reinigen, sondern auch alle umgangenen Steuern nachzahlen. Nicht zu vergessen die eigentliche Strafzahlung.

Währenddessen kontrollieren die Kollegen vom BAG einen Fahrer auf die Einhaltung der Ruhe- und Lenkzeiten. Seine erste Reaktion, als er rausgezogen wurde? "Ich wurde gar nicht rausgewunken", erzählt er. "Ich wollte eigentlich nur eine kurze Pinkelpause hier einlegen..." Genervt oder gar wütend über die ungeplante Verlängerung seiner Pause ist er jedoch nicht, eher zufrieden, denn: Die kleine Unregelmäßigkeit, die die Kontrolleure feststellen, kann er glaubhaft begründen und so drücken die BAG-ler, unter den Augen der Medienvertreter, mal ein Auge zu.

...Schwarzarbeit und Schmuggel
An der nächsten Station sitzt hingegen wieder eine Beamtin des Hauptzollamts. Ihre Aufgabe: Für die Kontrolleinheit Prävention Personenbefragungen durchführen. Damit werden wichtige Hinweise auf Schwarzarbeit und Verstöße gegen Meldepflichten gewonnen, die dann in der Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit monate-, teils sogar jahrelange Ermittlungen nach sich ziehen können. "Bisher", so die Beamtin, haben wir bereits zwei Verdachtsfälle von Scheinselbstständigkeit." Letztendlich geht es dabei wieder einmal um das Einsparen von Steuern, etwa der Lohnsteuer.

Ein weiterer großer Kontrollpunkt: Der Schmuggel. Dabei geht es zum einen um Waffen - vor zwei Jahren, so erklärt der Zoll, konnte beispielsweise dank einer Kontrolle im Bamberger Raum eine terroristische Vereinigung in Belgien aufgespürt und festgesetzt werden - zum anderen aber auch um alle Formen legaler und illegaler Drogen. Allein im Jahr 2011 mussten demnach etwa über eine Million Zigaretten nachträglich versteuert werden.
Gerade was den Schmuggel harter Drogen angeht, misst Hartmut Koschyk dem ostober-fränkischen Raum eine hohe Bedeutung zu, da aufgrund unterschiedlicher gesetzlicher Regelungen vermehrt Crystal Meth aus Tschechien den Weg über die Grenze finde. In dieser Hinsicht will er sich für eine weitere Verbesserung der bereits jetzt "sehr guten Zusammenarbeit mit den tschechischen Behörden" einsetzen.

Vollelektronische Drogenanalyse
Crystal Meth "sorgt" aber nicht nur für eine verstärkte deutsch-tschechische Zusammenarbeit, sondern auch für die exzellente technische Ausstattung der lokalen Zollbehörde: Das elektronische Drogenanalysegerät, "Itemiser" genannt, gibt es nur 19-mal in ganz Deutschland, die meisten davon sind in und um Berlin stationiert. Das Gerät kann geringste Mengen an gasförmigen oder festen Drogen- und Sprengstoffrückständen nachweisen und ist deswegen viel gefragt: "Kollegen waren damit schon beim G8-Gipfel in Heiligendamm", erzählt der Zollbeamte, der den "Itemiser" bedient.

Mit einem schmalen, filzähnlichen Streifen wird Schweiß vom Finger aufgenommen und voll elektronisch zuerst gereinigt und dann auf eventuelle Rückstände analysiert. Innerhalb weniger Sekunden leuchtet das Ergebnis auf dem Bildschirm auf: Amphetamine an den Fingern. Und wie kommen die dahin? Funktioniert das Gerät etwa nicht?

Belustigt über das erschrockene Gesicht seiner Testperson stellt er ganz routiniert fest: "Sie haben Handcreme benutzt, oder? Da enthalten manche eine geringe Menge Amphetamine. Aber da sind die Werte erheblich niedriger, als wenn Sie wirklich Drogen genommen hätten!"


Das Hauptzollamt Schweinfurt
Zuständigkeitsbereich Regierungsbezirke Ober- und Unterfranken, ausgenommen: Landkreise Hof und Wunsiedel, Teile des Landkreises Forchheims

Dienststellen und Zuständigkeiten in Bamberg Sachgebiet Prüfungsdienst, Zollamt Bamberg (Ludwigstraße), Sachgebiet Zentrale Strafsachen- und Bußgeldstelle Nordbayern (Memmelsdorfer Straße), Sachgebiet Kontrollen, Kontrolleinheiten Verkehrswege und Prävention, Sachgebiet Prüfung und Ermittlung, Finanzkontrolle Schwarzarbeit

Beschäftigte 449, davon 129 in Bamberg

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