Bamberg
Einblicke

Fünf Jahre Bambados in Bamberg: Zeit für einen Blick hinter die Kulissen

Das Bad an der Pödeldorfer Straße steckt voller Technik. Diese hilft, Energie zu sparen. Ein Blick hinter die Kulissen und unter die Schwimmbecken.
Artikel einbetten Artikel drucken
Das Sport- und Freizeit Bad in Bamberg besteht seit 2011. Damals wurde das Bambados für fast 32 Millionen Euro errichtet - jede Menge Technik steckt darin (rechts im Bild das Blockheizkraftwerk). Foto: Ronald Rinklef
Das Sport- und Freizeit Bad in Bamberg besteht seit 2011. Damals wurde das Bambados für fast 32 Millionen Euro errichtet - jede Menge Technik steckt darin (rechts im Bild das Blockheizkraftwerk). Foto: Ronald Rinklef
+9 Bilder
Oben über dem Schwimmerbecken bröckelte vor kurzem zwar der Putz, aber in den Katakomben funktioniert die Technik reibungslos, wie ein Blick hinter die Kulissen des Bambados beweist.

Das wird augenscheinlich, wenn man in den gelben Schuhkarton geht. So nennt Christoph Jeromin das Blockheizkraftwerk inoffiziell, das groß wie ein Haus neben dem Bambados steht. Im Schnitt ein Mal pro Woche kommt ein Lkw mit Hänger und bringt neue Hackschnitzel, die im Keller gelagert werden. Eine Ebene weiter oben, dort, wo es warm ist und Jeromin, Sachgebietsleiter Bäder bei den Stadtwerken Bamberg, sich den Schweiß von der Stirn wischen muss, vergast eine spezielle Anlage die Hackschnitzel, ein Aggregat verbrennt das Gas und erzeugt so Energie. Am Ende bleibt von einer Lkw-Ladung an Hackschnitzeln ein Sack an Rückständen über, die im Müllheizkraftwerk verbrannt werden. "So effizient arbeitet die Vergasungsanlage."


Fünf Millionen Euro im Passivhaus

Wenn man im Bambados hinter die Kulissen blickt, dann sieht man meist das: Rohre: große, kleine, schwarze, silberne, ummantelte, gebogene, gerade. Die Technik spielt in dem rund 14.300 Quadratmeter großen Sport- und Freizeitbad eine entscheidende Rolle. Von den 31,8 Millionen Euro, die das Bad gekostet hat, stecken allein zirka fünf Millionen Euro in der Passivhaus-Technik.

Was sich lohnt: Im Vergleich zu anderen Hallenbädern spart das Bambados laut einem Bericht des Darmstädter Passivhaus-Instituts mehr als 55 Prozent Endenergie und mehr als 60 Prozent Wasser ein. Der Wärmebedarf des Bambados soll um mehr als 75 Prozent geringer sein. Insgesamt benötigt das Bambados jährlich 2000 Kilowattstunden Heizenergie pro Quadratmeter Wasserfläche. Das entspricht einem Verbrauch von 13 Einfamilienhäusern.

Neben der Energieerzeugung zählt Jeromin auch die Isolierung der Außenhülle des Bades, die absolut dicht sein muss, zu den wichtigen Bausteinen. Um Energie einsparen zu können, herrscht eine höhere Luftfeuchtigkeit im Bad als beispielsweise im alten Hallenbad am Margaretendamm. Hier ist der Anteil bis zu 58 Prozent hoch. "Wir sparen dadurch Energie", erklärt Jeromin, der inzwischen im Keller des Bambados steht.

Die Lüftungsanlage sieht unspektakulär aus. Ein roter Kasten, groß wie ein Autoparkplatz, der wieder mit vielen dicken Rohren verbinden ist. Man muss wissen: Das Bad wird über die Zuluft geheizt, eine Fußbodenheizung oder Heizkörper braucht es nicht. Das führt allerdings auch zu Problemen. Badegästen kam es zeitweise zu kalt in den Umkleidekabinen vor, da dort die Luftfeuchtigkeit nur bei 50 Prozent liegt, fühlt sich die Luft kälter an - Jeromin betont aber: Die Temperaturen lag sowohl im Schwimmbad als auch in den Umkleidekabinen konstant bei 32 Grad Celsius. Inzwischen ist es in den Umkleiden wärmer: "Wir haben die Temperatur erhöht, um die gefühlte Kälte auszugleichen", erklärt Stadtwerke-Sprecher Jan Giersberg auf Nachfrage. Ein Lerneffekt der vergangenen fünf Jahre, in denen das Bambados besteht.

Und dann läuft Jeromin weiter durch die gut 100 Meter lange Halle, über der oben die Gäste baden. Auch ein Vorteil: Der Keller ist warm, das spart oben Energie. Hier unten riecht es leicht nach Chlor, ansonsten erinnert wenig an ein Bad.

Jeromin macht Halt an der Stelle, wo die Mitarbeiter für eine Kontrolle ins Freizeitbecken durch eine Luke, die wie ein Bullauge aussieht, einsteigen. Daneben stehen schön aufgereiht Geräte, die aussehen wie überdimensionierte Taucherflaschen - es sind die Ultrafiltrationseinheiten. Hier wird ständig das Wasser gereinigt, das über die speziell fürs Bambados entwickelte "Bamberger Rinne", durch die weniger Wasser verdunstet, am Schwimmbeckenrand abfließt.


Zunächst Trinkwasserqualität

Im Keller, wo Jeromin steht, wird das gebrauchte Wasser durch kleine Röhrchen gepresst. "Die sind so klein, dass keine Bakterien durchkommen. Das Wasser hat Trinkwasserqualität!" Wäre hier ein Hahn, könnte man also einen Schluck nehmen. Doch kann das Wasser so nicht zurück in die Becken geführt werden. "Eine Chlorung ist gesetzlich vorgeschrieben", sagt Jeromin. Denn oben im Becken schwimmen Menschen, die Bakterien mit sich herumtragen. Das Chlor tötet ungeliebte Keime ab.

So fließt das gechlorte Wasser wiederum über Rohre zurück ins Becken. Innerhalb von vier, fünf Stunden ist einmal das Wasser des Sportbeckens ausgetauscht - ohne große Verluste: Das Schwimmbad verbraucht genauso viel Wasser wie das alte Hallenbad, bei vierfacher Wasseroberfläche von 1800 Quadratmetern.

Jeromin ist zufrieden. Auch wenn manchem Badegast die Eintrittspreise zu hoch sind. Für "sein" modernes Bad interessieren sich inzwischen andere Städte und Kommunen - selbst aus dem Ausland gebe es Anfragen. Auch den Kollegen gibt der Bäderchef gerne eine Führung.
Verwandte Artikel
3 Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren